Trittbrett Fritz 2.0 Test: 1.620 Watt und Vollfederung

Der Trittbrett Fritz 2.0 Test beginnt dort, wo Datenblätter wenig helfen: auf einer steilen, ausgewaschenen Auffahrt. 500 Watt Dauerleistung klingen gesetzeskonform unspektakulär, 1.620 Watt Spitze dagegen nach Kampfansage. Doch der Fritz 2.0 ist mehr als ein Motor-Update. Sein sehr weiches Fahrwerk, der große Akku und die serienmäßigen Blinker machen ihn zu einem Tourer, der schlechte Wege ebenso ernst nimmt wie starke Steigungen.

Trittbrett Fritz 2.0 im Test in vollständiger Seitenansicht am See
Der Trittbrett Fritz 2.0 kombiniert ein langes Trittbrett mit Vollfederung und kräftigem Hinterradmotor.

Kurzurteil nach dem ersten Kilometer

Der Fritz 2.0 fährt komfortabler, als seine sportlichen Leistungswerte vermuten lassen. Er zieht kräftig, bleibt aber kontrollierbar und bietet viel Platz. Sein weiches Fahrwerk erzeugt allerdings Bewegung im Lenker und auf rauem Untergrund eine hörbare Geräuschkulisse. Wer täglich Treppen steigt, wird zudem mit den 26 Kilogramm weniger glücklich.

Der erste Kilometer: weich, direkt und erstaunlich handlich

Mit 26 Kilogramm ist der Fritz 2.0 kein Leichtgewicht, wirkt beim Fahren aber weder behäbig noch überdimensioniert. Der breite Lenker vermittelt Kontrolle, das Trittbrett bietet auch mit Schuhgröße 45 ausreichend Platz und ein Fuß kann entspannt auf dem hinteren Bereich stehen. Bei 1,80 Meter Körpergröße fühlt sich die Geometrie im Test stimmig an.

Gasannahme und elektronische Bremse reagieren dank Hobbywing-Controller unmittelbar. Das macht Richtungswechsel und kurze Beschleunigungsmanöver angenehm präzise. Die weich abgestimmte Vorderradfederung überträgt jedoch leichte Schwingungen in den Lenker. Genau hier zeigt sich der Charakter des Scooters: Der Fritz will Unebenheiten schlucken, nicht maximal straff durch Kurven zirkeln.

Der Fritz 2.0 ist kein Sportgerät mit Federung – er ist ein komfortabler Tourer mit überraschend viel Punch.

Komfort gegen Geräuschkulisse

Über dem Hinterrad arbeitet ein doppeltes Federelement, vorn eine einzelne, ebenfalls sehr weich abgestimmte Einheit. Dazu kommen breite CST-Reifen im Format 10 × 2,7 Zoll mit Straßenprofil und Pannenschutz. Mit rund 13 bis 14 Zentimetern Bodenfreiheit bleibt genügend Reserve für Kanten, Waldwege und groben Schotter.

Hinterradfederung und Blinker des Trittbrett Fritz 2.0
Doppelte Federbeine und seitlicher Blinker prägen das Heck des Fritz 2.0.

Das gewinnt der Fahrer

  • sehr geschmeidiges Abrollen
  • viel Ruhe auf Schotter und schlechten Radwegen
  • breite, leise laufende Reifen
  • guter Stand und hohe Kontrolle

Damit muss man leben

  • Federelemente nicht auf das Fahrergewicht einstellbar
  • spürbare Bewegung in der Lenkung
  • hörbares Arbeiten des Fahrwerks
  • kurze Schutzbleche halten Schmutz schlecht von der Federung fern

Auf Asphalt rollen die Reifen beinahe geräuschlos. Auf Waldweg und Schotter arbeitet das Fahrwerk sichtbar und hält viele Schläge vom Fahrer fern. Gleichzeitig entsteht eine deutlich wahrnehmbare Geräuschkulisse. Beim Testfahrzeug handelte es sich um einen bereits stark beanspruchten Prototypen; die Serienversion kann deshalb ruhiger ausfallen. Das konstruktive Grundthema der sehr weichen Abstimmung bleibt dennoch.

Das Power-Update im Faktencheck

Motor500 Watt Dauerleistung, bis 1.620 Watt Spitze
Akku48 Volt, 18 Ah beziehungsweise 864 Wh beim Testmodell
Ladezeitrund 330 Minuten mit 3-Ampere-Ladegerät
Gewicht26 kg
Zuladungbis 140 kg
Reifen10 × 2,7 Zoll, CST, Straßenprofil
BremsenTrommelbremsen plus elektronische Motorbremse
WetterschutzIP65

Der neue Hinterradmotor bleibt leise und wird per Daumengas angesteuert. Den Turbo-Modus kann man am Lenker oder in der App aktivieren. Dort lässt sich auch Zero Start freischalten, sodass der Scooter ohne vorheriges Ankicken beschleunigt. Für Einsteiger bleibt die erste Fahrstufe die entspanntere Wahl; im Turbo-Modus sollte das Gewicht beim Anfahren bewusst nach vorn verlagert werden.

Per GPS erreicht der Fritz 2.0 im Test rund 22 bis 23 km/h und nutzt die gesetzliche Toleranz damit großzügig aus. Wichtiger als die Endgeschwindigkeit ist der direkte Durchzug: Zwischen Gasbefehl und Beschleunigung liegt kaum spürbare Verzögerung.

Bergduell: Fritz 2.0 gegen VMAX VX4

Auf der rund 15 Prozent steilen Parkhausrampe fährt der Fritz mit einem 85 Kilogramm schweren Tester konstant etwa 11 bis 14 km/h. Auch das Anfahren aus dem Stand gelingt ohne Mühe. Die schwierigere Prüfung folgt auf einer bis zu 25 Prozent steilen Auffahrt mit losem, unebenem Untergrund. Dort hält der Scooter meist rund 12 km/h und zieht ohne Abbruch bis zur Kuppe.

Der entscheidende Testmoment: Unter gleichen Bedingungen benötigt der Fritz 2.0 minimal weniger Zeit für die Steigung als der damalige VMAX VX4. Der Vorsprung ist klein, ließ sich aber reproduzieren. Damit gewinnt der Fritz das Duell – nicht spektakulär, sondern messbar knapp.

Motorleistung bleibt trotzdem nur ein Teil des Gesamtbilds. Schwere Fahrer und Menschen in bergigen Regionen profitieren von den Reserven besonders. Auf flachen Stadtstrecken wird die Kombination aus Komfort, Akku und gut kontrollierbarer Leistung wichtiger sein als die Frage nach dem stärksten Single-Motor.

Cockpit, App und Blinker im Alltag

Das mittig integrierte Display bleibt eine Schwachstelle. Es ist kompakt, spiegelt bei heller Umgebung und zeigt den Akkustand nicht als Prozentwert. Die neuen Hartplastiktasten besitzen einen klareren Druckpunkt als beim Vorgänger, können auf schlechtem Untergrund aber klappern. Die lamellenartig strukturierten Griffe liegen angenehm in der Hand.

Display und Cockpit des Trittbrett Fritz 2.0
Das integrierte Display zeigt Geschwindigkeit, Akkustand und Kilometerstand direkt im Lenker.

Serienmäßig sitzen Blinker an den Lenkerenden und am Heck. Die Komponenten stammen nun von Satellite statt Kellermann und wirken weniger filigran, helfen Trittbrett aber bei einem niedrigeren Paketpreis. Im Fahrbetrieb liegen Gas und Blinkertaste etwas zu nah beieinander: Mehrfach wird der Blinker versehentlich aktiviert, außerdem muss der Daumen zum Blinken vom Gas.

Die App erlaubt Turbo-Modus, Zero Start, Software-Updates und einen anpassbaren Startbildschirm. Die Wegfahrsperre funktioniert allerdings nur per App. Ein Zündschloss oder eine NFC-Karte wäre im Alltag schneller und unabhängiger vom Smartphone.

Bremsen und Beleuchtung: solide statt spektakulär

Vorn und hinten verzögern wartungsarme Trommelbremsen. Hinzu kommt eine kräftige, fein dosierbare elektronische Bremse mit eigenem Hebel links am Lenker. Sie eignet sich gut zum kontrollierten Ausrollen und gewinnt durch Rekuperation einen Teil der Energie zurück. Im Einzeltest der Bremsen fällt ein leichtes Knarzen auf; die gemessene Verzögerung ordnet sich insgesamt im guten Mittelfeld ein.

Der verstellbare Frontscheinwerfer liefert 20 Lux, hinten gibt es ein Rücklicht mit Bremslichtfunktion. Für normale Stadt- und Tourenfahrten reicht das aus. Angesichts des kräftigen Motors hätte das Lichtpaket dennoch ebenfalls ein Update vertragen.

Trittbrett Fritz 2.0 mit eingeschaltetem Blinker und Rücklicht
Die serienmäßigen Blinker verbessern die Sichtbarkeit, die Beleuchtung bleibt im Test solide.

Transport: Der breite Lenker setzt die Grenze

Der zweistufige Klappmechanismus arbeitet zuverlässig. Ein verbesserter Haken mit Sicherheitslasche verhindert, dass sich der gefaltete Scooter unbeabsichtigt öffnet. Kompakt wird der Fritz 2.0 dadurch aber nicht: Der Lenker lässt sich nicht einklappen, und 26 Kilogramm bleiben auf Treppen deutlich spürbar.

Für Garage, ebenerdigen Keller oder Kofferraum ist das unproblematisch. Wer täglich in die Bahn umsteigt oder mehrere Stockwerke überwinden muss, findet in unserer E-Scooter-Bestenliste handlichere Alternativen. Einen leichteren Trittbrett-Ansatz zeigt außerdem der Trittbrett Sultan+ Test.

Fazit zum Trittbrett Fritz 2.0 Test

Der Trittbrett Fritz 2.0 Test endet mit einer klaren Empfehlung für Tourenfahrer, schwere Fahrer und Menschen mit anspruchsvollen Steigungen im Alltag. Der Hinterradmotor liefert nicht nur auf dem Papier: Er beschleunigt direkt, hält an starken Steigungen Tempo und schlägt den damaligen VMAX VX4 im direkten Bergvergleich knapp. Gleichzeitig bleibt der Scooter in der ersten Fahrstufe gut beherrschbar.

Sein größter Vorteil ist trotzdem das Gesamtpaket aus Motor, großem Akku und butterweichem Fahrwerk. Schwächen zeigt er beim spiegelnden Display, den kurzen Schutzblechen, der Geräuschkulisse und beim Transport. Wer den Scooter selten trägt und Komfort höher gewichtet als maximale Kompaktheit, bekommt einen kraftvollen Allrounder mit überzeugendem Preis-Leistungs-Verhältnis.

Werbung – Affiliate-Links: Wenn du über einen der folgenden Angebotslinks einkaufst, kann HennTech eine Provision erhalten. Für dich ändert sich der Preis nicht. Redaktionelle Auswahl und Einordnung bleiben davon unabhängig.

Logo Trittbrett
10 EUR sparen

Trittbrett

Reparierbar gebaut, Ersatzteile über Jahre

Kommentar hinzufügen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

Avatar-Foto

Henne

Ich bin Henne und bei HennTech dreht sich alles um E-Scooter, E-Bikes und das passende Zubehör. Ich probiere aus, wie sich die Fahrzeuge im Alltag schlagen und ob sie wirklich halten, was die Hersteller versprechen. Kommt mit!