LEMMO One Test: Modulares E-Bike mit abnehmbarem Smartpac

Das LEMMO One stellt eine ungewöhnlich einfache Frage: Muss ein E-Bike immer ein E-Bike bleiben? Ohne Smartpac ist es ein rund 15 Kilogramm leichtes Citybike, mit wenigen Handgriffen wird daraus ein vernetztes Pedelec mit großem Akku, GPS-Ortung und elektronischem Schloss. Im LEMMO One Test klären wir, wie überzeugend dieses modulare Konzept im Alltag funktioniert.

Ohne Smartpac

Ein leichtes, voll ausgestattetes Citybike mit entkoppeltem Motor, eigener Lichtversorgung und klassischem Fahrgefühl.

Mit Smartpac

Ein 18 Kilogramm leichtes E-Bike mit 541-Wh-Akku, drei Unterstützungsstufen, GPS, LTE und Diebstahlschutz.

Die Idee: Fahrrad und E-Bike in einem

Bei den meisten E-Bikes lassen sich Akku und Display abnehmen, Motor, Verkabelung und zusätzliches Gewicht bleiben jedoch am Rad. LEMMO dreht dieses Prinzip weiter: Akku, Motorsteuerung und Funktechnik stecken gemeinsam im abnehmbaren Smartpac. Gleichzeitig lässt sich der Motor in der Hinterradnabe mechanisch vom Antrieb trennen. So fährt das One bei Bedarf tatsächlich wie ein normales Fahrrad und nicht nur wie ein E-Bike ohne Strom.

Das ist mehr als ein technischer Trick. Für kurze Stadtwege kann das schwere Energiemodul zu Hause bleiben; für Pendelstrecken und Touren wird es in die Führung am Rahmen geschoben. Ist der Akku leer, fährt man ohne den sonst typischen Motorwiderstand weiter. Selbst Beleuchtung und Display funktionieren dank eigener Batterie weiterhin.

Der entscheidende Unterschied: Das LEMMO One lässt nicht bloß den Akku herausnehmen. Es trennt auf Wunsch auch den Motor vom Antrieb – und wird damit glaubwürdig zum klassischen Fahrrad.

Design und Verarbeitung: bemerkenswert aufgeräumt

Der Aluminiumrahmen mit leicht abfallendem Oberrohr wirkt ausgesprochen sauber. Seine matte, leicht raue Pulverbeschichtung setzt sich angenehm von vielen glänzenden Urban Bikes ab. Sichtbare Schweißnähte sucht man vergeblich; auch außerhalb der direkten Blickachsen wirkt die Verarbeitung ordentlich. Zur Auswahl standen die helle Farbe LEMMO Sand und ein zeitloses Grau.

Das Cockpit folgt derselben Linie. Bremsleitungen und Kabel verschwinden direkt unter dem Vorbau im Rahmen, während das kleine Display bündig in die Gestaltung integriert ist. Nichts klappert, nichts wirkt nachträglich angebaut. Zwei Rahmengrößen und eine Tiefeinsteiger-Variante erweitern die Auswahl, der nicht verstellbare Vorbau macht eine Probefahrt dennoch empfehlenswert.

Schon ab Werk alltagstauglich: Ständer, Schutzbleche, eine unauffällige Gepäckträgeraufnahme sowie Montagepunkte für Schloss und Flaschenhalter sind vorhanden. Die integrierte Beleuchtung entspricht der StVZO; das Frontlicht lässt sich sogar als Taschenlampe entnehmen.

Beim Antrieb gab es zwei unterschiedliche Charaktere: eine wartungsarme Riemenvariante für den reduzierten Stadtbetrieb und die von uns getestete Shimano-Deore-Kettenschaltung mit zehn Gängen. Letztere erweitert den Einsatzbereich deutlich, weil Steigungen und längere Strecken mit einer passenden Trittfrequenz gefahren werden können.

Smartpac: Akku, Powerbank und Bordcomputer

Das Smartpac ist der Mittelpunkt des gesamten Konzepts. Es enthält einen Akku mit 541 Wattstunden und wird über eine farblich markierte Führungsschiene mit dem Fahrrad verbunden. Einsetzen und Entriegeln gelingen schnell, das Modul fügt sich mit seiner Stoffabdeckung überraschend harmonisch in den Rahmen ein. Die Cover waren in mehreren Farben erhältlich, dürften im Alltag allerdings etwas mehr Pflege benötigen als eine glatte Kunststoffoberfläche.

Über USB-A und USB-C dient das Paket außerdem als große Powerbank. Selbst ein Notebook lässt sich unterwegs mit bis zu 65 Watt laden. Das ist kein zwingend notwendiges Fahrrad-Feature, passt aber sinnvoll zu einem Energiespeicher, der ohnehin leicht abgenommen und mitgenommen werden kann. Das mitgelieferte 4-Ampere-Ladegerät benötigt rund dreieinhalb Stunden für eine vollständige Ladung.

541 Wh

Kapazität für lange Pendelstrecken und ausgedehnte Stadtrunden.

3 kg

Gewicht des abnehmbaren Smartpacs inklusive Steuerung und Konnektivität.

3,5 h

Ladezeit mit dem im Test verwendeten 4-Ampere-Ladegerät.

Der damalige Verkaufspreis und angebotene Abo-Modelle gehören zum Stand des Tests und können sich inzwischen geändert haben. Wichtiger ist die grundsätzliche Freiheit: Das One konnte als reines Fahrrad gekauft und später mit dem Smartpac zum E-Bike erweitert werden.

Fahrgefühl: agil zwischen Citybike und Pendler

Die leicht nach hinten geschwungene Lenkerform erzeugt eine etwas aufrechtere Haltung als bei sehr sportlichen Urban Bikes. Ergonomische Griffe liegen gut in der Hand, die insgesamt direkte Geometrie bleibt dennoch agil. Mit Smartpac wiegt das LEMMO ungefähr 18 Kilogramm, ohne das Modul rund 15 Kilogramm. Treppen, Bahnsteige und Fahrradkeller verlieren damit viel von ihrem Schrecken.

Auf Asphalt und festem Schotter überzeugen die profilierten 27,5- beziehungsweise 29-Zoll-Reifen mit gutem Lauf und sicherer Führung. Kopfsteinpflaster zeigt dagegen schnell die Komfortgrenze: Eine Federgabel fehlt. LEMMO bot als Ausgleich eine gefederte Sattelstütze an, doch das Grundkonzept bleibt klar auf ordentliche Straßen und eine eher direkte Rückmeldung ausgelegt.

Leicht und direkt statt weich gefedert: Das One fühlt sich wie ein agiles Fahrrad an – solange der Untergrund zum Konzept passt.

Die Deore-Schaltung arbeitete bereits direkt nach dem Aufbau sauber und präzise. Zehn Gänge machen das Rad außerhalb ebener Innenstädte vielseitiger und helfen auch dann, wenn ohne Motorunterstützung gefahren wird. Die hydraulische Vierkolben-Bremsanlage stammt zwar von einem weniger bekannten Hersteller, überzeugte im Test aber mit kräftiger, gut kontrollierbarer Verzögerung.

Motor und Reichweite: kräftig, aber nicht ganz spontan

Der Hinterradmotor liefert 40 Newtonmeter Drehmoment und arbeitet leise genug, um zum unauffälligen Auftritt des One zu passen. Drei Unterstützungsstufen werden über einen kleinen Taster am Lenker gewählt. Ein langer Tastendruck aktiviert den Turbo: Das Rad beschleunigt dann zügig bis zur zulässigen Unterstützungsschwelle. An Steigungen oder beim kurzen Überholen ist das ausgesprochen praktisch.

Positiv fällt der weiche Übergang bei 25 km/h auf. Die Unterstützung verschwindet nicht abrupt, sondern wird sanft zurückgenommen. Beim Anfahren ist der Motor dagegen etwas zögerlich: Etwa eine halbe bis ganze Pedalumdrehung vergeht, bis die Unterstützung vollständig einsetzt. In Stufe drei schiebt der Antrieb anschließend umso kräftiger – angenehm für Pendler, die ohne große Anstrengung ans Ziel kommen möchten.

LEMMO nannte je nach Unterstützungsstufe eine Reichweite von 60 bis 100 Kilometern. Wie bei jedem E-Bike hängt der reale Wert unter anderem von Fahrergewicht, Temperatur, Strecke, Reifendruck und gewählter Stufe ab. Geht der Strom aus, bleibt das One dank zehn Gängen, überschaubarem Gewicht und entkoppelbarem Motor gut fahrbar. Im Test lief es sogar mit eingekoppeltem Motor noch erfreulich leicht.

App und Diebstahlschutz: sinnvoll statt verspielt

LTE, GPS und Bluetooth sitzen ebenfalls im Smartpac. Über die LEMMO-App lässt sich das Fahrrad orten, ein Signalton auslösen und der aktuelle Status prüfen. Fahrdaten und Software-Updates sind ebenfalls zugänglich. Die App war zum Testzeitpunkt funktional, aber noch nicht vollständig ausgereift: Eine ausführliche Fahrtenhistorie, Geofencing und Navigation waren angekündigt, jedoch noch nicht fertig.

Besonders überzeugend ist die Verbindung aus digitaler und mechanischer Sicherung. Wird das elektronische Schloss aktiviert, fährt ein Bolzen aus und blockiert das Hinterrad. Gleichzeitig wird das Smartpac verriegelt und eine Alarmanlage scharfgeschaltet. Bei Bewegung ertönt ein mehr als 100 Dezibel lautes Warnsignal; die GPS-Ortung bleibt als weitere Ebene erhalten.

Software-Hinweis: Die Einschätzung beschreibt den Stand der im Video getesteten Modellgeneration. App-Funktionen können durch spätere Updates ergänzt oder verändert worden sein. Vor dem Kauf lohnt sich deshalb ein Blick auf den aktuellen Funktionsumfang.

Weniger gelungen ist die elektronische Klingel. Ihr Klang wurde von Passanten nicht zuverlässig als Fahrradwarnung erkannt. Am Lenker ist zum Glück genug Platz für eine kleine klassische Klingel – im Straßenverkehr die deutlich verständlichere Lösung.

Stärken und Schwächen des LEMMO One

Stärken

  • echtes Fahrrad-und-E-Bike-Konzept
  • geringes Gewicht und entkoppelbarer Motor
  • großer, schnell abnehmbarer 541-Wh-Akku
  • saubere Verarbeitung und vollständige Ausstattung
  • kräftige Bremsen und präzise Deore-Schaltung
  • GPS, Alarm und mechanische Hinterradsperre

Schwächen

  • keine Federung für schlechte Straßen
  • Motor reagiert beim Anfahren leicht verzögert
  • App war im Test noch nicht vollständig
  • elektronische Klingel kaum als solche erkennbar
  • Stoffcover des Smartpacs potenziell pflegeintensiv

Für wen eignet sich das modulare E-Bike?

Das LEMMO One passt besonders gut zu Pendlern, die nicht jeden Weg mit Motorunterstützung fahren und ihr Rad regelmäßig tragen oder in öffentlichen Verkehrsmitteln mitnehmen. Auch Fahrer mit wechselnden Distanzen profitieren: kurze Wege als leichtes Fahrrad, längere Strecken mit großem Akku und kräftigem Schub.

Weniger passend ist es für sehr schlechte Wege oder Menschen, die maximalen Komfort suchen. Ohne Federgabel bleibt das Fahrgefühl direkt. Wer eine besonders sportliche, sofort reagierende Motorsteuerung erwartet, sollte zudem die leichte Verzögerung beim Anfahren bei einer Probefahrt selbst beurteilen.

Detailaufnahmen aus dem Praxistest

LEMMO One E-Bike und HENNTECH-Redakteur vor der Verpackung
Das LEMMO One wird im großen Fahrradkarton geliefert und benötigt nur wenige Montageschritte.

Fazit zum LEMMO One Test

Das LEMMO One ist nicht einfach ein günstigerer Gegenentwurf zu Cowboy oder VanMoof. Sein modularer Aufbau gibt ihm eine eigene Identität: Akku, Konnektivität und Steuerung wandern gemeinsam aus dem Fahrrad, während sich auch der Motor mechanisch entkoppeln lässt. Dadurch funktioniert das Versprechen vom leichten Citybike und vollwertigen E-Bike erstaunlich überzeugend.

Im Test gefallen außerdem die saubere Verarbeitung, der leise Motor, die präzise Kettenschaltung, kräftige Bremsen und der mehrstufige Diebstahlschutz. Die fehlende Federung, die etwas träge Motorreaktion und die damals unfertige App verhindern den makellosen Auftritt. Trotzdem bleibt das One eines der eigenständigsten Urban E-Bikes seiner Generation – und für flexible Pendler ein bemerkenswert stimmiges Gesamtpaket.

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