LEMMO One Test: Wie gut ist das modulare Smart-E-Bike?

Das LEMMO One fährt ohne Smartpac als leichtes Citybike und mit Energiemodul als vernetztes E-Bike mit GPS und App. Mein Praxistest zeigt, wie überzeugend dieses modulare Konzept im Alltag funktioniert.

Testvideo vom Artikel aktualisiert am

Das LEMMO One zählt zu den wenigen E-Bikes, bei denen „modular“ mehr bedeutet als ein herausnehmbarer Akku. Ohne Energiemodul bleibt ein ungewöhnlich leichtes, vollwertiges Citybike; eingesetzt ergänzt der Smartpac Motorsteuerung, GPS, Mobilfunk und elektronisches Schloss. Im Test muss das Konzept deshalb zwei Rollen erfüllen: klassisches Fahrrad und vernetztes E-Bike.

LEMMO One der getesteten Generation in vollständiger Seitenansicht
Das getestete LEMMO One der ursprünglichen Generation in vollständiger Seitenansicht – hier ohne eingesetzten Smartpac. Bild: LEMMO.

Ohne Smartpac

Ein rund 15 Kilogramm leichtes, voll ausgestattetes Citybike mit entkoppeltem Motor, eigener Lichtversorgung und klassischem Fahrgefühl.

Mit Smartpac

Ein rund 18 Kilogramm leichtes E-Bike mit großem Akku, drei Unterstützungsstufen, GPS, LTE und Diebstahlschutz.

Zwei Fahrräder in einem – und ausnahmsweise glaubwürdig

Der technische Schlüssel sitzt in der Hinterradnabe: Eine mechanische Kupplung trennt den Motor vollständig vom Antrieb. Ohne Unterstützung entsteht dadurch weder der typische Motorwiderstand noch das Gefühl, ein abgeschaltetes E-Bike mitzuschleppen.

Im Alltag schafft das echte Wahlfreiheit. Für kurze Stadtwege kann das Energiemodul zu Hause bleiben; für Pendelstrecken und Touren wird es in die Führung am Rahmen geschoben. Ist der Akku leer, fährt das One unauffällig als normales Fahrrad weiter. Beleuchtung und Display bleiben dank eigener Batterie funktionsfähig.

Mein Eindruck: Ohne Smartpac fährt sich das One nicht wie ein E-Bike ohne Strom, sondern wie ein eigenständiges, angenehm leichtes Citybike.

Schnittdarstellung des entkoppelbaren Nabenmotors im getesteten LEMMO One
Der Nabenmotor des getesteten LEMMO One lässt sich mechanisch vom Antrieb entkoppeln. Die Schnittdarstellung zeigt die Kupplung im Inneren. Bild: LEMMO.

Testmodell, MK2 und Collab.Ride richtig eingeordnet

Dieser Test beschreibt das ursprüngliche LEMMO One aus dem Jahr 2023 – noch vor dem MK2. Aktuell führt LEMMO das One MK2 und das neuere One Collab.Ride parallel. Das MK2 bleibt mit 40-Nm-Hinterradmotor und mechanischer Shimano-Deore-Schaltung näher am Testfahrzeug, nutzt laut Hersteller aber einen 531-Wh-Smartpac.

Das Collab.Ride entwickelt die Idee technisch weiter: 52 Nm, Drehmomentsensor und bei der Kettenversion eine elektronische Schaltung mit Automatikfunktion verändern den Charakter deutlich. Aussagen zur leicht verzögerten Motorreaktion, zur damaligen App und zur Deore-Schaltung beziehen sich deshalb bewusst nur auf die tatsächlich gefahrene Ursprungsversion. Das MK2 habe ich später im direkten Vergleich der drei Smartbikes von LEMMO, Urtopia und Cowboy bewertet.

Design und Verarbeitung: bemerkenswert aufgeräumt

Der Aluminiumrahmen mit leicht abfallendem Oberrohr wirkt ausgesprochen sauber. Seine matte, leicht raue Pulverbeschichtung setzt sich angenehm von vielen glänzenden Urban Bikes ab. Sichtbare Schweißnähte sucht man vergeblich; auch außerhalb der direkten Blickachsen wirkt die Verarbeitung ordentlich. Zur Auswahl standen die helle Farbe LEMMO Sand und ein zeitloses Grau.

Das Cockpit folgt derselben Linie. Bremsleitungen und Kabel verschwinden direkt unter dem Vorbau im Rahmen, während das kleine Display bündig in die Gestaltung integriert ist. Nichts klappert, nichts wirkt nachträglich angebaut. Zwei Rahmengrößen und eine Tiefeinsteiger-Variante erweitern die Auswahl, der nicht verstellbare Vorbau macht eine Probefahrt dennoch empfehlenswert.

Schon ab Werk alltagstauglich: Ständer, Schutzbleche, eine unauffällige Gepäckträgeraufnahme sowie Montagepunkte für Schloss und Flaschenhalter sind vorhanden. Die integrierte Beleuchtung entspricht der StVZO; das Frontlicht lässt sich sogar als Taschenlampe entnehmen.

Beim Antrieb gab es zwei unterschiedliche Charaktere: eine wartungsarme Riemenvariante für den reduzierten Stadtbetrieb und die von uns getestete Shimano-Deore-Kettenschaltung mit zehn Gängen. Letztere erweitert den Einsatzbereich deutlich, weil Steigungen und längere Strecken mit einer passenden Trittfrequenz gefahren werden können.

LEMMO One E-Bike und HENNTECH-Redakteur vor der Verpackung
Das LEMMO One wird im großen Fahrradkarton geliefert und benötigt nur wenige Montageschritte.

Smartpac: Akku, Powerbank und Bordcomputer

Das Smartpac ist der Mittelpunkt des gesamten Konzepts. Beim Testmodell bündelt es einen rund 540 Wh großen Akku, Motorsteuerung und Funktechnik in einem einzigen abnehmbaren Modul. Einsetzen und Entriegeln gelingen schnell; die Stoffabdeckung fügt sich überraschend harmonisch in den Rahmen ein, verlangt im Alltag aber etwas mehr Pflege als eine glatte Kunststoffschale.

Abnehmbarer Smartpac des getesteten LEMMO One beim Laden eines Notebooks
Der abnehmbare Smartpac des Testmodells dient zugleich als große Powerbank und versorgt über USB-C sogar ein Notebook. Bild: LEMMO.

Über USB-A und USB-C dient das Paket außerdem als große Powerbank. Selbst ein Notebook lässt sich unterwegs mit bis zu 65 Watt laden. Das ist kein zwingend notwendiges Fahrrad-Feature, passt aber sinnvoll zu einem Energiespeicher, der ohnehin leicht abgenommen und mitgenommen werden kann. Das mitgelieferte 4-Ampere-Ladegerät benötigt rund dreieinhalb Stunden für eine vollständige Ladung.

rund 540 Wh

Akku des Testmodells

3 kg

Smartpac-Gewicht

3,5 h

Ladezeit im Test

Preise und damalige Abo-Modelle sind für die heutige Kaufentscheidung zweitrangig. Interessant bleibt die Freiheit des Konzepts: Das One lässt sich als leichtes Fahrrad nutzen und mit dem Smartpac in wenigen Sekunden zum vernetzten E-Bike erweitern.

Fahrgefühl: agil zwischen Citybike und Pendler

Die leicht nach hinten geschwungene Lenkerform erzeugt eine etwas aufrechtere Haltung als bei sehr sportlichen Urban Bikes. Ergonomische Griffe liegen gut in der Hand, die insgesamt direkte Geometrie bleibt dennoch agil. Mit Smartpac wiegt das LEMMO ungefähr 18 Kilogramm, ohne das Modul rund 15 Kilogramm. Treppen, Bahnsteige und Fahrradkeller verlieren damit viel von ihrem Schrecken.

Auf Asphalt und festem Schotter überzeugen die profilierten 27,5- beziehungsweise 29-Zoll-Reifen mit gutem Lauf und sicherer Führung. Kopfsteinpflaster zeigt dagegen schnell die Komfortgrenze: Eine Federgabel fehlt. LEMMO bot als Ausgleich eine gefederte Sattelstütze an, doch das Grundkonzept bleibt klar auf ordentliche Straßen und eine eher direkte Rückmeldung ausgelegt.

Leicht und direkt statt weich gefedert: Das One fühlt sich wie ein agiles Fahrrad an – solange der Untergrund zum Konzept passt.

Die Deore-Schaltung arbeitete bereits direkt nach dem Aufbau sauber und präzise. Zehn Gänge machen das Rad außerhalb ebener Innenstädte vielseitiger und helfen auch dann, wenn ohne Motorunterstützung gefahren wird. Die hydraulische Vierkolben-Bremsanlage stammt zwar von einem weniger bekannten Hersteller, überzeugte im Test aber mit kräftiger, gut kontrollierbarer Verzögerung.

Motor und Reichweite: kräftig, aber nicht ganz spontan

Der Hinterradmotor liefert 40 Newtonmeter Drehmoment und arbeitet leise genug, um zum unauffälligen Auftritt des One zu passen. Drei Unterstützungsstufen werden über einen kleinen Taster am Lenker gewählt. Ein langer Tastendruck aktiviert den Turbo: Das Rad beschleunigt dann zügig bis zur zulässigen Unterstützungsschwelle. An Steigungen oder beim kurzen Überholen ist das ausgesprochen praktisch.

Positiv fällt der weiche Übergang bei 25 km/h auf. Die Unterstützung verschwindet nicht abrupt, sondern wird sanft zurückgenommen. Beim Anfahren ist der Motor dagegen etwas zögerlich: Etwa eine halbe bis ganze Pedalumdrehung vergeht, bis die Unterstützung vollständig einsetzt. In Stufe drei schiebt der Antrieb anschließend umso kräftiger – angenehm für Pendler, die ohne große Anstrengung ans Ziel kommen möchten.

Für die getestete Ursprungsversion nannte LEMMO je nach Unterstützungsstufe 60 bis 100 Kilometer Reichweite. Das ist eine Herstellerangabe, keine eigene Reichweitenmessung; Fahrergewicht, Temperatur, Strecke, Reifendruck und Unterstützungsstufe verschieben das Ergebnis deutlich. Beim aktuellen Collab.Ride basiert die beworbene 100-Kilometer-Marke laut Hersteller auf 70 Kilogramm Fahrergewicht, flacher Strecke, Windstille und Stufe 1. Im Alltag wichtiger: Ist der Akku leer, bleibt das Testmodell dank zehn Gängen, geringem Gewicht und entkoppelbarem Motor angenehm fahrbar.

App und Diebstahlschutz: sinnvoll statt verspielt

LTE, GPS und Bluetooth sitzen ebenfalls im Smartpac. Über die LEMMO-App lässt sich das Fahrrad orten, ein Signalton auslösen und der aktuelle Status prüfen. Fahrdaten und Software-Updates sind ebenfalls zugänglich. Die App war zum Testzeitpunkt funktional, aber noch nicht vollständig ausgereift: Eine ausführliche Fahrtenhistorie, Geofencing und Navigation waren angekündigt, jedoch noch nicht fertig.

Besonders überzeugend ist die Verbindung aus digitaler und mechanischer Sicherung. Wird das elektronische Schloss aktiviert, fährt ein Bolzen aus und blockiert das Hinterrad. Gleichzeitig wird das Smartpac verriegelt und eine Alarmanlage scharfgeschaltet. Bei Bewegung ertönt ein mehr als 100 Dezibel lautes Warnsignal; die GPS-Ortung bleibt als weitere Ebene erhalten.

Softwarestand des Testfahrzeugs: Die genannten Lücken gehören zur ursprünglichen Modellgeneration und können durch spätere Updates geschlossen worden sein. Für die Bewertung bleiben sie relevant, weil sie Teil der tatsächlich erlebten Nutzung waren.

Weniger gelungen ist die elektronische Klingel. Ihr Klang wurde von Passanten nicht zuverlässig als Fahrradwarnung erkannt. Am Lenker ist zum Glück genug Platz für eine kleine klassische Klingel – im Straßenverkehr die deutlich verständlichere Lösung.

Stärken und Schwächen des LEMMO One

Stärken

  • echtes Fahrrad-und-E-Bike-Konzept
  • geringes Gewicht und entkoppelbarer Motor
  • großer, schnell abnehmbarer Smartpac-Akku
  • saubere Verarbeitung und vollständige Ausstattung
  • kräftige Bremsen und präzise Deore-Schaltung
  • GPS, Alarm und mechanische Hinterradsperre

Schwächen

  • keine Federung für schlechte Straßen
  • Motor reagiert beim Anfahren leicht verzögert
  • App war im Test noch nicht vollständig
  • elektronische Klingel kaum als solche erkennbar
  • Stoffcover des Smartpacs potenziell pflegeintensiv

Für wen eignet sich das modulare E-Bike?

Das LEMMO One passt zu Pendlern, die ihr Rad regelmäßig tragen, in Bahn und Wohnung mitnehmen oder bewusst nicht jeden Weg elektrisch fahren möchten. Gerade bei wechselnden Distanzen spielt das Konzept seine Stärke aus: kurze Wege als leichtes Fahrrad, längere Strecken mit Smartpac und kräftiger Unterstützung.

Wer vor allem auf Kopfsteinpflaster und schlechten Wegen unterwegs ist, findet passendere Räder mit Federung. Auch die leicht verzögerte Unterstützung der getesteten Ursprungsversion sollte man bei einer Probefahrt bewusst prüfen. Smarte Alternativen aus meinen Tests sind der Cowboy Cruiser und das leichtere Urtopia Carbon One Pro; beide setzen jedoch andere Schwerpunkte als das konsequent modulare LEMMO.

Fazit: Das modulare Konzept trägt den ganzen Test

Das LEMMO One braucht den Vergleich mit Cowboy oder früheren VanMoof-Modellen nicht, um interessant zu sein. Sein stärkstes Argument ist die eigene Idee: Akku, Konnektivität und Steuerung verschwinden gemeinsam aus dem Fahrrad, zugleich lässt sich der Motor mechanisch entkoppeln. Damit fühlt sich das One ohne Smartpac nicht wie ein schweres E-Bike mit leerem Akku an, sondern tatsächlich wie ein leichtes Citybike.

Für mich überwiegen deshalb die Stärken: saubere Verarbeitung, niedriges Gewicht, präzise Schaltung, kräftige Bremsen und ein durchdachter Diebstahlschutz. Die fehlende Federung, die etwas träge Motorreaktion und die damals unfertige App sind keine Randnotizen, sondern klare Einschränkungen des Testmodells. Trotzdem bleibt das ursprüngliche One eines der eigenständigsten Urban E-Bikes seiner Zeit – und für flexible Pendler ein ungewöhnlich stimmiges Gesamtpaket.

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Henne

Ich bin Henne und bei HennTech dreht sich alles um E-Scooter, E-Bikes und das passende Zubehör. Ich probiere aus, wie sich die Fahrzeuge im Alltag schlagen und ob sie wirklich halten, was die Hersteller versprechen. Kommt mit!