STREETBOOSTER PURE Flex Test: Kompakter Faltscooter im Alltag

Der STREETBOOSTER PURE Flex Test zeigt einen der ungewöhnlichsten E-Scooter im Vergleich. Zwei seitliche Standflächen ersetzen das klassische Trittbrett, der Rahmen lässt sich mittig falten und im kompaktesten Zustand stehen beide Räder parallel nebeneinander. Das Ziel: ein vollwertiger, straßenzugelassener Scooter, der sich fast wie Handgepäck verstauen lässt.

Doch Kompaktheit allein reicht nicht. Im Praxistest musste der PURE Flex beweisen, ob die parallele Fußstellung sicher funktioniert, wie gut sein 960-Watt-Peakmotor an Steigungen arbeitet und welche Kompromisse das ungewöhnliche Konzept bei Komfort und Alltagstauglichkeit verlangt.

PURE Flex Test: Für wen passt der Faltscooter?

du pendelst

und den Scooter regelmäßig in Bahn, Kofferraum oder Büro mitnehmen möchtest.

du campst

und im Wohnmobil oder Wohnwagen jeder Zentimeter Stauraum zählt.

du etwas Neues suchst

und eine natürliche parallele Fußstellung einem klassischen Trittbrett vorziehst.

Technische Daten im Überblick

Motor500 Watt Nennleistung, bis zu 960 Watt Peak
Akku PURE Flex36 V / rund 9,5 Ah, fest verbaut
Herstellerreichweitemodellabhängig etwa 40 bis 50 km
Bereifung10 Zoll, schlauchlose Luftreifen
Federungkeine
BremsenTrommelbremse vorn, elektronische Motorbremse hinten
Gewichtrund 16 kg
Maximale Zuladungrund 120 kg
WasserschutzIP65
Besonderheitzweistufiges Faltsystem und parallele Fußstellung
STREETBOOSTER PURE Flex in vollständiger Seitenansicht
Der STREETBOOSTER PURE Flex im ausgeklappten Fahrzustand.

Ein Design, das der Funktion folgt

Der PURE Flex ist sofort als Sonderling zu erkennen. Statt eines durchgehenden Decks besitzt er zwei ausklappbare Standflächen vor dem Hinterrad. Der schmale Rahmen, mehrere Gelenke und das große mittlere Faltelement erklären den eigenwilligen Look. Das Design folgt konsequent der Transportfunktion – wirkt dabei aber wertig und durchdacht.

Vorderrad und mittlerer Fahrzeugrahmen
Der kompakte Rahmen und das tief sitzende Vorderrad.

Wer auf das mittlere Gelenk verzichten kann, findet mit PURE Advance und Advance Plus optisch ruhigere Alternativen. Sie lassen sich nicht ganz so klein falten, bieten beim Plus-Modell aber Platz für einen größeren 12-Ah-Akku. Der getestete Flex setzt dagegen kompromisslos auf minimales Packmaß.

Die Verarbeitung überzeugte: Der Rahmen wirkt stabil, die Gelenke besitzen kaum Spiel und Kabel sind weitgehend unsichtbar verlegt. Nur das Bremskabel bleibt außen sichtbar. Die Ladebuchse ist gut abgedichtet, und mit IP65 ist der Scooter gegen Strahlwasser geschützt. Auch Schutzblech, Mittelständer und die versenkten Schrauben am Unterboden machen einen soliden Eindruck. Sichtbare Schweißnähte und die filigrane Kennzeichenhalterung bleiben kleinere optische beziehungsweise langfristige Fragezeichen.

Testnotiz: Beim PURE Flex ist das ungewöhnliche Design kein Selbstzweck. Fast jedes sichtbare Gelenk zahlt auf ein einziges Ziel ein: möglichst wenig Platz beim Transport.

Fahrgefühl: Fast wie ein Segway – nur einfacher

Die parallele Fußstellung verändert das Fahrgefühl spürbar. Beide Füße stehen nebeneinander auf rutschfesten Flügeln, der Schwerpunkt liegt sehr tief. Im Hütchenparcours ließ sich der Scooter nicht nur über den Lenker, sondern intuitiv auch über Knie und Körpergewicht steuern. Nach kurzer Eingewöhnung entsteht ein spielerisches, beinahe schwebendes Fahrgefühl.

Eine Lenkungsdämpfung sorgt bei Geradeausfahrt für zusätzliche Ruhe. Der breite Lenker bleibt trotz seiner Faltgelenke stabil und vermittelt Kontrolle. Fahrer mit Schuhgröße 45 passen gerade noch vollständig auf die Standflächen. Die Lenkerhöhe lässt sich stufenlos anpassen; bei 1,80 Meter Körpergröße war bereits die höchste Position nötig. Größere Personen sollten deshalb unbedingt Probe fahren.

Das Fahrgefühl ist das eigentliche Highlight: natürlich, agil und überraschend leicht zu erlernen – ohne die empfindliche Balance-Steuerung früherer Segways.

Komfort und Grenzen des Konzepts

Eine Federung gibt es nicht. Den Komfort übernehmen ausschließlich die schlauchlosen 10-Zoll-Luftreifen. Auf Asphalt, gut ausgebauten Radwegen und feinem Schotter gelingt das ordentlich. Grobes Kopfsteinpflaster überträgt dagegen deutliche Schläge in Beine und Oberkörper; aus den seitlichen Standflächen waren dabei auch einzelne Klappergeräusche zu hören.

Die niedrigen Fußplattformen verbessern den Schwerpunkt, reduzieren aber die Bodenfreiheit. Hohe Bordsteinkanten und echtes Gelände sollte man meiden. Für lange Touren hat die parallele Position einen weiteren Nachteil: Die Füße lassen sich konstruktionsbedingt kaum umstellen. Der PURE Flex fühlt sich daher auf kurzen und mittleren, gut ausgebauten Strecken am wohlsten.

Seitliche Standflächen und mittleres Faltgelenk
Seitliche Standflächen und das zentrale Faltgelenk im Detail.

Motor, Geschwindigkeit und Steigung

Der Hinterradmotor leistet dauerhaft 500 Watt und erreicht laut Hersteller bis zu 960 Watt in der Spitze. Der Hobbywing-Controller sorgt für eine gleichmäßige, bis zur Höchstgeschwindigkeit spürbare Beschleunigung. Auf dem Tacho wurden 22 km/h schnell erreicht, per GPS pendelte der PURE Flex jedoch eher zwischen 20 und 21 km/h. Hier bleibt etwas ungenutzte gesetzliche Toleranz.

An der 16-prozentigen Teststeigung hielt der Scooter nach gutem Antritt etwa 8 km/h. Auch das Anfahren auf der Rampe gelang, begünstigt durch das geringe Fahrzeuggewicht von rund 16 kg. Für typische städtische Steigungen ist die Leistung damit gut ausreichend. In der Nähe der maximalen Zuladung sollte man an sehr steilen Abschnitten aber keine Wunder erwarten.

Akku, Display und App

Im PURE Flex sitzt ein fest eingebauter 36-Volt-Akku mit rund 9,5 Ah. Je nach Variante nennt STREETBOOSTER Reichweiten zwischen 40 und 50 km. Die tatsächliche Reichweite hängt wie immer stark von Zuladung, Temperatur, Strecke und Fahrmodus ab. Geladen wird nur mit 2 Ampere, weshalb eine Vollladung ungefähr sieben bis acht Stunden dauert.

Das kleine LCD ist auch bei Sonne gut ablesbar, beschränkt sich aber auf Geschwindigkeit, Fahrstufe, Licht, Blinker und fünf Akkubalken. Kilometerstand und Akkuprozent fehlen. Die Bluetooth-App bietet ein einfaches Dashboard, einige Einstellungen und Firmware-Updates, aber weder umfangreiche Fahrzeugdaten noch Tracking.

Bremsen und Sichtbarkeit

Vorn arbeitet eine gekapselte, wartungsarme Trommelbremse, hinten die elektronische Motorbremse. Besonders praktisch ist ihr separater Hebel: Im Alltag kann man verschleißarm verzögern und Energie zurückgewinnen. Für eine Vollbremsung greift man zur Kombination beider Systeme. Der Scooter blieb dabei spurtreu und kam sicher zum Stehen.

Der verstellbare Frontscheinwerfer leuchtet Nah- und Fernbereich ausreichend aus. Helle Blinker an den breiten Lenkerenden sind selbst tagsüber gut sichtbar und werden kaum vom Körper verdeckt. Ihre weichen Tasten im Bremsgriff sind weniger intuitiv als eine Wippe. Zusätzliche Heckblinker fehlen, obwohl die internationale Variante entsprechende Elemente besitzt. Rück- und Bremslicht sowie die Klingel komplettieren die Ausstattung.

Der Faltmechanismus: Das eigentliche Meisterstück

In der ersten Faltstufe werden Lenkergriffe, Lenkstange und Standflächen eingeklappt. Die Lenkstange rastet selbstständig am Heck ein. So entsteht bereits ein kompaktes Paket, ähnlich den PURE-Advance-Modellen.

Eingeklappte Lenkerpartie
In der ersten Faltstufe liegen Lenkergriffe und Bedienelemente eng an der Lenkstange.

Die zweite Stufe ist dem Flex vorbehalten: Der komplette Rahmen lässt sich mittig zusammenfalten, beide Räder stehen anschließend parallel und verriegeln sich gegeneinander. Zusätzlich wird das Lenkerrohr eingefahren. Das Resultat passt auch in sehr kleine Kofferräume und spart im Camper enorm viel Platz.

Im Alltag zeigte sich nur eine Eigenheit: Damit die Lenkstange hinten sicher einrastet, muss sie vollständig ein- oder ausgefahren sein. Hatte sich die stufenlose Höhenverstellung während der Fahrt leicht verschoben, griff der Haken nicht. Nach Erhöhung der Vorspannung trat das Problem nicht mehr auf. Feste Rastpunkte wären dennoch komfortabler.

Kompakter Faltscooter vollständig zusammengefaltet
In der zweiten Faltstufe stehen beide Räder parallel – das Packmaß schrumpft deutlich.

Testurteil auf einen Blick

Überzeugt

  • einzigartiges, intuitives Fahrgefühl
  • extrem kompaktes zweistufiges Faltsystem
  • geringes Gewicht von rund 16 kg
  • solide Verarbeitung der vielen Gelenke
  • kräftiger Motor für städtische Steigungen
  • separat nutzbare elektronische Bremse
  • gute Ersatzteil- und Serviceversorgung

Stört

  • kein gefedertes Fahrwerk
  • wenig Möglichkeit, die Fußposition zu verändern
  • keine Blinker am Heck
  • spärliche Informationen in Display und App
  • lange Ladezeit
  • GPS-Tempo bleibt etwas unter der möglichen Toleranz

Fazit: Für wen lohnt sich der PURE Flex?

Der STREETBOOSTER PURE Flex ist kein gewöhnlicher City-Scooter und will es auch nicht sein. Sein Fahrgefühl macht Spaß, die parallele Fußstellung wirkt nach kurzer Eingewöhnung natürlich und das Faltsystem löst ein echtes Platzproblem. Für Camper, Pendler und Fahrer mit kleinem Kofferraum bietet er damit einen Mehrwert, den klassische E-Scooter kaum erreichen.

Die Kehrseite sind begrenzter Komfort auf schlechtem Untergrund, wenig Bewegungsfreiheit auf längeren Touren und eine recht einfache digitale Ausstattung. Wer maximale Federung oder Reichweite sucht, findet passendere Modelle. Wer dagegen den aktuell wohl kompaktesten Formfaktor mit einem vollwertigen, sicheren Fahrverhalten verbinden möchte, sollte den PURE Flex unbedingt ausprobieren.

Meine Einordnung: Ein Spezialist mit echtem Alleinstellungsmerkmal – nicht für jeden, aber für Camper und multimodale Pendler möglicherweise genau der richtige E-Scooter.

Wenn Transportmaß und Gewicht deine Kaufentscheidung bestimmen, hilft unsere E-Scooter-Kaufberatung bei der Einordnung. Weitere kompakte und tourentaugliche Modelle findest du in der E-Scooter-Bestenliste.

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Henne

Ich bin Henne und bei HennTech dreht sich alles um E-Scooter, E-Bikes und das passende Zubehör. Ich probiere aus, wie sich die Fahrzeuge im Alltag schlagen und ob sie wirklich halten, was die Hersteller versprechen. Kommt mit!