LIDL Crivit X.2 Test: Urbanes E-Bike zum Discounterpreis

Das Crivit X.2 ist für Pendler interessant, die ein vollständig ausgestattetes Urban E-Bike ohne unnötige Komplexität suchen. Mein Praxistest zeigt, ob das LIDL E-Bike beim entscheidenden Fahrgefühl mit etablierten Fahrradmarken mithalten kann.

Testvideo vom Artikel aktualisiert am

Ein E-Bike für rund 1.600 Euro, das mit Gates-Riemen, Drehmomentsensor, hydraulischen Shimano-Bremsen und Wechselakku antritt? Der Crivit X.2 Test beginnt deshalb mit einer Portion Skepsis. Doch schon an der ersten steilen Auffahrt zeigt das urbane LIDL-Bike, dass sein günstiger Preis nicht automatisch günstiges Fahrgefühl bedeutet.

Das Stadtprofil in einem Satz

Das Crivit X.2 fährt sich deutlich hochwertiger, als sein Discounter-Preisschild erwarten lässt. Es belohnt Pendler mit einem natürlichen Antrieb, vollständiger Alltagsausstattung und niedrigem Wartungsaufwand – verlangt dafür aber den Verzicht auf Federung, Gangschaltung, Display und App.

LIDL Crivit X.2 E-Bike am See
Das Crivit X.2 verbindet reduziertes Citybike-Design mit Riemenantrieb und verstecktem Akku.

Design: Erst auf den zweiten Blick ein E-Bike

Mattschwarzer Aluminiumrahmen, dezente Logos und ein nahezu unsichtbar integrierter Akku: Das X.2 folgt konsequent dem Stil moderner Urban Bikes. Selbst die Bedientasten verschwinden optisch im Lenkerbereich. Statt eines Displays zeigen farbige LEDs am abgeflachten Oberrohr Akkustand und Unterstützungsstufe an.

Die Kabel bleiben am Lenker kurz sichtbar, verschwinden danach aber sauber im Rahmen. Abgeschliffene Schweißnähte im Blickfeld unterstützen den aufgeräumten Eindruck. Nur der serienmäßige Gepäckträger wirkt optisch etwas pragmatischer. Schutzbleche, Ständer und Gepäckträger sind trotzdem ein starkes Argument: Das Rad kommt nicht als nacktes Designobjekt, sondern bereit für den Arbeitsweg.

Beim X.2 spart LIDL an digitalen Extras – nicht am entscheidenden Fahrgefühl.

Das sportliche X.2 besitzt einen Diamantrahmen in Größe 57 und ist laut Anleitung für Fahrerinnen und Fahrer von ungefähr 1,70 bis 1,95 Meter ausgelegt. Als Alternative gibt es das cremeweiße Y.2 mit tiefem Einstieg für etwa 1,60 bis 1,90 Meter. Beide Varianten erlauben rund 120 Kilogramm Zuladung und sind nach IPX5 gegen Wasser geschützt.

Antrieb: Der Drehmomentsensor macht den Unterschied

Im Hinterrad arbeitet ein leiser Mivice-Motor mit 250 Watt und 40 Newtonmetern. Diese Zahl klingt nicht außergewöhnlich. Entscheidend ist der Drehmomentsensor: Er erkennt, wie kräftig der Fahrer tritt, und dosiert die Unterstützung passend dazu. Beim Anfahren setzt der Schub ohne störende Verzögerung ein, bei Gegenwind und Steigungen legt das System spürbar nach.

Mivice Hinterradmotor des Crivit X.2
Der Mivice-Nabenmotor unterstützt unauffällig und passt zum aufgeräumten Antrieb.

Steigungstest: Der 40-Nm-Motor überraschte mich auch an einer der steilsten Testauffahrten in Hannover. Die Unterstützung blieb kräftig genug, um im Sattel zu fahren. Für besonders fordernde Momente liefert ein langer Druck auf die Plus-Taste 20 Sekunden lang den vollen Boost.

Eco, Tour und Race unterstützen jeweils bis zur gesetzlichen Grenze, unterscheiden sich aber in der Leistungsabgabe. Im Test liegt das Tempo per GPS leicht oberhalb von 25 km/h, ohne dass sich das Abschalten wie eine harte Wand anfühlt. Der feste Gang passt gut zu diesem Bereich. Ohne Motor ist das Anfahren schwerer, zwischen 20 und 30 km/h lässt sich das leichte Rad jedoch überraschend angenehm pedalieren.

Single Speed und Gates-Riemen: wenig Wartung, klare Grenzen

Passt gut zum Stadtalltag

  • sauberer Gates-Carbonriemen
  • keine Schaltung, die eingestellt werden muss
  • direkte und leise Kraftübertragung
  • stimmige Übersetzung bei Reisetempo

Erfordert einen Kompromiss

  • schwereres Anfahren ohne Unterstützung
  • keine leichten Gänge bei leerem Akku
  • hohe Trittfrequenz oberhalb von etwa 32 km/h
  • weniger flexibel für sportliche Touren

Für den vorgesehenen Einsatz ist die Kombination überzeugend. Der Riemen bleibt sauber, läuft leise und soll viele Tausend Kilometer ohne klassische Kettenpflege auskommen. Die fehlende Gangschaltung fällt dank des sensiblen Motors im Stadtverkehr kaum auf. Wer häufig ganz ohne Unterstützung fährt oder lange, wechselhafte Strecken plant, sollte die feste Übersetzung vor dem Kauf ausprobieren.

Gates Carbon Drive Riemenantrieb am Crivit X.2
Der Gates-Riemen arbeitet sauber, leise und nahezu wartungsfrei.

Akku in der Sattelstütze: clever und etwas umständlich

Der 360-Wh-Akku bildet mit Sattel und Sattelstütze eine Einheit. Zum Herausnehmen wird zunächst die Stromverbindung getrennt, anschließend Schloss und Klemmung gelöst. Das benötigt mehr Handgriffe als ein klassischer Rahmenakku. Dafür lässt sich die Energiequelle in Wohnung oder Büro laden, und ein abgestelltes Rad ohne Sattel wirkt auf Diebe weniger attraktiv.

Ladeanschluss am Crivit X.2 E-Bike
Die Ladebuchse sitzt geschützt am Sitzrohr. Zum Laden außerhalb des Fahrrads wird die Akku-Sattelstütze vollständig entnommen.

Mit dem 3-Ampere-Ladegerät dauert eine vollständige Ladung etwa dreieinhalb Stunden. Am entnommenen Akku fehlt eine eigene Ladestandsanzeige. Eine vollständige Reichweitenfahrt habe ich mit dem X.2 nicht durchgeführt. Crivit nennt in der Anleitung als Regelfall bis zu 70 Kilometer; die beworbenen 100 Kilometer setzen unter anderem einen neuen Akku, maximal 75 Kilogramm Last, rund 20 Grad, minimalen Wind und eine gleichmäßige Fahrt auf gutem Asphalt voraus.

Komfort: Auf Asphalt zu Hause

Der leicht nach hinten geschwungene Lenker ermöglicht eine weniger aggressive Haltung als bei manchem Design-Bike. Seine Höhe lässt sich jedoch nicht verstellen. Bei 1,80 Meter passt die Geometrie, kleinere Fahrer sollten das Y.2 in Betracht ziehen. Sattelhöhe und Sattelposition bieten dagegen einen großen Einstellbereich.

Eine Federgabel oder gefederte Sattelstütze gibt es nicht. Die 27,5 Zoll großen Schwalbe Big Ben mit 50 Millimetern Breite fangen Pflaster, feinen Schotter und kleinere Kanten ordentlich ab. Auf grobem Waldweg erreichen Stöße Lenker und Sattel deutlich. Das X.2 kann solche Passagen fahren, ist aber kein Rad für lange Geländetouren.

Bremsen, Licht und Alltagsschutz

MotorMivice-Hinterradmotor, 250 Watt, 40 Nm
SensorDrehmomentsensor
Akku36 Volt, 360 Wh, entnehmbar
Ladezeitetwa 3,5 Stunden
AntriebSingle Speed mit Gates-Carbonriemen
BremsenShimano MT200, hydraulisch, 160-mm-Scheiben
Licht80-Lux-Frontlicht, Rücklicht mit Bremslicht
Gewichtca. 21 kg
Zuladungca. 120 kg; 140 kg zulässiges Gesamtgewicht
WetterschutzIPX5

Bei der Sicherheit setzt Crivit auf bekannte Komponenten. Die hydraulischen Shimano-MT200-Bremsen besitzen einen klaren Druckpunkt, klappern nicht und verzögern auch bergab zuverlässig. Das 80-Lux-Frontlicht von Satellite leuchtet kräftig, das integrierte Büchel-Rücklicht bietet sogar eine Bremslichtfunktion. Reflektorstreifen in den Reifen ersetzen optisch störende Speichenreflektoren.

Rücklicht des LIDL Crivit X.2
Das kompakte Rücklicht ist sauber in die Heckpartie integriert.

Eine elektronische Ortung ab Werk fehlt. Im Rahmen befindet sich jedoch ein kleines Versteck für GPS-Tracker oder AirTag. Die mittig montierte SP-Connect-Halterung nimmt ein kompatibles Smartphone auf. Gerade deshalb fällt die fehlende App auf: Geschwindigkeit und detaillierte Fahrdaten müssen über eine Drittanbieter-Lösung angezeigt werden.

Preis-Leistung und Nachfolger X.3

Zum Testzeitpunkt kostete das Crivit X.2 rund 1.600 Euro. Dafür waren Komponenten enthalten, die bei Urban Bikes häufig erst in deutlich höheren Preisregionen auftauchen: Drehmomentsensor, Gates-Riemen, Markenbremsen, Wechselakku und vollständige Straßenausstattung. Das Rad kam zu 95 Prozent vormontiert; im Wesentlichen mussten Pedale und Lenker eingerichtet werden.

Modellstand: Auf das getestete X.2 folgte das Crivit Urban X.3/Y.3. Der Nachfolger verlegt den weiterhin entnehmbaren Akku hinter das Sitzrohr und bietet neben der wartungsarmen Riemenversion auch eine Variante mit Shimano-CUES-Schaltung. Der 40-Nm-Heckmotor und die Akkukapazität von rund 354 Wh bleiben konzeptionell nah am X.2; mit etwa 23,2 Kilogramm ist das X.3 Belt allerdings schwerer als das rund 21 Kilogramm schwere Testmodell.

Fazit zum Crivit X.2 Test

Der Crivit X.2 Test zeigt ein ungewöhnlich stimmiges Pendler-Bike. Sein größter Trumpf ist nicht die Liste der Markenkomponenten, sondern das natürliche Zusammenspiel aus Drehmomentsensor und leisem Hinterradmotor. Der Boost hilft an Steigungen, der Gates-Riemen reduziert Pflegeaufwand, und die kräftigen Shimano-Bremsen sowie die gute Beleuchtung machen das Rad alltagstauglich.

Die Grenzen sind ebenso klar: Auf rauen Wegen fehlt Federung, die Sitzposition lässt sich am Lenker kaum anpassen, und ohne Display oder App bleibt das Cockpit sehr reduziert. Für kurze bis mittlere Wege in der Stadt passt genau diese Schlichtheit. Tourenfahrer und Menschen, die viele digitale Funktionen erwarten, finden in unseren weiteren E-Bike-Tests passendere Alternativen.

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Henne

Ich bin Henne und bei HennTech dreht sich alles um E-Scooter, E-Bikes und das passende Zubehör. Ich probiere aus, wie sich die Fahrzeuge im Alltag schlagen und ob sie wirklich halten, was die Hersteller versprechen. Kommt mit!