Ein wartungsarmer Carbonriemen, eine automatische Zweigangschaltung und eine Federgabel: Im ADO Air 28 Pro Test tritt ein vollwertiges 28-Zoll-E-Bike an, das den entspannten Stadtverkehr mit kleinen Touren verbinden möchte. Das Konzept klingt nach Komfort ohne viel Bedienaufwand. Auf meiner Teststrecke zeigt sich, wo diese Rechnung aufgeht – und an welchen Stellen der günstige Allrounder Kompromisse verlangt.
Das Testprofil
Seine beste Rolle
Komfortabler Allrounder für Arbeitsweg, Stadtverkehr, Einkäufe und gelegentliche Touren.
Seine klare Grenze
Nur zwei automatische Gänge – für sportliche Fahrer und lange Steigungen zu wenig variabel.
Aufbau: mehr Eigenleistung als bei vielen Versender-Bikes
Das Testbike kam per Spedition unbeschädigt an, war im Karton allerdings mit ausgesprochen vielen Kabelbindern gesichert. Neben dem Auspacken müssen Käufer den Seitenständer und den Frontscheinwerfer montieren, das Vorderrad in die Gabel einsetzen, die Pedale anschrauben und den Lenker ausrichten. Werkzeug, bebilderte Anleitung, Schnellstartanleitung und eine kurze Einführung in die App liegen bei.
Auspacken
Schutzmaterial und zahlreiche Kabelbinder sorgfältig entfernen, ohne Leitungen oder Lack zu beschädigen.
Montieren
Vorderrad, Licht, Ständer und Pedale einsetzen; bei der Bremsscheibe besonders sauber arbeiten.
Kontrollieren
Lenker, Verschraubungen, Bremsen und Luftdruck prüfen, Akku laden – erst dann startet die Probefahrt.
Für den Aufbau brauchte ich ungefähr eine Stunde und damit länger als bei manchen Wettbewerbern. Zu zweit geht er leichter von der Hand. Wer bisher noch kein Vorderrad mit Scheibenbremse eingesetzt hat, sollte sich Zeit nehmen oder fachkundige Hilfe nutzen. Der günstige Direktvertriebspreis wird hier ein Stück weit mit eigener Arbeit bezahlt.
Design und Verarbeitung: clean, praktisch und solide
Nach der Montage hinterließ das ADO bei mir einen deutlich besseren Eindruck. Der Tiefeinsteiger wirkt modern und aufgeräumt, die sichtbaren Schweißnähte sind weitgehend geglättet. Carbonriemen und im Rahmen verschwindende Leitungen unterstützen die reduzierte Optik. Lenkergriffe, Sattel und Aluminium-Schutzbleche machen einen wertigen Eindruck; die elektrischen Komponenten sind laut Hersteller gut gegen Wasser geschützt.
Praktisch im Alltag
Der ab Werk montierte Gepäckträger nimmt Fahrradtaschen auf. Eine Öffnung im unteren Rahmen erleichtert das Anheben und bietet zugleich einen sinnvollen Punkt, um ein Schloss hindurchzuführen.
Optische Schwächen
Ohne Frontkorb fallen die groben Zubehörgewinde am Steuerrohr auf. Auch das gebündelte Kabelpaket vor dem Lenker passt nicht ganz zum ansonsten sehr sauberen Auftritt.
Mit einer maximalen Zuladung von 120 Kilogramm deckt das Rad typische Pendel- und Einkaufsfahrten gut ab. Das Gewicht des Testbikes lag bei rund 21 Kilogramm. Das ist für ein ausgestattetes 28-Zoll-Pedelec akzeptabel, macht häufiges Tragen über Treppen aber mühsam.
Bafang-Motor und Drehmomentsensor im Fahrtest
Im Hinterrad sitzt ein Bafang-Nabenmotor mit 250 Watt Nennleistung, bis zu 350 Watt in der Spitze und 40 Newtonmetern Drehmoment. Entscheidend ist weniger die Zahl als die Ansteuerung: Ein Drehmomentsensor im Tretlager misst den Pedaldruck und passt die Hilfe an die eigene Leistung an. Der Motor setzt fast verzögerungsfrei ein, schiebt an Steigungen kräftiger und nimmt sich zurück, sobald weniger Unterstützung gebraucht wird.
In den höheren der drei Unterstützungsstufen wirkt der Antrieb im Stadtverkehr lebendig, ohne unkontrolliert zu schieben. Der Heckmotor besitzt einen Freilauf und bremst das Rad ohne Unterstützung kaum aus. Mit ausgeschaltetem System lässt sich das Air 28 Pro auf flacher Strecke bewegen, doch beim Anfahren und an Steigungen sind die 21 Kilogramm deutlich spürbar.
Automatikschaltung und Carbonriemen: zwei Gänge, wenig Pflege
Die mechanische Zweigang-Automatik ist in die Hinterradnabe integriert. Unterhalb von ungefähr 20 km/h nutzt sie die kürzere Übersetzung, darüber wechselt sie selbstständig in den zweiten Gang. Das erleichtert das Anfahren und reduziert auf schnellen Abschnitten die Trittfrequenz. Weil der Gangwechsel mechanisch arbeitet, funktioniert er auch bei ausgeschaltetem E-System.
Was die Automatik kann – und was nicht
Die zwei Übersetzungen beseitigen die größten Nachteile eines Singlespeed-Antriebs: schweres Anfahren und hektisches Treten bei höherem Tempo. Schaltzeitpunkt und Gang lassen sich aber nicht manuell wählen. An einer sehr steilen Passage hilft es, den Pedaldruck kurz zu reduzieren, damit die Automatik sauber zurückschaltet.
Der Carbonriemen passt gut zu diesem Konzept. Er läuft leise, benötigt kein Kettenöl und verschmutzt weder Hose noch Gepäck. Ein Mountainbike macht die Zweiganglösung aus dem ADO nicht. Für Ampelstarts, Brücken und normale Stadtsteigungen bietet sie jedoch mehr Reserven als ein starrer Gang – ohne den Wartungsaufwand einer klassischen Kettenschaltung.
Fahrkomfort: 28 Zoll und Federgabel machen den Unterschied
Großvolumige 28-Zoll-Reifen, eine einstellbare und sperrbare Federgabel sowie ergonomische Griffe geben dem Air 28 Pro einen spürbaren Komfortvorteil gegenüber puristischen Urban Bikes. Auf grobem Schotter, über Pfützen und auf schlechten Straßen bleibt das Vorderrad kontrolliert; gröbere Unebenheiten werden ordentlich aus den Händen gefiltert.
Der nach hinten geschwungene Lenker und der verstellbare Vorbau ermöglichen eine eher aufrechte, entspannte Haltung. ADO empfiehlt den Rahmen für Fahrerinnen und Fahrer von etwa 1,60 bis 2,10 Meter. Diese breite Angabe ersetzt keine Probefahrt, zeigt aber die große Verstellspanne. Weniger überzeugend war der Sattel: Für längere Strecken dürfte er gern weicher und besser stützend sein. Ein Austausch ist unkompliziert.
Akku, Display und App: gute Basis mit kleinen Reibungspunkten
Der 36-Volt-Akku steckt im massiven Sattelrohr und lässt sich zum Laden entnehmen. Dazu wird zunächst die Stromverbindung getrennt und anschließend die abschließbare Sicherung geöffnet. Wer den Akku mitnimmt, nimmt zugleich den Sattel mit – das macht ein abgestelltes Rad für Gelegenheitsdiebe weniger attraktiv. Alternativ kann der Akku direkt im Fahrrad geladen werden.
- Ladezeit im Test: etwa fünf bis sechs Stunden mit dem 2-Ampere-Netzteil
- Herstellerangabe: bis zu 100 Kilometer Reichweite unter günstigen Bedingungen
- Praxisfaktoren: Unterstützungsstufe, Fahrergewicht, Temperatur, Wind und Streckenprofil
- Zusatznutzen: USB-C-Anschluss zum Laden eines Smartphones
Das zentrale TFT-Farbdisplay zeigt Geschwindigkeit, Tages- und Gesamtkilometer, Durchschnittstempo, Lichtstatus und den Akkustand. Letzterer erscheint leider nicht als Prozentwert. Bei Sonne bleibt die Anzeige brauchbar, spiegelt aber etwas. Wird das Licht eingeschaltet, dimmt sich das Display automatisch – nachts sinnvoll, bei einer Tagfahrt mit Licht weniger ideal.
Die ADO-App verbindet sich per Bluetooth und bringt Einstellungen sowie eine Navigation mit Abbiegehinweisen auf das Fahrraddisplay. In meinem damaligen Test sprach die Navigation nur Englisch und war noch nicht so zuverlässig wie etablierte Smartphone-Lösungen. Die Idee, das Telefon während der Fahrt in der Tasche zu lassen, ist dennoch überzeugend.
Bremsen und Beleuchtung: sicher, aber nicht perfekt abgestimmt
Zwei hydraulische Scheibenbremsen mit 160-Millimeter-Scheiben brachten das Rad auch bei Gefälle und feuchter Fahrbahn sicher zum Stehen. Der Druckpunkt einer Bremse war ab Werk etwas schwammig. Wahrscheinlich hätte ein fachgerechtes Entlüften Abhilfe geschaffen – ein guter Grund, die Bremsanlage nach dem Selbstaufbau besonders sorgfältig zu kontrollieren.
Der straßentaugliche Doppel-LED-Scheinwerfer wird vom Hauptakku versorgt und leuchtet Nah- und mittleren Fernbereich ordentlich aus. Ein Lichtsensor kann ihn automatisch aktivieren. Das Rücklicht des Testbikes bot zusätzlich eine Blinkerfunktion, die zum Testzeitpunkt in Deutschland noch nicht zugelassen war. Pfiffiges Detail: In der Klingel lässt sich ein Apple AirTag verstecken.
Stärken und Schwächen des ADO Air 28 Pro
Stärken
- natürlich reagierender Drehmomentsensor
- kräftiger Stadtmotor mit Zweigang-Automatik
- leiser und sauberer Carbonriemen
- Federgabel und große Reifen mit gutem Komfort
- Gepäckträger, Schutzbleche und Ständer serienmäßig
- solide Verarbeitung und aufgeräumtes Design
Schwächen
- vergleichsweise aufwendiger Aufbau
- Sattel auf längeren Strecken eher fest
- App-Navigation im Test noch unausgereift
- keine manuelle Wahl der zwei Gänge
- Akkustand nicht als Prozentwert
- Bremsdruckpunkt am Testbike verbesserungswürdig
Für wen eignet sich das ADO Air 28 Pro?
Seine stärkste Rolle findet das ADO als komfortables Pendler- und Alltagsrad. Der tiefe Einstieg, die entspannte Sitzposition und der wartungsarme Antrieb passen zu täglichen Wegen, Einkäufen und mittellangen Touren. Gepäck lässt sich ohne Nachrüstung transportieren, und auf schlechten Straßen bietet das Fahrwerk mehr Reserven als ein minimalistisches Urban Bike.
Weniger passend ist es für Fahrer, die viele lange oder sehr steile Anstiege bewältigen, die Übersetzung jederzeit selbst wählen oder besonders sportlich fahren möchten. Dafür ist die Zweigang-Automatik zu grob abgestuft. Wer dagegen möglichst wenig schalten, putzen und warten möchte, erhält eine ungewöhnlich stimmige Kombination.
Hinweis zu Test und Angebot
Dieser Beitrag beschreibt das im Jahr 2024 gefahrene Testbike. ADO führt das Air 28 Pro weiterhin im deutschen Shop und bietet dort zusätzlich eine Air-28-Ultra-Variante an. Preise, Farben, Lieferumfang und Aktionen können sich kurzfristig ändern; für den Kauf gelten die Angaben auf der verlinkten Produktseite.
Fazit zum ADO Air 28 Pro Test
Das ADO Air 28 Pro verbindet den pflegeleichten Charakter eines Urban Bikes mit dem Komfort eines alltagstauglichen Tourenrads. Der Bafang-Heckmotor reagiert dank Drehmomentsensor angenehm direkt, die Zweigang-Automatik entschärft Anfahren und höheres Tempo, und der Carbonriemen hält den Antrieb leise und sauber. Federgabel, große Reifen, Gepäckträger und hydraulische Bremsen machen daraus ein vielseitiges Gesamtpaket.
Perfekt ist es nicht: Der Aufbau verlangt Geduld, der Sattel dürfte bequemer sein, und App sowie Bremsabstimmung boten beim Testbike Luft nach oben. Diese Punkte ändern wenig an der klaren Einordnung. Wer ein unkompliziertes E-Bike für Stadt, Arbeitsweg und gelegentliche Tour sucht und auf viele manuelle Gänge verzichten kann, findet im Air 28 Pro einen fair kalkulierten Allrounder.
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