Großes Vorderrad, kleines Hinterrad und ein Rahmen, der sich für den Kofferraum zusammenlegt: Das STEEREON B25 sieht nicht wie das nächste beliebige Klapp-E-Bike aus. Im STEEREON B25 Test auf der Messe zeigt das Kölner Unternehmen, wie Automatikschaltung, Riemenantrieb und ein kräftiger 48-Volt-Akku Pendler und Camper zusammenbringen sollen. Der kurze Fahrtermin liefert einen spannenden ersten Eindruck – ersetzt aber noch keinen mehrwöchigen Alltagstest.
Einordnung des Tests: Gefahren wurde ein Vorserienfahrzeug auf einer kurzen, teilweise ruppigen Messe-Teststrecke. Deshalb stehen Konzept, Technik und erster Fahreindruck im Mittelpunkt. Aussagen zu Reichweite und Haltbarkeit sind Herstellerangaben.
fahrbereit mit praktischem Tragegriff
automatisch schaltende Hinterradnabe
250-Watt-Heckmotor als Pedelec
Das Konzept hinter dem STEEREON B25
STEEREON ist mit faltbaren Mikromobilitätslösungen groß geworden. Bei den C-Modellen kombiniert der Hersteller einen Sitz mit Roller-Genen; beim B25 kommen nun Pedale und eine klassische Pedelec-Zulassung hinzu. Die auffällige Silhouette bleibt erhalten: Vorn rollt ein 20-Zoll-Rad, hinten ein kompaktes 16-Zoll-Rad.
Die unterschiedlichen Radgrößen sind mehr als ein Designtrick. Das große Vorderrad soll Ruhe und Sicherheit vermitteln, während das kleine Hinterrad den Faltmechanismus und das kurze Packmaß ermöglicht. STEEREON beschreibt das Ergebnis als stabil wie ein Tourenrad und kompakt wie ein Faltrad. Produziert wird nach Herstellerangaben in Deutschland.
Motor und Automatikschaltung im ersten Fahrtest
Im Hinterrad sitzt ein 250-Watt-Motor für die Unterstützung bis 25 km/h. Die eigentliche Besonderheit steckt in der Nabe: Zwei Gänge wechseln automatisch, ohne Schalthebel oder Bedienmenü. Auf der kurzen Teststrecke funktioniert diese Fliehkraftautomatik überraschend unauffällig. Der Fahrer tritt an, die Übersetzung passt sich an – mehr Aufmerksamkeit verlangt sie nicht.
Auch der Motor hinterlässt einen kräftigen ersten Eindruck. Er zieht spontan an und bringt das 22 Kilogramm schwere Rad selbst über die ruppige Rampe der Messefläche souverän. Entscheidend ist dabei weniger sportliche Aggressivität als die einfache Bedienung: Aufsteigen, Unterstützungsstufe wählen und losfahren.
Riemenantrieb: sauber und auf Wartungsarmut ausgelegt
Statt einer öligen Kette überträgt ein Riemen die eigene Tretkraft. Das hält Hosenbeine sauber, reduziert Laufgeräusche und passt zum wartungsarmen Anspruch des Fahrrads. Schaltwerk, Umwerfer und klassische Schaltzüge entfallen; die Automatik sitzt gekapselt in der Hinterradnabe.
STEEREON nennt unter günstigen Bedingungen eine mögliche Riemenlebensdauer von mehr als 20.000 Kilometern. Das ist keine im Kurztest überprüfbare Zusage, zeigt aber die Richtung: Im Reisealltag sollen sich Wartungsarbeiten weitgehend auf Reifen und Bremsen beschränken.
So funktioniert der Faltmechanismus
Das B25 wird nicht in der Rahmenmitte geknickt. Stattdessen schwenkt das kleine Hinterrad unter beziehungsweise neben den Hauptrahmen. Dadurch bleibt die lange, stabile Rahmenstruktur erhalten. Der Faltvorgang verlangt beim ersten Mal etwas Aufmerksamkeit, folgt dann aber einer nachvollziehbaren Reihenfolge.
B25 in sechs Schritten zusammenlegen
- Arretierung am Hinterbau öffnen.
- Hinterrad seitlich schwenken und den Riemen entspannen.
- Riemen aus der Antriebsposition nehmen und in die vordere Aufnahme setzen.
- Rad anheben, Hinterbau vollständig einklappen und wieder arretieren.
- Lenker absenken und Faltpedale einklappen.
- Sattel ganz absenken oder fĂĽr ein noch kleineres Paket entnehmen.
Ein Handgriff wie bei einem klassischen Mittelfalter ist das nicht. Dafür entsteht ein schmales Paket, das sich für Kofferraum, Wohnmobil oder Abstellkammer eignet. Beim häufigen Verladen bleiben 22 Kilogramm dennoch spürbar. Der integrierte Griff hilft, macht aus dem B25 aber kein Leichtgewicht.
Akku und Reichweite: zwei Größen sauber unterscheiden
Im Gespräch fallen zwei Reichweitenwerte, die zunächst widersprüchlich wirken. Gemeint sind unterschiedliche Akkuvarianten: Der Standardakku besitzt rund 556 Wh und soll bis zu 80 Kilometer ermöglichen. Mit dem größeren Akku stehen etwa 655 Wh und maximal 100 Kilometer im Raum. Beide arbeiten mit 48 Volt.
Wichtig für die Einordnung: 80 beziehungsweise 100 Kilometer sind Herstellerwerte. Wie weit das B25 im Alltag tatsächlich kommt, hängt unter anderem von Unterstützungsstufe, Temperatur, Zuladung, Reifendruck und Steigungen ab. Der Messe-Test war für eine belastbare Reichweitenmessung zu kurz.
Der Akku sitzt zentral im Hauptrahmen und lässt sich per Schlüssel entnehmen. Das erleichtert das Laden in Wohnung oder Wohnmobil. Gleichzeitig sinkt das Gewicht beim Verladen laut Hersteller auf ungefähr 18 Kilogramm – ein sinnvoller Kniff, wenn das Rad regelmäßig in den Kofferraum gehoben wird.
Display, App und Ausstattung
Das große Bafang-Farbdisplay wirkt moderner als die kleinen Schwarz-Weiß-Anzeigen vieler Kompakträder. Es zeigt Akkustand, Geschwindigkeit, abgerufene Leistung, Fahrzeit, Tages- und Gesamtkilometer sowie Durchschnittsgeschwindigkeit. Ein Smartphone lässt sich laden und per Bluetooth mit der Bafang-Go+-App verbinden. Darüber stehen unter anderem Navigation und Fahrdaten bereit.
Zur Grundausstattung gehören Schutzbleche, eine Lichtanlage mit Bremslicht und hydraulische Scheibenbremsen. Zusätzlich wurden Gepäckträger, Blinker, GPS-Tracker, Taschen, Körbe, verschiedene Rahmenfarben und eine gefederte Sattelstütze genannt. Damit lässt sich das B25 stärker auf Camping, Pendelstrecke oder Stadtverkehr zuschneiden als viele einfache Falträder.
Fahrkomfort und Bremsen
Das ungewöhnliche Radformat fährt sich auf der kurzen Strecke erstaunlich stabil. Selbst die grobe Rampe bringt wenig Unruhe in den Rahmen. Eine Federgabel fehlt allerdings. Unebenheiten gelangen deshalb direkter an Lenker und Arme, als es das tourenartige Fahrgefühl zunächst vermuten lässt. Wer häufig über Kopfsteinpflaster oder schlechte Wege fährt, sollte die optionale gefederte Sattelstütze zumindest mitdenken.
Die hydraulischen Scheibenbremsen passen zum hohen Fahrzeuggewicht und zum Premiumanspruch. Eine abschließende Bewertung von Dosierbarkeit und Bremsweg lässt die kleine Testfläche nicht zu. Positiv ist dennoch, dass STEEREON an dieser sicherheitsrelevanten Stelle nicht auf eine einfache mechanische Lösung ausweicht.
Preis und Service: Premium statt Schnäppchen
Zum Zeitpunkt der Vorstellung wurde ein regulärer Preis von 3.300 Euro genannt. Die damalige Vorverkaufsaktion über 2.800 Euro war zeitlich begrenzt und ist kein aktueller Gutschein. Das B25 konkurriert damit weniger mit günstigen Klapprädern als mit hochwertigen, individuell konfigurierbaren Kompakt-E-Bikes.
Teil des Preisarguments ist der Service aus Deutschland. Im Interview nennt STEEREON den direkten Kontakt zum eigenen Team sowie mehr als 30 Händler und Servicestationen. Vor dem Kauf lohnt sich trotzdem ein Blick auf die aktuelle Händlerkarte: Gerade ein eigenständiger Faltmechanismus und die spezielle Hinterradkonstruktion profitieren von einem erreichbaren Ansprechpartner.
Stärken und Schwächen des STEEREON B25
Stärken
- stabiles FahrgefĂĽhl trotz kompaktem Format
- automatische Zweigangschaltung
- sauberer, wartungsarmer Riemenantrieb
- kräftiger erster Motoreindruck
- entnehmbarer Akku in zwei Größen
- hydraulische Scheibenbremsen
- viele Konfigurationsmöglichkeiten
Schwächen
- mit 22 kg kein leichtes Faltrad
- Faltvorgang komplexer als bei Mittelfaltern
- hohes Preisniveau
- keine Federgabel
- Reichweite im Kurztest nicht ĂĽberprĂĽfbar
- Langzeitverhalten der speziellen Konstruktion offen
FĂĽr wen eignet sich das faltbare Kompakt-E-Bike?
Das B25 richtet sich an Menschen, die ein vollwertigeres Fahrgefühl als bei kleinen 16- oder 20-Zoll-Falträdern suchen, aber trotzdem wenig Transport- und Stellfläche haben. Besonders plausibel wirkt das Konzept für Camper, Wohnmobilfahrer und Pendler, die nicht jeden Tag mehrere Treppen mit dem Rad bewältigen müssen.
Weniger passend ist es für Preisjäger, tägliches Bahn-Pendeln mit häufigem Tragen oder sehr schlechte Wege. Dort fallen Gewicht, aufwendigerer Faltablauf und fehlende Frontfederung stärker ins Gewicht. Individualisten erhalten dagegen ein eigenständiges Fahrzeug, das nicht an jeder zweiten Fahrradampel steht.
Detailaufnahmen aus dem Praxistest
Fazit zum STEEREON B25 Test
Der erste STEEREON B25 Test macht neugierig. Motor, Automatikschaltung und Rahmen wirken auf der kurzen Runde harmonischer, als die ungewöhnliche Konstruktion zunächst erwarten lässt. Besonders überzeugend ist die Kombination aus tourenradähnlicher Stabilität, leisem Riemen und einem Packmaß, das für Auto und Wohnmobil gedacht ist.
Gleichzeitig bleibt das B25 ein erklärungsbedürftiges Premiumprodukt. 22 Kilogramm, der mehrstufige Faltvorgang und der hohe Preis grenzen die Zielgruppe ein. Ob Reichweite, Komfort und Mechanik den positiven Erstkontakt auch über Wochen bestätigen, muss ein ausführlicher Alltagstest zeigen. Als eigenständige Lösung für Camper und urbane Individualisten besitzt das Kölner Kompakt-E-Bike aber eine klare Idee – und deutlich mehr Charakter als ein gewöhnliches Klapprad.
STEEREON
Faltbare E-Bikes und Mikromobilität aus Köln
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