ADO Air 28 Pro Test: Reichen zwei Automatikgänge?

Das ADO Air 28 Pro will den Arbeitsweg so unkompliziert wie möglich machen: aufsteigen, lostreten und die Technik im Hintergrund arbeiten lassen. Mein Praxistest zeigt, für welche Pendler dieses 28-Zoll-E-Bike die richtige Wahl ist – und wann zwei Gänge zu wenig sind.

Testvideo vom Artikel aktualisiert am

Carbonriemen, Drehmomentsensor, Federgabel – und nur zwei automatisch wechselnde Gänge: Das ADO Air 28 Pro will den pflegeleichten Urban-Antrieb mit dem Komfort eines vollwertigen 28-Zoll-Rads verbinden. Im Test zeigt sich schnell, warum diese Kombination im Stadtalltag erstaunlich gut funktioniert. Ebenso deutlich wird aber, für wen die Automatik zu wenig Spielraum bietet.

Seine beste Rolle

Komfortabler Allrounder für Arbeitsweg, Stadtverkehr, Einkäufe und gelegentliche Touren.

Seine klare Grenze

Zwei automatische Gänge sind bequem, für sportliches Fahren und lange steile Anstiege aber wenig variabel.

Design und Verarbeitung: aufgeräumt mit kleinen Brüchen

Als Tiefeinsteiger wirkt das ADO modern und erfreulich aufgeräumt. Die sichtbaren Schweißnähte sind weitgehend geglättet, Carbonriemen und intern geführte Leitungen unterstützen die reduzierte Optik. Griffe und Aluminium-Schutzbleche wirken wertig; lediglich das gebündelte Kabelpaket vor dem Lenker und die groben Zubehörgewinde am Steuerrohr brechen den ansonsten sauberen Auftritt.

Praktisch ist der ab Werk montierte Gepäckträger, der Fahrradtaschen aufnimmt. Eine Öffnung im unteren Rahmen erleichtert das Anheben und bietet einen sinnvollen Punkt für ein Schloss. Mit rund 21 Kilogramm bleibt das ausgestattete 28-Zoll-Pedelec tragbar, häufige Treppen sind damit aber kein Vergnügen. Die maximale Zuladung von 120 Kilogramm passt zu typischen Pendel- und Einkaufsfahrten.

Antrieb: natürlich dosiert statt Ein-Aus-Gefühl

Im Hinterrad sitzt ein Bafang-Nabenmotor mit 250 Watt Nennleistung, bis zu 350 Watt in der Spitze und 40 Newtonmetern Drehmoment. Entscheidend ist weniger die Zahl als die Ansteuerung: Ein Drehmomentsensor im Tretlager misst den Pedaldruck und passt die Hilfe an die eigene Leistung an. Der Motor setzt fast verzögerungsfrei ein, schiebt an Steigungen kräftiger und nimmt sich zurück, sobald weniger Unterstützung gebraucht wird.

Bafang Hinterradmotor mit Zweigangautomatik des ADO Air 28 Pro
Motor und Zweigangautomatik sitzen gemeinsam in der Hinterradnabe des getesteten Air 28 Pro.

Im Fahrgefühl entscheidend: Das Air 28 Pro fährt nicht wie ein E-Bike mit Ein-Aus-Schalter. Der Drehmomentsensor übersetzt den eigenen Tritt angenehm direkt in Unterstützung.

Dadurch wirkt der Antrieb in den höheren der drei Unterstützungsstufen im Stadtverkehr lebendig, ohne unkontrolliert zu schieben. Der Heckmotor besitzt einen Freilauf und bremst das Rad ohne Unterstützung kaum aus. Mit ausgeschaltetem System lässt sich das Air 28 Pro auf flacher Strecke bewegen, doch beim Anfahren und an Steigungen sind die 21 Kilogramm deutlich spürbar.

Zweigangautomatik: bequem, aber nicht grenzenlos

Die mechanische Zweigang-Automatik ist in die Hinterradnabe integriert. Unterhalb von ungefähr 20 km/h nutzt sie die kürzere Übersetzung, darüber wechselt sie selbstständig in den zweiten Gang. Das erleichtert das Anfahren und reduziert auf schnellen Abschnitten die Trittfrequenz. Weil der Gangwechsel mechanisch arbeitet, funktioniert er auch bei ausgeschaltetem E-System.

Was die Automatik kann – und was nicht

Die zwei Übersetzungen beseitigen die größten Nachteile eines Singlespeed-Antriebs: schweres Anfahren und hektisches Treten bei höherem Tempo. Schaltzeitpunkt und Gang lassen sich aber nicht manuell wählen. An einer sehr steilen Passage hilft es, den Pedaldruck kurz zu reduzieren, damit die Automatik sauber zurückschaltet.

Außerdem passt der Carbonriemen gut zu diesem Konzept. Er läuft leise, benötigt kein Kettenöl und verschmutzt weder Hose noch Gepäck. Ein Mountainbike macht die Zweiganglösung aus dem ADO nicht. Für Ampelstarts, Brücken und normale Stadtsteigungen bietet sie jedoch mehr Reserven als ein starrer Gang – ohne den Wartungsaufwand einer klassischen Kettenschaltung.

Fahrkomfort: 28 Zoll und Federgabel machen den Unterschied

Großvolumige 28-Zoll-Reifen, eine einstellbare und sperrbare Federgabel sowie ergonomische Griffe geben dem Air 28 Pro einen spürbaren Komfortvorteil gegenüber puristischen Urban Bikes. Auf grobem Schotter, über Pfützen und auf schlechten Straßen bleibt das Vorderrad kontrolliert; gröbere Unebenheiten werden ordentlich aus den Händen gefiltert.

Der nach hinten geschwungene Lenker und der verstellbare Vorbau ermöglichen eine eher aufrechte, entspannte Haltung. ADO empfiehlt den Rahmen für Fahrerinnen und Fahrer von etwa 1,60 bis 2,10 Meter. Diese breite Angabe ersetzt keine Probefahrt, zeigt aber die große Verstellspanne. Weniger überzeugend war der Sattel: Für längere Strecken dürfte er gern weicher und besser stützend sein. Ein Austausch ist unkompliziert.

Akku, Display und App: praktisch mit Reibungspunkten

Der 36-Volt-Akku steckt im massiven Sattelrohr und lässt sich zum Laden entnehmen. Dazu wird zunächst die Stromverbindung getrennt und anschließend die abschließbare Sicherung geöffnet. Wer den Akku mitnimmt, nimmt zugleich den Sattel mit – das macht ein abgestelltes Rad für Gelegenheitsdiebe weniger attraktiv. Alternativ kann der Akku direkt im Fahrrad geladen werden.

  • Ladezeit im Test: etwa fünf bis sechs Stunden mit dem 2-Ampere-Netzteil
  • Herstellerangabe: bis zu 100 Kilometer Reichweite unter günstigen Bedingungen
  • Praxisfaktoren: Unterstützungsstufe, Fahrergewicht, Temperatur, Wind und Streckenprofil
  • Zusatznutzen: USB-C-Anschluss zum Laden eines Smartphones

Das zentrale TFT-Farbdisplay zeigt Geschwindigkeit, Tages- und Gesamtkilometer, Durchschnittstempo, Lichtstatus und den Akkustand. Letzterer erscheint leider nicht als Prozentwert. Bei Sonne bleibt die Anzeige brauchbar, spiegelt aber etwas. Wird das Licht eingeschaltet, dimmt sich das Display automatisch – nachts sinnvoll, bei einer Tagfahrt mit Licht weniger ideal.

Die ADO-App verband sich im Test per Bluetooth und übertrug Abbiegehinweise auf das Fahrraddisplay. Die Kritik von damals bleibt bestehen: Die Navigation sprach nur Englisch und arbeitete weniger zuverlässig als etablierte Smartphone-Lösungen. Die Grundidee, das Telefon während der Fahrt in der Tasche zu lassen, ist gut – die damalige Umsetzung war noch nicht ausgereift.

Bremsen und Beleuchtung: sicher, aber nicht perfekt abgestimmt

Zwei hydraulische Scheibenbremsen mit 160-Millimeter-Scheiben brachten das Rad auch bei Gefälle und feuchter Fahrbahn sicher zum Stehen. Der Druckpunkt einer Bremse war ab Werk etwas schwammig. Wahrscheinlich hätte ein fachgerechtes Entlüften Abhilfe geschaffen – ein guter Grund, die Bremsanlage nach dem Selbstaufbau besonders sorgfältig zu kontrollieren.

Der straßentaugliche Doppel-LED-Scheinwerfer wird vom Hauptakku versorgt und leuchtet Nah- und mittleren Fernbereich ordentlich aus. Ein Lichtsensor kann ihn automatisch aktivieren. Das Rücklicht des Testbikes bot zusätzlich eine Blinkerfunktion, die zum Testzeitpunkt in Deutschland noch nicht zugelassen war. Pfiffiges Detail: In der Klingel lässt sich ein Apple AirTag verstecken.

Lieferung und Aufbau: rund eine Stunde Eigenarbeit

Das Testbike kam unbeschädigt per Spedition, verlangte aber mehr Montage als manche Versender-Räder: Vorderrad, Frontlicht, Ständer und Pedale müssen eingesetzt, der Lenker ausgerichtet und anschließend Bremsen, Luftdruck sowie Verschraubungen kontrolliert werden. Ich brauchte dafür ungefähr eine Stunde. Wer mit Scheibenbremsen und Vorderradmontage wenig Erfahrung hat, sollte sich Zeit nehmen oder fachkundige Hilfe nutzen.

Mein Rat vor der ersten Fahrt: Besonders den Sitz des Vorderrads und den Druckpunkt beider Bremsen sorgfältig prüfen. Am Testbike war eine Bremse ab Werk etwas schwammig und hätte vermutlich fachgerecht entlüftet werden müssen.

Stärken und Schwächen des ADO Air 28 Pro

Stärken

  • Natürlich reagierender Drehmomentsensor.
  • Kräftiger Stadtmotor mit Zweigangautomatik.
  • Leiser und sauberer Carbonriemen.
  • Federgabel und große Reifen mit gutem Komfort.
  • Gepäckträger, Schutzbleche und Ständer serienmäßig.
  • Solide Verarbeitung und aufgeräumtes Design.

Schwächen

  • Vergleichsweise aufwendiger Aufbau.
  • Sattel auf längeren Strecken eher fest.
  • App-Navigation im Test noch unausgereift.
  • Keine manuelle Wahl der zwei Gänge.
  • Akkustand nicht als Prozentwert.
  • Bremsdruckpunkt am Testbike verbesserungswürdig.

Für wen eignet sich das ADO Air 28 Pro?

Seine stärkste Rolle findet das ADO als komfortables Pendler- und Alltagsrad. Der tiefe Einstieg, die entspannte Sitzposition und der wartungsarme Antrieb passen zu täglichen Wegen, Einkäufen und mittellangen Touren. Gepäck lässt sich ohne Nachrüstung transportieren, und auf schlechten Straßen bietet das Fahrwerk mehr Reserven als ein minimalistisches Urban Bike.

Weniger passend ist es für Fahrer, die viele lange oder sehr steile Anstiege bewältigen, die Übersetzung jederzeit selbst wählen oder besonders sportlich fahren möchten. Dafür ist die Zweigang-Automatik zu grob abgestuft. Wer dagegen möglichst wenig schalten, putzen und warten möchte, erhält eine ungewöhnlich stimmige Kombination.

Modellstand 2026

Dieser Beitrag beschreibt mein 2024 gefahrenes Air 28 Pro. ADO führt die 28-Zoll-Familie weiterhin, verwendet auf den Shopseiten aber teils unterschiedliche Bezeichnungen und Ausstattungsangaben für Air 28, Pro und Ultra. Deshalb vor dem Kauf die konkrete Variante prüfen. Wer drei statt zwei automatischer Gänge sucht, findet in meinem ADO Air 30 Ultra Test eine modernere Alternative aus demselben Haus.

ADO Air 28 Ultra in Grau als aktuelle Variante der 28-Zoll-Modellfamilie
Die aktuelle Air-28-Ultra-Variante in Grau gehört zur weiterentwickelten Modellfamilie. Gegenstand dieses Tests ist das Air 28 Pro von 2024.

Mein Urteil: entspannter Allrounder mit klarer Grenze

Das ADO Air 28 Pro trifft einen angenehmen Mittelweg: pflegeleichter als ein klassisches Trekkingrad, komfortabler und praktischer als viele puristische Urban Bikes. Vor allem Drehmomentsensor, Riemen und Zweigangautomatik passen gut zusammen. Das Rad fährt sich unkompliziert, ohne dabei beliebig zu wirken.

Seine Grenze ist nicht die grundsätzliche Qualität, sondern die geringe Übersetzungsbandbreite. Für Stadt, Arbeitsweg und moderate Touren reichen zwei Gänge erstaunlich oft; an langen steilen Anstiegen oder bei sportlichem Tempo fehlt Auswahl. Dazu kommen der aufwendige Aufbau, der feste Sattel und die im Test unausgereifte Navigation. Wer möglichst wenig schalten und warten möchte, bekommt trotzdem einen überzeugenden Alltags-Allrounder.

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Henne

Ich bin Henne und bei HennTech dreht sich alles um E-Scooter, E-Bikes und das passende Zubehör. Ich probiere aus, wie sich die Fahrzeuge im Alltag schlagen und ob sie wirklich halten, was die Hersteller versprechen. Kommt mit!