Teverun Fighter Mini Pro Test: Allrad-Power mit Bosch-Motoren

Zwei Bosch-Motoren, mehr als 2.600 Watt Spitzenleistung und ein vollständig einstellbares Fahrwerk: Der Teverun Fighter Mini Pro möchte zeigen, dass ein zugelassener Allrad-E-Scooter nicht nur brachial, sondern auch fein kontrollierbar sein kann. Im Test stehen deshalb neben Beschleunigung und Steigfähigkeit vor allem Fahrkomfort, Reichweite und Sicherheit im Mittelpunkt. Dabei muss sich der fast 35 Kilogramm schwere Scooter ebenso die Frage gefallen lassen, wie alltagstauglich ein solches Kraftpaket noch ist.

Kurzurteil nach dem Praxistest

Der Fighter Mini Pro verbindet extreme Steigleistung mit einer ungewöhnlich gleichmäßigen Kraftentfaltung. Sein nahezu lautlos arbeitendes KKE-Fahrwerk gehört zu den komfortabelsten Systemen dieser Klasse. Gewicht, Preis und einige Detaillösungen verhindern jedoch, dass dieses beeindruckende Paket für jeden Alltag passt.

Technische Daten des Fighter Mini Pro

Antriebzwei Bosch-Nabenmotoren mit je 250 Watt Nennleistung
Spitzenleistunggemeinsam mehr als 2.600 Watt
Controllerzwei 25-Ampere-Sinuscontroller
Pro-AkkuSamsung, 52 Volt / 24,5 Ah, rund 1.274 Wh
Reichweite im Testrund 72 km bei etwa 82 kg Fahrergewicht
Herstellerangabebis zu 90 km
Ladezeitetwa 5 bis 6 Stunden mit 5-Ampere-Ladegerät
Federungeinstellbare hydraulische KKE-Dämpfer vorn und hinten
Reifenbreite 10-Zoll-Tubeless-Straßenreifen
Bremsenhydraulische 140-mm-Scheibenbremsen vorn und hinten plus E-Bremse
Gewichtrund 34,6 kg
Zuladungbis zu 150 kg
Teverun Fighter Mini Pro in vollständiger Seitenansicht
Der Teverun Fighter Mini Pro ist trotz seines Namens ein ausgewachsener Dual-Motor-Scooter.

Design und Verarbeitung: „Mini“ ist relativ

Der Name täuscht: Mit 34,6 Kilogramm, breitem Deck und sichtbaren Federbeinen ist der Fighter Mini Pro ein ausgewachsener Dual-Motor-Scooter. Das matte Schwarz wird durch einen weißen Zierstreifen und gut sichtbare Teverun-Schriftzüge aufgelockert. Das Bosch-Branding an beiden Motoren unterstreicht den technischen Anspruch. Die Formsprache bleibt funktional und kraftvoll, ohne unnötig futuristisch zu wirken.

Rahmen, Schweißnähte und die Übergänge zwischen Metall und Kunststoff hinterlassen einen soliden Eindruck. Im Test wackelte oder klapperte nichts. Selbst eine zunächst leicht lose wirkende seitliche Zierleiste blieb während der Fahrt ruhig. Positiv fallen die elastisch gelagerten Blinker, stabile Schutzbleche in Carbonoptik und die hochwertigen Metallbremshebel mit Sichtfenster für den Ölstand auf.

Breites Trittbrett des Teverun Fighter Mini Pro
Das breite, griffige Deck bietet auch bei längeren Fahrten ausreichend Platz.

Ganz frei von Kritik bleibt die Detailarbeit nicht. Die Kabelführung am Vorderrad und besonders im Cockpit wirkt optisch unruhig, auch wenn alles sicher fixiert ist. Schrauben im Unterboden sind nicht versenkt, und der dünne Seitenständer ohne breite Standplatte passt nicht recht zum Preis von fast 2.000 Euro. Eine offizielle Laborzertifizierung zum Wasserschutz fehlt ebenfalls; Teverun rät wie viele Hersteller von Regenfahrten ab.

Aufbau: Lenker und hintere Blinker müssen montiert werden. Mit vier Schrauben, den beiliegenden Gummikappen und sauberem Einfädeln der Blinkerkabel ist der Fighter Mini Pro nach ungefähr 10 bis 15 Minuten fahrbereit.

Fahrverhalten: souveräner Cruiser statt nervöses Kraftpaket

Der lange Radstand und das hohe Gewicht sorgen für einen ausgeprägten Geradeauslauf. Auf schnellen Passagen und bergab bleibt der Scooter ruhig, ohne Lenkerflattern oder nervöse Reaktionen. In engen Kurven und im Hütchenparcours verlangt die Lenkung etwas mehr Einsatz als bei einem leichten Kompaktmodell, folgt den Befehlen aber präzise und vermittelt viel Sicherheit.

Der verlängerte und erhöhte Lenker des Testfahrzeugs ermöglicht eine angenehme, ausbalancierte Haltung. Das gummierte Deck gibt auch beim starken Beschleunigen und Bremsen sicheren Halt. Mit Schuhgröße 45 reicht die Standfläche noch aus, für sehr große Füße oder einen besonders breiten Stand dürfte sie jedoch etwas länger sein.

Der Fighter Mini Pro fährt sich nicht wie ein ungestümer Dual-Motor-Scooter, sondern wie ein schwerer, sehr kontrollierter Cruiser mit enormen Reserven.

KKE-Fahrwerk: das heimliche Highlight

Vorn und hinten arbeiten hydraulische KKE-Dämpfer, deren Zugstufe und Federvorspannung an Zuladung und persönliche Vorlieben angepasst werden können. Gemeinsam mit den breiten 10-Zoll-Tubeless-Reifen entsteht ein komfortables, zugleich direktes Setup. Grober Asphalt, Gullideckel und Kopfsteinpflaster werden ausgesprochen souverän entschärft.

Komfort

Kein Durchschlagen, keine schwammige Abstimmung und spürbar weniger Belastung für Handgelenke, Knie und Rücken.

Laufruhe

Die Federung arbeitet nahezu geräuschlos – ohne metallisches Nachschwingen oder störendes Klackern.

Einsatzgebiet

Am stärksten auf Asphalt und Pflaster, aber auch Schotter und feste Waldwege bringen das Fahrwerk nicht aus der Ruhe.

Der Fighter Mini Pro bleibt mit seiner Straßenbereifung kein echter Offroad-Scooter. Trotzdem gehört seine Dämpfung zu den besten, die in dieser Leistungsklasse getestet wurden. Sie kommt dem bisherigen Komfortmaßstab sehr nahe und ist angesichts der vergleichsweise kompakten Abmessungen eine echte Überraschung.

Einstellbarer KKE-Dämpfer des Teverun Fighter Mini Pro
Die einstellbaren KKE-Federelemente sind ein wesentlicher Grund für den hohen Fahrkomfort.

Dual-Bosch-Antrieb: viel Kraft, überraschend fein dosiert

Vorder- und Hinterrad werden von jeweils einem Bosch-Nabenmotor mit 250 Watt Nennleistung angetrieben. Gemeinsam stehen in der Spitze mehr als 2.600 Watt bereit. Zwei 25-Ampere-Sinuscontroller setzen diese Leistung nicht schlagartig, sondern sanft progressiv um. Im Dual-Modus beschleunigte das Testfahrzeug in etwa 3,5 Sekunden auf Höchstgeschwindigkeit und nutzte die gesetzliche Toleranz bis annähernd 22 km/h weitgehend aus.

Steigungstest in zwei Stufen

  • 16-Prozent-Rampe: nahezu 20 km/h mit beiden Motoren, knapp 16 km/h nur mit Hinterradantrieb.
  • Mehr als 25 Prozent auf Schotter: Der Dual-Antrieb zog stabil weiter und beschleunigte sogar noch in der Steigung.
  • Single-Motor im Härtetest: selbst nur mit Hinterradantrieb waren am steilen Anstieg noch ungefähr 7 km/h möglich.

Bemerkenswert ist nicht allein die Kraft, sondern ihre Kontrolle. Der Gashebel reagiert feinfühlig, die Motoren bleiben leise und die Leistungsbegrenzung setzt ohne störendes Drosselpumpen ein. Fahrer können Heckantrieb oder Allrad wählen und die Motorleistung der drei Fahrstufen individuell konfigurieren. Für hügelige Regionen, hohe Zuladung oder häufigen Gegenwind bietet dieses System außergewöhnliche Reserven.

Bosch-Nabenmotor und Tubeless-Reifen des Teverun Fighter Mini Pro
Zwei Bosch-Nabenmotoren liefern die Kraft; breite Tubeless-Reifen übertragen sie auf die Straße.

Akku und Reichweite: Pro oder Standard?

ModellAkkuPraxis-Reichweite
Fighter Mini Pro52 V / 24,5 Ah, ca. 1.274 Whrund 72 km im Test
Fighter Mini52 V / 19,2 Ah, ca. 998 Whetwa 50 km im Alltag

Teverun gibt für die Pro-Version bis zu 90 Kilometer an. Bei zügiger Fahrweise um 20 km/h, Stop-and-go, kleineren Hügeln und ungefähr 82 Kilogramm Fahrergewicht waren im Test rund 72 Kilometer bis in den roten Akkubereich möglich. Für Pendler bedeutet das je nach Strecke mehrere Tage ohne Steckdose. Wer regelmäßig weit fährt oder Leistungsreserven schätzt, ist mit der Pro-Version besser bedient.

Das Smart BMS zeigt in der App neben Akkustand und Temperatur sogar die Spannung jeder einzelnen Zelle. So lassen sich mögliche Alterungserscheinungen früh erkennen. Das aktiv belüftete 5-Ampere-Ladegerät benötigt etwa fünf bis sechs Stunden für eine vollständige Ladung; nach drei Stunden waren bereits ungefähr 60 Kilometer Reichweite nachgeladen. Ein Wechselakku und eine softwareseitige Ladebegrenzung auf 80 Prozent fehlen.

TFT-Display und App: ungewöhnlich viele Einstellmöglichkeiten

Das farbige TFT-Display informiert über Fahrstufe, Geschwindigkeit, Akkustand, aktiven Motor, Tages- und Gesamtkilometer, Licht, Blinker, Bluetooth, Durchschnitts- und Höchstgeschwindigkeit, Motorleistung sowie Motortemperatur. Bei Tageslicht bleibt es gut lesbar, direkte Sonne bringt die Helligkeit aber an ihre Grenze. Für Nachtfahrten kann ein dunkleres Farbschema gewählt werden.

Über die App lassen sich Leistung, Drehmoment und Rekuperation für jede Fahrstufe konfigurieren. Vorder- und Hinterrad können sogar getrennt abgestimmt werden. Wer den Frontmotor sanfter ansprechen lassen möchte, reduziert dessen Stromstärke und verändert damit spürbar das Fahrverhalten. Ein Smart-Modus verteilt die Leistung automatisch zwischen beiden Achsen, wirkt jedoch weniger spritzig als die manuelle Abstimmung.

  • separate Motorabstimmung für Vorder- und Hinterrad
  • Leistung, Drehmoment und E-Bremse je Fahrstufe einstellbar
  • detaillierte Zellinformationen des Smart BMS
  • sämtliche wichtigen Optionen auch direkt am Scooter erreichbar

Das Appdesign wirkt stellenweise noch nicht vollständig ausgereift. Ortungsfunktionen sind der internationalen Version vorbehalten, Firmware-Updates können derzeit offenbar nur Händler oder der Teverun-Service einspielen. Das englischsprachige Menü am Display ist klein und etwas fummelig. Die Werkseinstellung ist jedoch bereits ausgewogen, sodass Einsteiger nicht zwingend selbst konfigurieren müssen.

TFT-Display des Teverun Fighter Mini Pro
Das TFT-Display bündelt Fahrdaten und Einstellungen.
Lenkerbedienung und Gashebel des Teverun Fighter Mini Pro
Fahrmodus, Blinker und Gas lassen sich direkt am Lenker bedienen.

Bremsen und Sicherheitsausstattung

An beiden Rädern arbeiten hydraulische Scheibenbremsen mit 140 Millimeter großen Scheiben. Hinzu kommt eine rekuperierende Motorbremse am Hinterrad. Die mechanische Anlage wirkt hochwertig, lässt sich kräftig dosieren und brachte im Test gute Bremswege zustande. Unerfahrene Fahrer sollten sich vorsichtig herantasten, denn bei hartem Zugriff können beide Räder blockieren.

In der Werkseinstellung greift die E-Bremse schon bei leichtem Zug recht ruppig ein. Ihre Stärke kann über Display und App reduziert werden; Stufe 1 entspricht nahezu einem ausgeschalteten Zustand. Die Scheiben und Beläge benötigen wie bei jeder hydraulischen Anlage regelmäßige Kontrolle und Reinigung.

Sichtbarkeit

  • höhenverstellbarer LED-Scheinwerfer
  • Rücklicht mit Bremslicht
  • helle Blinker vorn und hinten
  • gut erreichbarer Blinkerschalter

Zugangsschutz

  • NFC-Zündschloss mit zwei Karten
  • deaktivierbarer automatischer Parkmodus
  • kein Rahmenschloss
  • kein integrierter GPS-Tracker

Die NFC-Freigabe schützt vor spontanem Losfahren, ersetzt bei längeren Pausen aber kein solides Fahrradschloss. Der automatische Parkmodus blockiert den Scooter nach kurzem Stillstand. Das kann praktisch sein, an der Ampel jedoch stören und lässt sich deshalb im Menü deaktivieren.

Rücklicht und hintere Federung des Teverun Fighter Mini Pro
Am Heck treffen gut sichtbare Beleuchtung und das zweite Federelement aufeinander.

Transport: klappbar, aber kaum tragbar

Der doppelt gesicherte Klappmechanismus arbeitet zuverlässig. Ein Haken am Lenker rastet so am hinteren Kotflügel ein, dass er sich nicht selbstständig lösen kann. Ein- und Ausklappen gelingen innerhalb weniger Sekunden. Die Lenkergriffe bleiben fest, mit knapp 69 Zentimetern Breite ist der gefaltete Scooter dennoch einigermaßen handhabbar. Seine Abmessungen liegen zusammengeklappt bei etwa 126 × 60 × 70 Zentimetern.

Das eigentliche Problem sind die 34,6 Kilogramm. Eine Etage lässt sich mit Mühe bewältigen, regelmäßiges Treppensteigen passt aber nicht zu diesem Fahrzeug. Für den Kofferraum eines ausreichend großen Autos ist das Format grundsätzlich geeignet. Der Fighter Mini Pro richtet sich klar an Menschen, die mehr fahren als tragen und einen festen Abstellplatz ohne viele Stufen besitzen.

Stärken und Schwächen

Stärken

  • extrem steigfähiger Dual-Bosch-Antrieb
  • gleichmäßige, kontrollierbare Beschleunigung
  • hervorragendes einstellbares KKE-Fahrwerk
  • rund 72 km Reichweite im Test
  • hochwertige hydraulische Bremsen
  • sehr umfangreiche App-Konfiguration
  • Smart BMS mit Zellüberwachung
  • 150 kg Zuladung
  • helle Beleuchtung und vier Blinker

Schwächen

  • sehr hohes Gewicht von 34,6 kg
  • kein Wechselakku
  • Preis von rund 2.000 Euro
  • keine offizielle Wasserschutz-Zertifizierung
  • optisch unruhige Kabelführung
  • einfacher Seitenständer
  • nicht versenkte Unterbodenschrauben
  • E-Bremse ab Werk recht grob abgestimmt
  • keine Ortung in der deutschen Version

Fazit: der beste zugelassene Allrad-Scooter?

Der Teverun Fighter Mini Pro überzeugte im Test vor allem dort, wo viele Dual-Motor-Scooter schwächeln: Seine enorme Leistung bleibt fein dosierbar, das Fahrverhalten stabil und das Fahrwerk außergewöhnlich komfortabel. Selbst extreme Steigungen bewältigt der Allradantrieb souverän. Der große Pro-Akku, die hydraulischen Bremsen und die umfangreiche Konfiguration runden das technisch starke Paket ab.

Dem stehen ein sehr hohes Gewicht, ein hoher Preis und einige kleinere Detailmängel gegenüber. Wer Treppen oder öffentliche Verkehrsmittel fest in seinen Alltag einplant, sollte sich nach einem leichteren Modell umsehen. Für Vielfahrer, schwere Fahrer und Menschen in hügeligen Regionen, die maximale Kraft mit hohem Komfort verbinden möchten, ist der Fighter Mini Pro dagegen eine der überzeugendsten zugelassenen Allradoptionen im Test.

Meine Einordnung: Der Fighter Mini Pro ist kein vernünftiger Leichtgewicht-Pendler, sondern ein luxuriöses Kraftpaket für lange Strecken und schwierige Steigungen. Wer genau dieses Profil sucht und einen passenden Abstellplatz besitzt, erhält einen ungewöhnlich kompletten Dual-Motor-Scooter.

Ob ein schwerer Allrad-Tourer zu deinem Einsatzprofil passt, zeigt unsere E-Scooter-Kaufberatung. Den Vergleich mit anderen Spitzenmodellen bietet die E-Scooter-Bestenliste.

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Hydraulische Bremsen, bis 90 km reale Reichweite

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