STEEREON C20 & C25 Test: Hybrid für Sitz und Stand

Ein Fahrzeug, zwei völlig unterschiedliche Arten zu fahren: Im STEEREON C20 & C25 Test tritt der Kölner E-Scooter-Hybrid einmal stehend und einmal mit Sitz an. Beide Versionen verbinden große Luftreifen, einen kräftigen 500-Watt-Motor und ein ungewöhnlich fahrradähnliches Fahrgefühl. Doch C20 und C25 unterscheiden sich nicht nur beim Sattel – ihre Zulassung bestimmt Tempo, Verkehrsflächen und Helmpflicht.

C20 oder C25: Stehen gegen Sitzen

STEEREON C20

20 km/h · stehend

Der C20 wird ohne Sattel als Elektrokleinstfahrzeug gefahren. Der Fahrer steht auf seitlichen Fußrasten. Radwege sind erlaubt, ein Führerschein ist nicht erforderlich und es besteht keine allgemeine Helmpflicht.

STEEREON C25

25 km/h · sitzend

Der C25 besitzt einen Sattel und wird rechtlich als Mofa behandelt. Versicherungskennzeichen, geeignete Fahrerlaubnis und Helm gehören dazu. Innerorts wird grundsätzlich auf der Straße gefahren.

Wichtig zur Einordnung: Der Test zeigt die erste C20/C25-Generation aus dem Jahr 2021 mit 16-Zoll-Vorderrad und 12,5-Zoll-Hinterrad. Spätere C-Modelle erhielten größere Räder, andere Akkuoptionen und zusätzliche Geschwindigkeitsklassen. Aktuelle Daten dürfen deshalb nicht ungeprüft auf dieses Testfahrzeug übertragen werden.

Warum der C-Hybrid kaum in eine Schublade passt

Optisch erinnert die C-Serie an ein kleines Fahrrad ohne Pedale. Das große Vorderrad, der lange Rahmen und der optionale Sitz schaffen mehr Abstand zum klassischen E-Scooter als das Daumengas zunächst vermuten lässt. Gleichzeitig lässt sich das Fahrzeug so kompakt zusammenlegen, dass es laut Test sogar in den Kofferraum eines Smart passt.

Der zentrale Gedanke lautet deshalb nicht „noch ein Scooter“, sondern Mikromobilität mit mehr Ruhe und Komfort. Das zulässige Gesamtgewicht beträgt bei der getesteten Generation 130 Kilogramm. Rahmen und Komponenten werden in Köln von Hand montiert; viele Bauteile stammen aus dem E-Bike-Bereich.

C-Serie statt Allradlenkung: leichter zugänglich

Mit der sportlichen S-Serie wurde STEEREON durch eine patentierte Allradlenkung bekannt. Vorder- und Hinterrad lenken dabei mit, was enorme Wendigkeit ermöglicht, aber eine aktive Körperarbeit und Eingewöhnung verlangt. Bei C20 und C25 verzichtet der Hersteller bewusst auf diese Technik.

Das klingt zunächst nach einem Verlust, macht die C-Serie aber für deutlich mehr Menschen interessant. Sie lenkt so intuitiv wie ein Fahrrad, fühlt sich vom ersten Meter vertraut an und bleibt dennoch agil. Wer keine Lernkurve möchte oder körperlich nicht stark mitlenken kann, erhält den einfacheren Zugang zum STEEREON-Konzept.

Die C-Serie tauscht spektakuläre Allradlenkung gegen sofortiges Vertrauen – und verliert dabei erstaunlich wenig von ihrem sportlichen Charakter.

500-Watt-Motor mit kräftigem Antritt

500 Watt
Getriebemotor im Vorderrad
65 Nm
angegebenes Drehmoment
12–13 %
Anfahren am Testberg

Der Getriebemotor sitzt im 16-Zoll-Vorderrad und bringt beide Varianten zügig auf ihre jeweilige Höchstgeschwindigkeit. 65 Newtonmeter sind für ein so kompaktes Fahrzeug eine Ansage. Entsprechend spontan reagiert der Hybrid auf den Daumenschalter.

Besonders überzeugend ist der Steigungstest. Selbst an einem 12 bis 13 Prozent steilen Abschnitt fährt das Testfahrzeug ohne Anlauf an und zieht kontrolliert nach oben. Das präsente Getriebegeräusch bleibt allerdings jederzeit hörbar. Leise Fortbewegung gehört nicht zu den Stärken dieser Motorabstimmung.

Akku und Reichweite der 2021er-Modelle

Der abschließbare Lithium-Ionen-Akku lässt sich zum Laden aus dem Rahmen ziehen oder direkt im Fahrzeug anschließen. Offizielle STEEREON-Unterlagen zum 2021er C25 nennen 48 Volt, 556 Wattstunden und eine Reichweite von bis zu 40 Kilometern. Eine vollständige Ladung dauert ungefähr vier Stunden.

Redaktionelle Klarstellung: Der automatische YouTube-Untertitel gibt die Akkuzahl undeutlich und falsch wieder. Für diesen Beitrag verwenden wir deshalb die offizielle Spezifikation des 2021er C25: 556 Wh und maximal 40 Kilometer. Der 655-Wh-Range-Extender ist laut Hersteller nicht mit C20/C25 bis Baujahr 2022 kompatibel.

Im Test fällt auf, dass die Kontakte bei entnommenem Akku offenliegen. Wer das Fahrzeug ohne Akku im Freien abstellt, sollte diesen Bereich vor Regen und Schmutz schützen. Im Alltag ist der herausnehmbare Speicher trotzdem ein großer Vorteil, besonders wenn im Keller oder in der Garage keine Steckdose vorhanden ist.

Fahrkomfort und Sicherheit im Praxistest

Große Luftreifen und der weite Stand vermitteln deutlich mehr Ruhe als ein typischer E-Scooter mit kleinen Rollen. Im Sitzen erinnert das Fahrgefühl an ein kompaktes Fahrrad, im Stehen bleibt das Fahrzeug trotz schmaler Silhouette stabil. Beide Varianten lassen sich flink durch Kurven führen, ohne nervös zu wirken.

Für den C25 ist die optionale gefederte Sattelstütze eine klare Empfehlung. Sie fängt kurze Stöße spürbar ab und erhöht den Komfort stärker, als ihre einfache Konstruktion erwarten lässt. Eine vollständige Rahmenfederung ersetzt sie nicht, macht längere und schlechtere Strecken aber angenehmer.

Magura-Bremsen: bissig, aber gut dosierbar

Hydraulische Magura-Scheibenbremsen an beiden Rädern passen zum hohen Leistungsniveau. Sie greifen im Test sehr kräftig zu und benötigen anfangs eine feinfühlige Hand. Nach kurzer Gewöhnung lassen sie sich sauber dosieren und bieten viel Reserve.

Zusätzliche Sicherheit liefern Kontakte in beiden Bremshebeln: Beim Bremsen wird der Motor deaktiviert. Selbst wenn der Daumenschalter versehentlich gedrückt bleibt, arbeitet der Antrieb nicht gegen die Verzögerung. Gerade bei einem Fahrzeug ohne Pedale ist das ein sinnvolles Detail.

Falten und im Auto verstauen

Das kleine Hinterrad lässt sich unter beziehungsweise an den Rahmen klappen. Zusammen mit dem absenkbaren Lenker entsteht ein schmales Paket, das für Kofferraum, Wohnmobil oder Boot gedacht ist. Im Video verschwindet der STEEREON tatsächlich in einem Smart – für ein sitzend fahrbares Elektrofahrzeug ein bemerkenswertes Format.

Der Faltmechanismus macht aus dem C25 allerdings keinen leichten Handgepäck-Scooter. Das Konzept eignet sich eher zum Verstauen und gelegentlichen Tragen als für tägliche Treppen oder häufiges Umsteigen im Bahnverkehr. Vor dem Kauf sollte man deshalb nicht nur das Packmaß, sondern auch das konkrete Fahrzeuggewicht der Ausstattung prüfen.

Cockpit, Verarbeitung und Ausstattung

Das große Farbdisplay stammt aus dem E-Bike-Bereich und dominiert das Cockpit. Geschwindigkeit, Akkustand und Fahrdaten sind gut ablesbar, der Motor wird über einen Daumenschalter gesteuert. Ergonomische Griffe und der helle Frontscheinwerfer unterstreichen den alltagstauglichen Anspruch.

Am Lenker verlaufen auffällig viele Leitungen. Jenseits dieses Bereichs ist das Kabelmanagement dagegen ordentlich und der Rahmen sauber aufgebaut. Sichtbare Schweißnähte werden nicht kaschiert, wirken aber solide. Im Test klappert oder wackelt nichts; die handmontierte Konstruktion vermittelt einen wertigen Eindruck.

Weniger überzeugend ist, dass Schutzbleche beim damaligen Einstiegspreis von ungefähr 3.000 Euro nicht selbstverständlich zur Serienausstattung gehörten. Auch Akku und Kabel sind optisch sehr präsent. Dafür punktet STEEREON mit direktem Herstellerkontakt, Fertigung in Köln und einem Fahrzeugkonzept, das nicht aus einem beliebigen Katalog stammt.

Stärken und Schwächen von C20 und C25

Stärken

  • intuitives, fahrradähnliches Fahrgefühl
  • kräftiger Motor mit guter Bergleistung
  • hochwertige Magura-Scheibenbremsen
  • große Luftreifen und stabiler Stand
  • entnehmbarer, abschließbarer Akku
  • kompakt im Auto verstaubar
  • Handmontage und direkter Support aus Köln

Schwächen

  • hoher damaliger Einstiegspreis
  • deutlich hörbarer Getriebemotor
  • viele sichtbare Leitungen am Lenker
  • offene Kontakte bei entnommenem Akku
  • Schutzbleche damals nicht serienmäßig
  • keine Allradlenkung wie bei der S-Serie
  • technische Flexibilität durch Zulassung begrenzt

Für wen passt welches Modell?

Der C20 richtet sich an Fahrer, die auf Radwegen unterwegs sein und keinen Führerschein benötigen möchten. Er bleibt näher am klassischen E-Scooter, fährt sich durch seine Radgröße und Geometrie aber deutlich souveräner. Wer grundsätzlich lieber sitzt, sollte nicht versuchen, den C20 nachträglich zum C25 umzubauen: Maßgeblich bleibt die Zulassung des konkreten Fahrzeugs.

Der C25 ist die komfortablere Wahl für sitzendes Fahren, kurze Pendelstrecken und Freizeitmobilität rund um Wohnmobil oder Boot. Dafür bringt er Mofa-Regeln, Helm und eine stärkere Bindung an die Straße mit. Bei beiden gilt: Eine Probefahrt ist besonders sinnvoll, weil sich das Fahrgefühl kaum mit einem üblichen 10-Zoll-Scooter vergleichen lässt.

Detailaufnahmen aus dem Praxistest

Weißes STEEREON C20 beziehungsweise C25 in der Stadt
Die C20- und C25-Modelle kombinieren den kompakten Radstand mit einer aufrechten Sitzposition.
STEEREON Schriftzug am Rahmen eines C-Modells
Der verschweißte Aluminiumrahmen bildet das stabile Zentrum der kompakten C-Serie.

Fazit zum STEEREON C20 & C25 Test

Die erste C-Serie zeigt überzeugend, warum STEEREON nicht einfach einen Sitz an einen E-Scooter geschraubt hat. Rahmengeometrie, große Reifen und hochwertige Bremsen erzeugen ein ruhiges, sportliches und sofort zugängliches Fahrgefühl. Der 500-Watt-Motor zieht kräftig an und meistert im Test selbst 12 bis 13 Prozent Steigung ohne Anlauf.

C20 und C25 bleiben dennoch Nischenfahrzeuge. Preis, Motorgeräusch und die starre Trennung zwischen Steh- und Sitzversion schränken die Zielgruppe ein. Wer aber ein kompaktes Fahrzeug für Auto oder Camping sucht und mehr Stabilität als bei einem gewöhnlichen E-Scooter erwartet, findet hier ein eigenständiges Stück Kölner Mikromobilität. Die entscheidende Wahl lautet am Ende nicht schneller oder stärker, sondern ganz schlicht: stehen oder sitzen.

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