Ein E-Bike für rund 1.600 Euro, das mit Gates-Riemen, Drehmomentsensor, hydraulischen Shimano-Bremsen und Wechselakku antritt? Der Crivit X.2 Test beginnt deshalb mit einer Portion Skepsis. Doch schon an der ersten steilen Auffahrt zeigt das urbane LIDL-Bike, dass sein günstiger Preis nicht automatisch günstiges Fahrgefühl bedeutet.
Das Stadtprofil in einem Satz
Das Crivit X.2 fährt sich deutlich hochwertiger, als sein Discounter-Preisschild erwarten lässt. Es belohnt Pendler mit einem natürlichen Antrieb, vollständiger Alltagsausstattung und niedrigem Wartungsaufwand – verlangt dafür aber den Verzicht auf Federung, Gangschaltung, Display und App.
Design: Erst auf den zweiten Blick ein E-Bike
Mattschwarzer Aluminiumrahmen, dezente Logos und ein nahezu unsichtbar integrierter Akku: Das X.2 folgt konsequent dem Stil moderner Urban Bikes. Selbst die Bedientasten verschwinden optisch im Lenkerbereich. Statt eines Displays zeigen farbige LEDs am abgeflachten Oberrohr Akkustand und Unterstützungsstufe an.
Die Kabel bleiben am Lenker kurz sichtbar, verschwinden danach aber sauber im Rahmen. Abgeschliffene Schweißnähte im Blickfeld unterstützen den aufgeräumten Eindruck. Nur der serienmäßige Gepäckträger wirkt optisch etwas pragmatischer. Schutzbleche, Ständer und Gepäckträger sind trotzdem ein starkes Argument: Das Rad kommt nicht als nacktes Designobjekt, sondern bereit für den Arbeitsweg.
Das sportliche X.2 besitzt einen Diamantrahmen in Größe 57 und richtet sich laut Hersteller an Fahrerinnen und Fahrer von etwa 1,70 bis 1,90 Meter. Als Alternative gibt es das cremeweiße Y.2 mit tiefem Einstieg für etwa 1,60 bis 1,90 Meter. Beide Varianten dürfen bis zu 120 Kilogramm tragen und sind nach IPX5 gegen Wasser geschützt.
Antrieb: Der Drehmomentsensor macht den Unterschied
Im Hinterrad arbeitet ein leiser Mivice-Motor mit 250 Watt und 40 Newtonmetern. Diese Zahl klingt nicht außergewöhnlich. Entscheidend ist der Drehmomentsensor: Er erkennt, wie kräftig der Fahrer tritt, und dosiert die Unterstützung passend dazu. Beim Anfahren setzt der Schub ohne störende Verzögerung ein, bei Gegenwind und Steigungen legt das System spürbar nach.
Praxismoment an der Steigung: Auf einer der steilsten Testauffahrten in Hannover bleibt der Fahrer im Sattel und tritt beinahe ohne Kraft, während der Hinterradmotor das Rad weiter nach oben schiebt. Hält man die Plus-Taste gedrückt, liefert der Boost für 20 Sekunden die volle Unterstützung – nützlich beim Anfahren und beim kurzen Überholen.
Eco, Tour und Race unterstützen jeweils bis zur gesetzlichen Grenze, unterscheiden sich aber in der Leistungsabgabe. Im Test liegt das Tempo per GPS leicht oberhalb von 25 km/h, ohne dass sich das Abschalten wie eine harte Wand anfühlt. Der feste Gang passt gut zu diesem Bereich. Ohne Motor ist das Anfahren schwerer, zwischen 20 und 30 km/h lässt sich das leichte Rad jedoch überraschend angenehm pedalieren.
Single Speed und Gates-Riemen: wenig Wartung, klare Grenzen
Passt gut zum Stadtalltag
- sauberer Gates-Carbonriemen
- keine Schaltung, die eingestellt werden muss
- direkte und leise Kraftübertragung
- stimmige Übersetzung bei Reisetempo
Erfordert einen Kompromiss
- schwereres Anfahren ohne Unterstützung
- keine leichten Gänge bei leerem Akku
- hohe Trittfrequenz oberhalb von etwa 32 km/h
- weniger flexibel für sportliche Touren
Für den vorgesehenen Einsatz ist die Kombination überzeugend. Der Riemen bleibt sauber, läuft leise und soll viele Tausend Kilometer ohne klassische Kettenpflege auskommen. Die fehlende Gangschaltung fällt dank des sensiblen Motors im Stadtverkehr kaum auf. Wer häufig ganz ohne Unterstützung fährt oder lange, wechselhafte Strecken plant, sollte die feste Übersetzung vor dem Kauf ausprobieren.
Akku in der Sattelstütze: clever und etwas umständlich
Der 360-Wh-Akku bildet mit Sattel und Sattelstütze eine Einheit. Zum Herausnehmen wird zunächst die Stromverbindung getrennt, anschließend Schloss und Klemmung gelöst. Das benötigt mehr Handgriffe als ein klassischer Rahmenakku. Dafür lässt sich die Energiequelle in Wohnung oder Büro laden, und ein abgestelltes Rad ohne Sattel wirkt auf Diebe weniger attraktiv.
Mit dem 3-Ampere-Ladegerät dauert eine vollständige Ladung etwa dreieinhalb Stunden. Am entnommenen Akku fehlt eine eigene Ladestandsanzeige. Die Herstellerangabe von bis zu 100 Kilometern ist ein Idealwert; unter realistischen Alltagsbedingungen sind abhängig von Fahrergewicht, Fahrstufe, Wetter und Strecke eher 50 bis 60 Kilometer plausibel.
Komfort: Auf Asphalt zu Hause
Der leicht nach hinten geschwungene Lenker ermöglicht eine weniger aggressive Haltung als bei manchem Design-Bike. Seine Höhe lässt sich jedoch nicht verstellen. Bei 1,80 Meter passt die Geometrie, kleinere Fahrer sollten das Y.2 in Betracht ziehen. Sattelhöhe und Sattelposition bieten dagegen einen großen Einstellbereich.
Eine Federgabel oder gefederte Sattelstütze gibt es nicht. Die 27,5 Zoll großen Schwalbe Big Ben mit 50 Millimetern Breite fangen Pflaster, feinen Schotter und kleinere Kanten ordentlich ab. Auf grobem Waldweg erreichen Stöße Lenker und Sattel deutlich. Das X.2 kann solche Passagen fahren, ist aber kein Rad für lange Geländetouren.
Bremsen, Licht und Alltagsschutz
| Motor | Mivice-Hinterradmotor, 250 Watt, 40 Nm |
| Sensor | Drehmomentsensor |
| Akku | 36 Volt, 360 Wh, entnehmbar |
| Ladezeit | etwa 3,5 Stunden |
| Antrieb | Single Speed mit Gates-Carbonriemen |
| Bremsen | Shimano MT200, hydraulisch, 160-mm-Scheiben |
| Licht | 80-Lux-Frontlicht, Rücklicht mit Bremslicht |
| Zuladung | bis 120 kg |
| Wetterschutz | IPX5 |
Bei der Sicherheit setzt Crivit auf bekannte Komponenten. Die hydraulischen Shimano-MT200-Bremsen besitzen einen klaren Druckpunkt, klappern nicht und verzögern auch bergab zuverlässig. Das 80-Lux-Frontlicht von Satellite leuchtet kräftig, das integrierte Büchel-Rücklicht bietet sogar eine Bremslichtfunktion. Reflektorstreifen in den Reifen ersetzen optisch störende Speichenreflektoren.
Eine elektronische Ortung ab Werk fehlt. Im Rahmen befindet sich jedoch ein kleines Versteck für GPS-Tracker oder AirTag. Die mittig montierte SP-Connect-Halterung nimmt ein kompatibles Smartphone auf. Gerade deshalb fällt die fehlende App auf: Geschwindigkeit und detaillierte Fahrdaten müssen über eine Drittanbieter-Lösung angezeigt werden.
Preis-Leistung und heutige Verfügbarkeit
Zum Testzeitpunkt kostete das Crivit X.2 rund 1.600 Euro. Dafür waren Komponenten enthalten, die bei Urban Bikes häufig erst in deutlich höheren Preisregionen auftauchen: Drehmomentsensor, Gates-Riemen, Markenbremsen, Wechselakku und vollständige Straßenausstattung. Das Rad kam zu 95 Prozent vormontiert; im Wesentlichen mussten Pedale und Lenker eingerichtet werden.
Das Modell wird inzwischen nicht dauerhaft bei LIDL geführt. Der damalige Affiliate-Link landet aktuell in der LIDL-Suche und zeigt gegebenenfalls ähnliche Crivit-Räder. Deshalb nennen wir bewusst keinen aktuellen Preis und versprechen keine Verfügbarkeit. Wer das X.2 gebraucht oder als Restbestand findet, sollte Akkuzustand, Rahmengröße und Serviceoptionen besonders prüfen.
Detailaufnahmen aus dem Praxistest
Fazit zum Crivit X.2 Test
Der Crivit X.2 Test zeigt ein ungewöhnlich stimmiges Pendler-Bike. Sein größter Trumpf ist nicht die Liste der Markenkomponenten, sondern das natürliche Zusammenspiel aus Drehmomentsensor und leisem Hinterradmotor. Der Boost hilft an Steigungen, der Gates-Riemen reduziert Pflegeaufwand, und die kräftigen Shimano-Bremsen sowie die gute Beleuchtung machen das Rad alltagstauglich.
Die Grenzen sind ebenso klar: Auf rauen Wegen fehlt Federung, die Sitzposition lässt sich am Lenker kaum anpassen, und ohne Display oder App bleibt das Cockpit sehr reduziert. Für kurze bis mittlere Wege in der Stadt passt genau diese Schlichtheit. Tourenfahrer und Menschen, die viele digitale Funktionen erwarten, finden passendere Alternativen in unserer E-Bike-Bestenliste.
Crivit
Urban E-Bikes von LIDL
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