Ein E-Bike für den Arbeitsweg, die Wochenendtour und den Abstecher auf lose Waldwege: Im Kalkhoff Entice 5 Excite+ Test muss ein fast 28 Kilogramm schweres Allroad-Bike zeigen, ob seine Vielseitigkeit mehr ist als ein Werbeversprechen. Bosch-CX-Motor, stufenlose Enviolo-Schaltung und Gates-Riemen bilden dafür einen außergewöhnlich komfortablen Antrieb.
Drei Rollen, ein Fahrrad
Pendler
Gepäckträger, Licht, Schutzbleche und ein wartungsarmer Riemen machen das Entice alltagstauglich.
Tourer
625-Wh-Wechselakku, bequeme Ergonomie und stufenlose Übersetzung passen zu langen Strecken.
Allroader
Breite 29-Zoll-Reifen, 100 Millimeter Federweg und viel Motorkraft schaffen Reserven abseits des Asphalts.
Design und Verarbeitung: massiv statt minimalistisch
Schon beim ersten Blick wirkt das Entice 5 Excite+ kräftiger als ein schlankes Urban Bike. Das voluminöse Unterrohr nimmt den Bosch-PowerTube-Akku auf, der Mittelmotor sitzt sichtbar im Tretlagerbereich und die Federgabel unterstreicht den Tourenanspruch. Die graue Lackierung des Testbikes bildet einen ruhigen Kontrast zur schwarzen Akkuabdeckung und zu den breiten Reifen.
Kalkhoff fertigt den Rahmen in Deutschland. Seine groben, gleichmäßigen Schweißnähte sind nicht versteckt, sondern Teil der robusten Optik. Die meisten Leitungen verlaufen verdeckt. Nur am Lenker treffen mehrere Kabel der modularen Bosch-Komponenten zusammen; sie sind sauber gebündelt, wirken aber weniger reduziert als der restliche Aufbau. Neben dem getesteten Diamantrahmen wurde die Baureihe auch als Trapez und Wave angeboten.
Alltagsausstattung des Testbikes
- stabile Metallpedale und ein einstellbarer Hinterbauständer
- robuste Kunststoffschutzbleche
- Gepäckträger für bis zu 27 Kilogramm mit zwei Schienen und MIK-HD-Aufnahme
- Abus-Rahmenschloss mit einem Schlüssel für Schloss und Akku
- 110-Lux-Frontlicht und Trelock-Rücklicht
Wer über einen Kalkhoff-Händler bestellt, bekommt Aufbau und individuelle Einstellung üblicherweise vor Ort. Das Testbike ließ sich auch selbst vorbereiten: Pedale montieren, Lenker ausrichten, Kiox-Display und LED Remote befestigen, anschließend das Rad mit der Bosch Flow App verbinden. Mit passendem Werkzeug war die Einrichtung in weniger als 30 Minuten erledigt.
Bosch CX, Enviolo und Gates: der Antrieb als Gesamtsystem
Der Bosch Performance Line CX des 2024 getesteten Modells liefert 85 Newtonmeter und kurzzeitig bis zu 600 Watt. Entscheidend ist nicht allein die Leistung, sondern wie spontan sie zur Verfügung steht. Schon bei niedriger Trittfrequenz schiebt der Mittelmotor kräftig an. Steile Auffahrten gelingen im Test im Sitzen, während der Motor bis zur gesetzlichen Grenze von 25 km/h unterstützt.
Die Steigungsprobe: Der CX-Motor benötigt keine hektische Trittfrequenz, um kräftig zu unterstützen. Das schwere Fahrrad bleibt am Berg kontrollierbar und wirkt deutlich agiler, als die Zahl auf der Waage vermuten lässt.
Vier Fahrmodi standen zur Auswahl. Turbo lieferte mit bis zu 340 Prozent die stärkste Unterstützung, Eco priorisierte die Reichweite. Besonders passend ist der Automatikmodus: Er reagiert auf Steigung oder Gegenwind und erhöht die Hilfe ohne manuellen Wechsel. Über die Flow App lassen sich die Charakteristiken anpassen.
Der Gates-CDX-Riemen läuft leise und braucht weder Kettenöl noch regelmäßiges Nachschmieren. Der Hersteller stellte eine Laufleistung von bis zu 50.000 Kilometern in Aussicht; im Alltag genügt es meist, Staub und Schmutz abzuspülen. Dazu passt die stufenlose Enviolo-Trekking-Nabe mit 380 Prozent Übersetzungsbandbreite. Über den Drehgriff wird nicht zwischen festen Gängen gewechselt, sondern die gewünschte Trittfrequenz kontinuierlich eingestellt – auch während der Fahrt und unter Last.
Akku und Reichweite: schnell geladen, bequem entnehmbar
Der Bosch PowerTube mit 625 Wattstunden sitzt verschlossen im Unterrohr. Nach dem Öffnen der Kunststoffabdeckung lässt er sich mit wenigen Handgriffen entnehmen und in der Wohnung oder im Büro laden. Eine LED-Anzeige zeigt den Ladestand auch außerhalb des Bikes. Alternativ bleibt der Akku im Rahmen; die hoch positionierte und gut abgedeckte Ladebuchse ist ohne tiefes Bücken erreichbar.
Das mitgelieferte 4-Ampere-Ladegerät benötigt rund viereinhalb Stunden von leer bis voll. Eine pauschale Reichweite wäre unseriös: Fahrmodus, Höhenmeter, Temperatur, Zuladung und Untergrund verändern den Verbrauch erheblich. Das Kiox-Display berechnet deshalb eine laufend angepasste Restreichweite. Für Touren ist diese Prognose hilfreicher als ein einmaliger Idealwert aus dem Datenblatt.
Technik des 2024er Testbikes
- Motor: Bosch Performance Line CX, 85 Nm
- Schaltung: Enviolo Trekking, stufenlos, 380 Prozent Bandbreite
- Antrieb: Gates CDX Carbonriemen
- Akku: Bosch PowerTube, 625 Wh, entnehmbar
- Ladegerät: 4 Ampere, etwa 4,5 Stunden Ladezeit
- Gewicht: rund 28 Kilogramm inklusive Akku
- Bremsen: hydraulische Tektro-Doppelkolbenbremsen, 180 Millimeter
Kiox 300 und Flow App: viele Daten, reduzierte Navigation
Das mittig montierte Bosch Kiox 300 startet schnell, zeigt Farben kräftig an und blieb selbst bei direkter Sonne gut lesbar. Geschwindigkeit, Akkustand, Fahrmodus und eigene Leistung sind nur der Anfang. Weitere Bildschirmseiten lassen sich über die LED Remote mit dem Daumen aufrufen und in der App individuell zusammenstellen. Sogar der Akkustand des verbundenen Smartphones kann erscheinen.
Am Fahrrad
Die LED Remote wechselt Fahrstufen und Ansichten. Farbige LEDs zeigen den gewählten Modus, ohne dass der Blick lange von der Straße wandert.
In der App
Die Flow App verwaltet Fahrten, Einstellungen und Navigation. Verbindungen zu Strava und Apple Health erweitern die Auswertung.
Die Navigation funktionierte nach einem damaligen Update zuverlässiger, nutzte das Kiox-Display aber nicht vollständig aus. Auf dem Smartphone erscheint eine farbige Karte, am Bike nur eine reduzierte Abbiegeansicht. Für bekannte Wege genügt das, auf komplizierten Touren fehlen Übersicht und Details. Die App- und Abo-Funktionen können sich seit dem Test verändert haben.
Komfort auf Asphalt, Schotter und schlechten Wegen
Auf längeren Strecken spielt das Entice seine umfangreiche Komfortausstattung aus. Die 29 Zoll großen Maxxis-Reifen sind 2,25 Zoll breit und verbinden ruhiges Rollen auf Asphalt mit guter Bodenhaftung auf Schotter, Sand und weichem Untergrund. Eine luftgefederte Suntour-Gabel stellt 100 Millimeter Federweg bereit und lässt sich für glatte Straßen blockieren.
Auch am Heck wird der Fahrer nicht allein gelassen: Der Selle-Royal-Sattel sitzt auf einer gefederten Sattelstütze. Ein verstellbarer Vorbau, der leicht nach hinten geschwungene Lenker und ergonomische Ergon-Griffe erleichtern eine entspannte Haltung. Kopfsteinpflaster, Waldwege und eine holprige Wiese filterte das Testbike überzeugend. Selbst ein vorsichtiger Abstecher auf einen BMX-Parcours zeigte Reserven – auch wenn das Entice dafür weder gedacht noch gebaut ist.
Bremsen, Licht und Diebstahlschutz
Hydraulische Tektro-Doppelkolbenbremsen greifen vorn und hinten auf 180-Millimeter-Scheiben. Sie brachten das schwere Fahrrad im Test auch bei Gefälle und höherer Zuladung kontrolliert zum Stehen. Der 110-Lux-Scheinwerfer leuchtet Nah- und Fernbereich breit aus und integriert den Frontreflektor. Das Trelock-Rücklicht ist funktional, aber weniger auffällig gestaltet.
Das Kiox 300 kann als elektronischer Schlüssel dienen. Wird es abgenommen, deaktiviert das System die Motorunterstützung. Alternativ übernimmt ein per Bluetooth verbundenes Smartphone diese Aufgabe. Wegtragen oder ohne Motor davonfahren lässt sich das Rad trotzdem; Rahmenschloss, hochwertiges Zusatzschloss und eine Versicherung bleiben bei dieser Preisklasse sinnvoll.
Zum Testzeitpunkt ließ sich für rund 100 Euro ein GPS- und Alarmmodul ergänzen. Bei Bewegung löste es einen zweistufigen Alarm aus, sendete eine Push-Nachricht und ermöglichte die Ortung in der App. Angesichts des Fahrradwerts hätten wir diese Funktion gern serienmäßig gesehen. Welche Ortungs- und Flow+-Funktionen heute enthalten oder kostenpflichtig sind, sollte vor dem Kauf für das konkrete Modell geprüft werden.
28 Kilogramm setzen dem Allrounder Grenzen
Die massive Bauweise vermittelt Sicherheit, verlangt aber einen Preis: Das Testbike wiegt rund 28 Kilogramm, davon entfallen etwa 3,6 Kilogramm auf den Akku. Eine einzelne Treppe lässt sich bewältigen, täglich in den dritten Stock oder in einen vollen Regionalzug möchte man das Entice jedoch nicht tragen. Für Pendler mit ebenerdigem Stellplatz ist das weniger relevant; für die regelmäßige Fahrradmitnahme im Nahverkehr kann es zum Ausschlusskriterium werden.
Auch optisch gibt es kleine Kompromisse. Die vorgeschriebenen Speichenreflektoren fallen am sonst aufgeräumten Rad stärker auf als Reflexstreifen in den Reifen. Die Navigationsdarstellung blieb hinter den Möglichkeiten des Kiox zurück, und die Ortung kostete extra. Das sind keine grundlegenden Schwächen des Fahrwerks oder Antriebs, aber wichtige Punkte bei einem Premiumrad.
Modellstand 2024 und aktuelle Entice-Generation
Wichtig: Dieser Fahrbericht beschreibt das 2024 getestete Entice 5 Excite+ mit 625-Wh-Akku, Riemenantrieb und Enviolo-Nabe. Die damalige Produktseite ist nicht mehr verfügbar. Kalkhoff führt inzwischen eine überarbeitete Entice-Generation mit anderen Motor-, Akku-, Schaltungs- und Bremsvarianten. Der Link am Artikelende führt deshalb bewusst zur aktuellen Modellübersicht und nicht zu einem vermeintlich identischen Nachfolger.
Der Unterschied ist redaktionell wichtig: Erfahrungen mit Rahmencharakter, Ergonomie und dem getesteten Antrieb bleiben aussagekräftig, dürfen aber nicht ungeprüft auf ein heutiges Modell übertragen werden. Vor dem Kauf zählen die tatsächlich ausgewählte Ausstattungsstufe und eine Probefahrt beim Händler.
Detailaufnahmen aus dem Praxistest
Fazit zum Kalkhoff Entice 5 Excite+ Test
Der Kalkhoff Entice 5 Excite+ Test bestätigt den Allroad-Anspruch des 2024er Modells. In der Stadt beschleunigt der Bosch-CX-Motor spontan, auf Tour sorgen Enviolo-Nabe und Gates-Riemen für einen ruhigen Antrieb, und schlechte Wege verlieren dank breiter Reifen, Luftfedergabel und gefederter Sattelstütze ihren Schrecken. Gepäckträger, Beleuchtung und Wechselakku machen das Fahrrad vollständig alltagstauglich.
Seine größte Schwäche ist das hohe Gewicht. Wer das Rad häufig tragen oder im Zug mitnehmen muss, findet passendere Pendler-Bikes. Auch die reduzierte Navigation und der damals optionale GPS-Schutz passen nicht ganz zum Premiumanspruch. Für Fahrer mit sicherem Stellplatz, die werktags pendeln und am Wochenende lange Touren über wechselnde Untergründe fahren möchten, ist das Entice dagegen ein sehr überzeugendes Gesamtpaket.
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Kalkhoff
Allroad-E-Bikes für Alltag und Tour
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