Vollfederung, Wechselakku, bis zu 150 Kilogramm Zuladung und der kräftige SoFlow-Getriebemotor: Der SoFlow SO4 Pro MAX verspricht ungewöhnlich viel Ausstattung fürs Geld. Im Test kläre ich, ob daraus tatsächlich ein überzeugender Daily Driver wird.
SoFlow SO4 Pro MAX: die wichtigsten Daten
| Motor | 500 Watt Dauerleistung, bis 1.300 Watt Spitze |
| Drehmoment | bis zu 50 Nm laut technischem Faktencheck im Test |
| Akku | 48 Volt, 12 Ah, 576 Wh, entnehmbar |
| Hersteller-Reichweite | bis zu 75 km unter Idealbedingungen |
| Federung | einstellbare Federgabel vorn, zwei Federelemente hinten |
| Reifen | 10 Zoll, schlauchlos, mit Pannenschutz |
| Bremsen | Trommelbremse vorn, Scheibenbremse hinten, unterstützende Rekuperation |
| Gewicht | ca. 24 kg |
| Zuladung | bis zu 150 kg |
| Wasserschutz | IP65 |
Design und Verarbeitung
Typisch für neuere SoFlow-Modelle ist der Farbverlauf am Lenkerrohr: Schwarz und Grau gehen in das markentypische Blaugrün über. Das muss nicht jedem gefallen, bildet zusammen mit dem schwarzen, gummierten Trittbrett aber ein stimmiges Gesamtbild. Kleine Details wie das SoFlow-Logo und die Modellbezeichnung am Lenker zeigen, dass sich der Hersteller Gedanken über die Gestaltung gemacht hat.
Die Materialanmutung ist solide. Am Lenker und Rahmen wackelte im Stand nichts, das Kabelmanagement ist aufgeräumt und fast alle Leitungen verlaufen verdeckt. Die Frontleuchte wurde sauber in den Lenkerkopf integriert, ebenso die Bedienelemente. Der Gasdrehgriff ist ungewöhnlich für einen E-Scooter, entlastet auf längeren Fahrten aber den Daumen.
Verarbeitung eingeordnet: Für die Preisklasse macht der SO4 Pro MAX einen ordentlichen Eindruck. Perfekte Spaltmaße darf man nicht überall erwarten. Das leicht vibrierende vordere Schutzblech fiel bereits vor der Probefahrt als möglicher Geräuschverursacher auf.
Mit IP65 ist der Scooter gegen Strahlwasser geschützt, sodass eine Regenfahrt grundsätzlich kein Problem darstellt. Der tief sitzende Ladeanschluss besitzt eine Schutzklappe. Sie schützt vor Spritzwasser, macht das Anschließen des dreipoligen Steckers allerdings etwas fummelig.
Fahrverhalten: trotz 24 Kilogramm erstaunlich agil
Im Hütchenparcours lässt sich der SO4 Pro MAX kontrolliert und überraschend handlich bewegen. Die Gasannahme reagiert direkt, aber gut dosierbar. Auch die Bremsen lassen sich fein einsetzen, sodass sich das Tempo vor Kurven zuverlässig regulieren lässt. Trotz des Gewichts von rund 24 Kilogramm entsteht kein träges Fahrgefühl.
Das Trittbrett bietet auch mit Schuhgröße 45 ausreichend Platz, wenn die Füße leicht versetzt stehen. Die nicht höhenverstellbare Lenkerposition passte im Test bei etwa 1,80 Meter Körpergröße gut und dürfte als Universalgröße für viele Fahrer funktionieren. Die 10-Zoll-Straßenreifen vermitteln auf Asphalt viel Grip, fühlen sich auf gutem Untergrund aber eindeutig am wohlsten.
Vollfederung im Praxistest
Vorn arbeitet eine Federgabel, deren Druckstufe sich an Körpergewicht, Fahrstil und persönliche Vorlieben anpassen lässt. Hinten übernehmen zwei nicht einstellbare Federelemente die Arbeit. Zusammen mit den schlauchlosen 10-Zoll-Luftreifen entsteht ein deutlich komfortableres Fahrgefühl als bei ungefederten City-Scootern.
Auf Asphalt
Auf glatten Straßen spielen zunächst vor allem die Luftreifen ihre Dämpfung aus. Der Scooter liegt ruhig und vermittelt viel Sicherheit.
Auf schlechten Wegen
Auf Schotter, Waldwegen und Bodenwellen arbeitet das Fahrwerk sichtbar und spürbar. Bordsteine und schlechte Straßen verlieren deutlich an Härte.
Für 799 Euro ist das Fahrwerk eine der größten Stärken des SO4 Pro MAX – komfortabel, belastbar und auch für leichtere Waldwege geeignet.
Ganz geräuschlos arbeitet es nicht. Bei stärkeren Erschütterungen macht sich das vordere Schutzblech bemerkbar, gelegentlich war auch aus dem hinteren Gelenkbereich ein Knacken zu hören. Das beeinträchtigt die Funktion nicht, verhindert aber den Eindruck eines besonders leisen oder vollkommen satt abgestimmten Scooters.
Getriebemotor: laut, aber richtig kräftig
Der Planetengetriebemotor ist eine SoFlow-Eigenentwicklung. Er leistet 500 Watt dauerhaft und bis zu 1.300 Watt in der Spitze. Der entscheidende Unterschied zu vielen direkt angetriebenen Motoren: Durch das Getriebe steht bereits bei niedriger Drehzahl viel Kraft zur Verfügung. Genau das macht sich beim Anfahren und an Steigungen bemerkbar.
Die Beschleunigung setzt über den Drehgriff unmittelbar ein. Im GPS-Test lag das Tempo konstant oberhalb von 21 km/h und damit innerhalb der gesetzlichen Toleranz. Auf der 16-Prozent-Rampe erreichte der Scooter mit 80 Kilogramm Fahrergewicht etwa 15 bis kurzzeitig 16 km/h. Selbst das Anfahren gelang trotz fehlendem Zero Start problemlos, sobald die nötige geringe Anklickgeschwindigkeit erreicht war.
Steigungstest: Auch die mehr als 25 Prozent steilen „Hannover Alpen“ bezwang der SO4 Pro MAX. Auf dem besseren Teilstück waren dabei noch etwa 12 bis 13 km/h möglich. Für schwere Fahrer oder bergige Wohnorte ist das ein starkes Ergebnis.
Die Kraft hat eine akustische Kehrseite. Der Getriebemotor ist gegenüber früheren Generationen zwar leiser geworden, bleibt aber deutlich hörbar. Wer einen fast geräuschlosen Direktläufer erwartet, wird sich daran gewöhnen müssen.
Wechselakku und Reichweite
Im voluminösen Trittbrett steckt ein entnehmbarer 48-Volt-Akku mit 12 Ah beziehungsweise 576 Wh. Über eine Tastenkombination am Lenker wird die Trittbrettabdeckung elektronisch entriegelt. Der Akku lässt sich anschließend herausheben und in der Wohnung laden, während der Scooter im Keller oder Erdgeschoss stehen bleibt.
- Ladezustand direkt über eine farbige LED am Akku prüfbar
- Führungsschienen erleichtern das Wiedereinsetzen
- Ablauföffnung im Akkufach für eingedrungenes Wasser
- Mechanismus verhindert das Schließen ohne eingesetzten Akku
- zusätzlicher Akku kann die mögliche Tourenlänge deutlich erweitern
Die Herstellerangabe von bis zu 75 Kilometern entsteht unter Idealbedingungen. Gewicht, Temperatur, Steigungen, Reifendruck und Fahrmodus können die praktische Reichweite deutlich reduzieren. Das 3-Ampere-Netzteil lädt den Akku laut Test in ungefähr vier Stunden. Beim Öffnen und Schließen der schweren Trittbrettabdeckung sollte man allerdings auf die Finger achten.
Bremsen und Sicherheitsausstattung
Vorn verzögert eine wartungsarme Trommelbremse, hinten eine kräftig zupackende Scheibenbremse. Zusätzlich unterstützt der Motor beim Bremsen rekuperierend. Im Test erzielte das System sehr kurze Bremswege und der Scooter blieb kontrollierbar. Die mechanischen Bremsen lassen sich bei Bedarf nachjustieren; die hintere Scheibe sollte nach Schmutzfahrten sauber gehalten werden.
| Ausstattung | Bewertung im Alltag |
|---|---|
| 60-Lux-Frontlicht | formschön integriert und ausreichend hell |
| Rücklicht | mit Bremslichtfunktion |
| Blinker | vorn an den Lenkerenden und zusätzlich hinten, auch tagsüber gut sichtbar |
| Reifenreflektoren | umlaufend integriert und seitlich auffällig |
| Wegfahrsperre | blockiert das Hinterrad und schützt zugleich die Akkuentnahme |
| Apple „Wo ist?“ | Ortung über Apple Find My möglich; Apple-Gerät erforderlich |
Die Blinkerbedienung über die Wippe am Lenker ist intuitiv. Ein einzelner Ton bestätigt die Aktivierung, anschließend bleibt das System angenehm still. Die zusätzlichen Heckblinker sind besonders sinnvoll, weil Lenkerendenblinker durch Körper oder Kleidung verdeckt werden können. Trotz App-Sperre und Ortungsfunktion bleibt ein hochwertiges physisches Schloss unverzichtbar.
Display, App und Transport
Das farbige LCD zeigt Geschwindigkeit, Kilometerstand, Licht, Blinker und die gewählte Fahrstufe. Neben Komfort- und Sportmodus gibt es einen auf Reichweite ausgelegten Long-Drive-Modus mit 15 km/h sowie einen Fußgängermodus. Weniger gelungen: Der Akkustand wird nur über Balken statt in Prozent dargestellt und bei direkter Sonne könnte das Display besser ablesbar sein.
Die App ermöglicht Fahrstufenwechsel, Wegfahrsperre, Navigation und ein Prämiensystem. Firmware-Updates und eine prozentgenaue Akkuanzeige fehlten zum Testzeitpunkt. Der doppelt gesicherte Klappmechanismus arbeitet dagegen unkompliziert: Verschluss öffnen, Sicherheitsknopf drücken und die Lenkerstange am hinteren Schutzblech einrasten lassen.
Mit rund 24 Kilogramm ist der SO4 Pro MAX kein Scooter, den man gern mehrere Stockwerke trägt. Zusammengeklappt passt er aber in einen Kofferraum und lässt sich auch in der Bahn transportieren. Die Lenkergriffe bleiben ausgeklappt und benötigen deshalb seitlich zusätzlichen Platz. Gerade hier spielt der Wechselakku seine Stärke aus: Der Scooter kann unten stehen bleiben, während nur der Akku zum Laden mitkommt.
Stärken und Schwächen
Stärken
- kräftiger Getriebemotor
- sehr gute Steigleistung
- komfortable Vollfederung
- praktischer Wechselakku
- hohe Zuladung bis 150 kg
- starke Bremsen
- Blinker vorn und hinten
- Apple-Find-My-Unterstützung
Schwächen
- Getriebemotor deutlich hörbar
- Geräusche von Schutzblech und Fahrwerk
- Ladeport und Stecker etwas fummelig
- keine Akkuanzeige in Prozent
- Display bei direkter Sonne nur mäßig ablesbar
- mit 24 kg relativ schwer
Fazit: beinahe die eierlegende Wollmilchsau
Der SoFlow SO4 Pro MAX deckt ungewöhnlich viele Einsatzbereiche ab. Er bietet genug Komfort für schlechte Stadtstraßen und längere Touren, trägt bis zu 150 Kilogramm und liefert auch an steilen Anstiegen überzeugend Kraft. Der Wechselakku löst zugleich ein typisches Problem schwerer E-Scooter: Zum Laden muss nicht das komplette Fahrzeug in die Wohnung.
Perfekt ist das Paket nicht. Motor, Fahrwerk und vorderes Schutzblech sind hörbar, das Display könnte moderner sein und der Ladeanschluss komfortabler. Wer einen möglichst leisen und leichten Scooter sucht, ist hier falsch. Als kräftiger Daily Driver für Pendler, schwere Fahrer und bergige Regionen überzeugt der SO4 Pro MAX aber mit einem sehr starken Preis-Leistungs-Verhältnis.
Für wen passt er? Besonders für Fahrer, die Komfort, hohe Zuladung und starke Bergleistung benötigen – und den 24-Kilogramm-Scooter dank Wechselakku nicht täglich zum Laden tragen müssen.
Hinweise zu Reichweite, Laden und Akkupflege findest du in unserem Akku-Ratgeber. Weitere Allrounder und Tourer vergleicht die E-Scooter-Bestenliste.
SoFlow
Mit Navigation, Find-My und digitalem Schloss
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