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Die meisten E-Scooter rollen auf acht bis zehn Zoll großen Rädern – der Egret GT setzt dagegen auf mächtige 13-Zoll-Reifen. Einstellbare Vollfederung, Wechselakku und bis zu 150 Kilogramm Zuladung machen ihn zu einem ungewöhnlich erwachsenen Fahrzeug. Hydraulische Bremsen, Blinker vorn und hinten sowie zahlreiche Sicherheitsdetails unterstreichen den Premiumanspruch. Der Test zeigt, ob daraus auch auf der Straße ein überzeugendes Gesamtpaket entsteht.
Kurzfazit: Für wen lohnt sich der Egret GT?
Der Egret GT gehört zu den komfortabelsten E-Scootern, die ich bislang getestet habe. Seine großen Räder und das fein abstimmbare Fahrwerk vermitteln selbst auf schlechtem Untergrund ungewöhnlich viel Ruhe, während 85 Kilometer gemessene Reichweite und der entnehmbare Akku lange Pendelwege und Tagestouren erleichtern. Ich empfehle ihn Vielfahrern, schweren Fahrern und Komfortfans mit ebenerdigem Stellplatz. Wer den Scooter regelmäßig tragen oder in Bus und Bahn mitnehmen muss, wird mit einem leichteren Modell glücklicher.
Passt besonders gut: lange Pendelwege, schlechte Radwege, hohe Zuladung, Touren und ein ebenerdiger Stellplatz. Weniger passend: tägliche Treppen, häufige Bahnfahrten und kurze Wege, auf denen der aufwendige Tourer kaum Vorteile ausspielen kann.
85 km
im Reichweitentest
1.620 W
Spitzenleistung
2,20 m
Bremsweg im Test
150 kg
maximale Zuladung
Egret GT Test: technische Daten im Überblick
| Motor | 500 Watt Dauerleistung, bis zu 1.620 Watt Spitze, 62 Nm |
| Akkuvarianten | 47,45 V / 15 Ah / 712 Wh oder 20 Ah / 949 Wh; herausnehmbar und abschließbar |
| Herstellerreichweite | bis zu 75 beziehungsweise 100 km unter Idealbedingungen |
| Ladezeit | etwa 5 beziehungsweise 7 Stunden mit 3-Ampere-Ladegerät |
| Federung | einstellbare RST-Upside-down-Öldruckgabel vorn mit 50 mm Federweg; einstellbares Gewindefahrwerk hinten mit 25 mm |
| Reifen | 13 Zoll × 2,5 Zoll, Luftreifen mit Schlauch und Pannenschutz; teilbare Felgen |
| Bremsen | zwei hydraulische Scheibenbremsen mit 160-mm-Scheiben und Motorunterbrechung; keine Rekuperation |
| Gewicht und Zuladung | 32 bis 33,2 kg je nach Akku; maximal 150 kg Zuladung |
| Maße | 136 × 67 × 128 cm fahrbereit; 136 × 67 × 60 cm gefaltet; Trittbrett 46 × 17 cm |
| Licht und Blinker | 80-Lux-OSRAM-Frontlicht mit Automatik, Rück- und Bremslicht, Blinker vorn und hinten |
| Display und Schutz | 3,5-Zoll-TFT mit NFC; Fahrzeug IPX5, Akku IPX7 |
Aufbau: das Vorderrad erfordert Aufmerksamkeit
Der Egret GT wird ungewöhnlich kompakt verpackt, weil das Vorderrad separat im Karton liegt. Das spart Transportvolumen, macht den Aufbau aber anspruchsvoller als bei vielen Konkurrenzmodellen. Mehrere Unterlegscheiben müssen in der richtigen Reihenfolge eingesetzt und die Bremsscheibe sorgfältig in den Bremssattel geführt werden.
Wichtig bei der Montage: Die Unterlegscheibe mit glatter Oberfläche gehört auf die Seite der Bremsscheibe. Werden die Scheiben vertauscht, kann die Bremse deutlich schleifen. Wer sich unsicher ist, sollte den Scooter fertig montiert beim Händler übernehmen.
Egret liefert hochwertigeres Werkzeug und präzise Drehmomentangaben mit. Trotzdem dauerte der Aufbau im Test mit Korrektur eines Montagefehlers ungefähr anderthalb Stunden. Nach dem Vorderrad müssen nur noch Lenkerkopf, Lampe und Kennzeichenhalter fixiert werden.
Design und Verarbeitung: ein echtes Arbeitstier
Die 13-Zoll-Reifen prägen den gesamten Auftritt. Grau, Anthrazit und Schwarz treffen auf einen offenen Rohrrahmen, ein gummiertes Trittbrett und die auffällige Upside-down-Gabel. Der GT versucht gar nicht, klein oder filigran zu wirken. Er steht selbstbewusst und fast schon motorradartig auf der Straße.
Die Verarbeitung passt zum Premiumanspruch. Schweißnähte, Kabelmanagement, Metallkotflügel und der massive Ständer wirken robust. Im Akkufach liegen Kabel und Controller sauber, Kühlrippen und Vibrationsschutz sind vorhanden, Wasser kann über Öffnungen ablaufen. Lediglich der aus Kunststoff gefertigte Trittbrettdeckel und ein einfacher Schaumstoffanschlag passen nicht ganz zum ansonsten hochwertigen Eindruck.
Der Egret GT ist kein Lifestyle-Spielzeug, sondern ein massiver Premium-Scooter für hohe Laufleistung, hohe Zuladung und anspruchsvolle Alltagswege.
Fahrverhalten: viel agiler als erwartet
Mehr als 32 Kilogramm Fahrzeuggewicht klingen zunächst wenig wendig. Im Hütchenparcours überrascht der GT jedoch mit direkter Gasannahme und gut dosierbaren Bremsen. Selbst nahe der Höchstgeschwindigkeit lässt er sich kontrolliert um die Markierungen bewegen. Nur der etwas größere Wendekreis erinnert an die wuchtigen Abmessungen.
Das breite Trittbrett ermöglicht auch mit Schuhgröße 45 einen sicheren Stand. In der Länge fällt es gemessen am Gesamtfahrzeug nicht riesig aus, dürfte aber auch für große Fahrer ausreichen. Die feste Lenkerhöhe passte bei 1,80 Meter sehr gut und bietet noch Luft nach oben. Geradeaus läuft der Scooter ausgesprochen stabil; die großen Reifen liefern bei Kurven und Ausweichmanövern viel Bodenhaftung.
13 Zoll und Vollfederung: das Komfort-Highlight
Die 13-Zoll-Luftreifen rollen mit ihrem Straßenprofil effizient über Asphalt und entschärfen Bordsteinkanten sowie Schlaglöcher bereits durch ihren großen Durchmesser. Im Inneren sitzt jeweils ein Schlauch; ein in den Mantel eingegossenes Stahlgeflecht soll das Pannenrisiko reduzieren. Muss dennoch ein Reifen gewechselt werden, erleichtern teilbare Felgen die Reparatur.
Vorn
Die gemeinsam mit RST entwickelte Upside-down-Öldruckfederung lässt sich sperren und mehrstufig abstimmen.
Hinten
Zwei Gewindefedern können ebenfalls an Körpergewicht und persönliche Komfortvorlieben angepasst werden.
Beide Achsen arbeiten harmonisch zusammen und entlasten Hände, Füße und Rücken spürbar. Auf Asphalt gleitet der GT ruhig dahin, auf Gras, Schotter und Kopfsteinpflaster zeigt das Fahrwerk enorme Reserven. Das macht ihn nicht zum echten Geländefahrzeug, erweitert den Einsatzbereich aber deutlich über typische Stadtstrecken hinaus.
Ganz lautlos bleibt das Paket nicht. Auf grobem Untergrund war ein Klappern aus dem Bereich von Trittbrett beziehungsweise Akku zu hören, im unbelasteten Zustand stärker als während der Fahrt. Zusätzliche Gummidämpfer könnten hier Abhilfe schaffen. Am herausragenden Fahrkomfort ändert dieser akustische Kritikpunkt wenig.
Motor und Steigleistung
Der Hinterradmotor leistet 500 Watt dauerhaft, bis zu 1.620 Watt in der Spitze und soll 62 Nm Drehmoment bereitstellen. Im Sportmodus beschleunigt der schwere Scooter deutlich und erreicht die Höchstgeschwindigkeit zügig. Bei der GPS-Messung lag er mit Rückenwind teilweise oberhalb von 22 km/h und nutzte die gesetzliche Toleranz sehr großzügig aus.
Steigungstest: An der 16-Prozent-Rampe erreichte der GT mit 82 Kilogramm Zuladung ungefähr 15 bis 16 km/h. Auch die mehr als 25 Prozent steilen „Hannoverschen Alpen“ bewältigte er je nach Untergrund mit etwa 10 bis 14 km/h. Damit sind kurze, besonders steile Testabschnitte im Raum Hannover gemeint – kein echtes Gebirge, aber eine anspruchsvolle Belastungsprobe für den Antrieb.
Das ist ein konkurrenzfähiges Ergebnis in der 1.600-Watt-Klasse und reicht auch für schwerere Fahrer sowie anspruchsvolle Alltagssteigungen. Einen Zero Start gibt es nicht. Das Anfahren am Berg erfordert deshalb einen kleinen Impuls, gelang im Test aber zuverlässig. Neben Sport stehen Tour, Eco und ein Fußgängermodus mit 6 km/h zur Verfügung.
Wechselakku: 75 oder 100 Kilometer auf dem Papier
Getestet wurde der Egret GT mit dem großen 20-Ah-Akku und 949 Wh Kapazität. Bei über 20 °C Außentemperatur und 82 Kilogramm Zuladung erreichte er im Reichweitentest 85 Kilometer. Damit kam das Testfahrzeug der Herstellerangabe von bis zu 100 Kilometern bemerkenswert nahe. Egret bietet zusätzlich eine kleinere Variante mit 15 Ah und 712 Wh an, für die bis zu 75 Kilometer genannt werden. Die tatsächlich erreichbare Distanz hängt unter anderem von Temperatur, Strecke, Reifendruck und Fahrmodus ab.
| Variante | Hersteller-Reichweite | Ladezeit |
|---|---|---|
| 48 V / 15 Ah | bis zu 75 km | ca. 5 Stunden |
| 48 V / 20 Ah | bis zu 100 km | ca. 7 Stunden |
Zum Akkuwechsel wird das komplette Trittbrett abgenommen, der massive Steckverbinder gelöst und die Batterie am Griff herausgehoben. Der Scooter kann so im Erdgeschoss oder Fahrradschuppen bleiben, während nur der Akku mit in die Wohnung kommt. Er ist abschließbar und nach IPX7 geschützt. Geladen werden kann direkt am Akku oder am Fahrzeug.
Preis und Service: teuer, aber langfristig reparierbar
Mit 1.899 Euro Herstellerpreis für die große Akkuvariante zum Redaktionsstand gehört der GT klar ins Premiumsegment. Dafür endet das Angebot nicht beim Fahrzeugverkauf: Egret nennt zwei Jahre Akku-Garantie, einen eigenen Ersatzteilshop, Reparaturanleitungen, einen Online-Reparaturantrag sowie Händler und Servicepartner. Verschleißteile wie Bremsbeläge, Bremsscheiben und Reifen lassen sich damit planbarer ersetzen als bei vielen günstigeren Importmodellen. Der Wechselakku ist ebenfalls ein langfristiger Vorteil, weil für einen späteren Batterietausch nicht das komplette Fahrzeug in die Werkstatt muss.
Display und App: gute Basis, verschenktes Potenzial
Das 3,5-Zoll-Farbdisplay zeigt Akkustand in Prozent, berechnete Restreichweite, Tripkilometer, Geschwindigkeit, Fahrstufe, Licht und Blinker. Eine Lichtautomatik schaltet die Beleuchtung abhängig von der Umgebung ein. Über das Einstellungsmenü lassen sich unter anderem PIN, Sprache, Apple Find My, Bluetooth und Firmware verwalten. Ein USB-C-Port versorgt das Smartphone während der Fahrt.
Die App übernimmt viele Funktionen des Displays und visualisiert die geschätzte Reichweite abhängig vom Fahrmodus. Scooter-Sperre, Beleuchtung und Fahrstufe sind direkt erreichbar; Service und Ersatzteilshop wurden integriert. Im Test ließ sich die App problemlos koppeln, stellte die Verbindung schnell her und arbeitete stabil. Bei direkter Sonne ist das spiegelnde Display allerdings zu dunkel. Auch Navigationshinweise auf dem TFT fehlen – technisch wäre hier deutlich mehr möglich.
Bremsen und Sicherheit
Zwei hydraulische Scheibenbremsen mit ungewöhnlich großen 160-mm-Scheiben bringen den GT sehr schnell zum Stehen und bleiben dabei gut dosierbar. Auf trockenem Untergrund aus 22 km/h benötigte die Vorderradbremse 2,58 Meter, die Hinterradbremse 3,36 Meter und beide Bremsen gemeinsam nur 2,20 Meter. Damit gehört die Verzögerung zu den großen Stärken des GT. Scheiben und Beläge sollten nach Schmutz- oder Regenfahrten gereinigt und regelmäßig kontrolliert werden. Eine separate, weich dosierbare Rekuperationsbremse fehlt leider vollständig.
- heller, verstellbarer 80-Lux-Frontscheinwerfer von Osram
- Rücklicht mit Bremslichtfunktion
- helle Blinker an Lenker und Heck
- PIN-Sperre und schnelle NFC-Freigabe
- Apple Find My zur Ortung per iPhone
- teilintegriertes Rahmenschloss für Egret Eye oder Mate Lock
Die hinteren Blinker stehen nur wenig ab und sind dadurch gut vor Beschädigungen geschützt. Einen störenden Blinkerton gibt es nicht. NFC-Karten sind im Alltag komfortabler als die PIN-Eingabe. Apple Find My ergänzt den Schutz, ersetzt ebenso wie die elektronische Sperre aber kein gutes Schloss. Eine lautere Alarmanlage hätte das Paket noch abgerundet.
Transport: faltbar heißt nicht tragbar
Der zweistufig gesicherte Klappmechanismus legt den Lenker um. Danach muss am Heck ein Bügel ausgeklappt werden, der über das geschützte Display greift. Das funktioniert, benötigt aber mehrere Handgriffe und wirkt nicht besonders elegant. Die seitlich abstehenden Lenkergriffe erschweren zusätzlich die Mitnahme in Kofferraum, Bus oder Bahn.
Mit rund 32 bis 33 Kilogramm ist der GT definitiv kein Treppen-Scooter. Seine Faltbarkeit dient eher dem gelegentlichen Transport als dem täglichen Tragen. Der Wechselakku entschärft das Problem zumindest beim Laden: Das schwere Fahrzeug bleibt unten, nur die Batterie wird mitgenommen.
Egret GT im Vergleich: VMAX VX4 und ePF-Pulse+
Der Egret GT konkurriert weniger mit leichten City-Scootern als mit großen Tourenmodellen. VMAX VX4 und ePowerFun ePF-Pulse+ setzen dabei andere Prioritäten.
Egret GT
- 1.620 W Peak
- 949 Wh im Testmodell
- 13-Zoll-Reifen
- 33,2 kg
- Wechselakku
Die Wahl für: maximalen Abrollkomfort, hohe Zuladung und Laden ohne das schwere Fahrzeug.
- 2.800 W Peak
- 1.055 Wh
- 10-Zoll-Reifen
- 31,7 kg
- Akku fest eingebaut
Die Wahl für: maximale Bergleistung, größere Energiereserve und TFT-Navigation.
- 1.600 W Peak
- 960 Wh
- 10-Zoll-Reifen
- rund 25,5 kg
- separate Motorbremse
Die Wahl für: deutlich weniger Gewicht, viel Tourenkomfort und eine separat dosierbare E-Bremse.
Unterm Strich ist der VX4 der Leistungs-Spezialist und der PULSE+ die leichtere, preisbewusstere Tourenalternative. Der Egret GT rechtfertigt seinen Aufpreis vor allem mit den 13-Zoll-Rädern, dem herausnehmbaren Akku, 150 kg Zuladung und dem breiten Serviceangebot.
Stärken und Schwächen im Überblick
Stärken
- Außergewöhnlicher Komfort durch 13-Zoll-Räder und einstellbare Vollfederung.
- Kräftiger, leiser Antrieb mit starken Reserven an steilen Rampen.
- Herausnehmbarer, abschließbarer Akku mit 712 oder 949 Wh.
- Hohe Fahrstabilität und bis zu 150 kg Zuladung.
- Sehr kräftige, gut dosierbare hydraulische Scheibenbremsen.
- Vollständige Licht- und Blinkerausstattung für gute Sichtbarkeit.
- NFC, Apple Find My, PIN-Sperre und teilintegriertes Rahmenschloss.
Schwächen
- 32 bis 33,2 kg Gewicht: für tägliches Treppentragen ungeeignet.
- Hoher Kaufpreis und aufwendiger Erstaufbau des Vorderrads.
- Spiegelndes Display bei direkter Sonne zu dunkel.
- Keine separate Rekuperationsbremse und kein Zero Start.
- Klappern im Bereich von Akku beziehungsweise Trittbrett auf grobem Untergrund.
- Mehrstufige Falt-Arretierung; sperriges Faltmaß trotz klappbarem Lenker.
Fazit: Premium-Komfort für Vielfahrer
Der Egret GT gehört zu den komfortabelsten E-Scootern im Test. 13-Zoll-Reifen, einstellbare Vollfederung und stabile Geometrie sorgen auf Asphalt, Kopfsteinpflaster und Feldwegen für enorme Laufruhe. Zugleich bietet der Motor starke Bergreserven, während die hydraulischen Bremsen zur Marktspitze gehören.
Der technische Aufwand macht den Scooter groß, schwer und teuer; für gelegentliche Kurzstrecken wäre er überdimensioniert. Wer täglich pendelt, hohe Zuladung benötigt oder lange Tagestouren fährt, erhält dagegen ein robustes Komplettpaket mit praktischem Wechselakku und durchdachter Sicherheitsausstattung.
Meine Einordnung: Der GT lohnt sich nicht wegen eines einzelnen Datenblattwerts, sondern wegen seines Gesamtpakets aus Komfort, Reichweitenoptionen, hoher Belastbarkeit und Alltagssicherheit. Sein natürlicher Gegner ist weniger der kompakte City-Scooter als ein kleines alternatives Pendelfahrzeug.
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