Trittbrett Sultan+ Test: 19 kg leicht – und trotzdem 1.200 Watt?

Mehr Komfort als ein typischer City-Scooter, aber deutlich handlicher als viele Tourenmodelle: Der Sultan+ sucht genau die Mitte. Mein Test zeigt, für wen dieses Konzept aufgeht.

Testvideo vom Artikel aktualisiert am

Der Trittbrett Sultan+ soll die Lücke zwischen handlichem City-Scooter und komfortablerem SUV-Modell schließen. Mit rund 19 Kilogramm bleibt er vergleichsweise transportabel, kombiniert sein schlankes Chassis aber mit 10-Zoll-Luftreifen, Federgabel und bis zu 1.200 Watt Peakleistung. Der Praxistest zeigt, ob daraus mehr als eine ungewöhnliche Mischung auf dem Datenblatt entsteht.

Getestet habe ich Wendigkeit und Fahrkomfort auf Asphalt, Schotter und Kopfsteinpflaster, die Leistung an einer rund 15-prozentigen Steigung sowie Bremsen, Beleuchtung und Klappmechanismus. Dabei überraschte der Sultan+ vor allem dort, wo sein 36-Volt-System auf dem Papier zunächst wenig spektakulär wirkt.

Mein Urteil: Der Sultan+ ist ein besonders interessanter City-Scooter für Fahrer, die ein vergleichsweise leichtes und agiles Modell suchen, aber bei Fahrkomfort und Bergleistung keine typische Leichtgewichtslösung möchten. Die wirksame Federgabel, der gut dosierbare 1.200-Watt-Antrieb und der hohe Wasserschutz machen ihn besonders für schlechte Radwege, häufige Steigungen und den ganzjährigen Stadtverkehr attraktiv. Ich empfehle ihn Pendlern, die ihren Scooter gelegentlich tragen oder verladen müssen, aber auf mehr Reserven als bei einem klassischen City-Modell Wert legen. Für grobes Kopfsteinpflaster und lange Touren bleibt ein vollgefedertes Modell komfortabler.

1.200 W
Spitzenleistung

540 Wh
Akkukapazität

19 kg
Fahrzeuggewicht

IP66
Wasserschutz

Technische Daten im Überblick

Motor500 Watt, beim Plus-Modell bis zu 1.200 Watt Peak
Akku36 V / 15 Ah / 540 Wh
Herstellerreichweitebis zu 60 km
Bereifung10 Zoll, schlauchlose Luftreifen
FederungFedergabel vorn
BremsenTrommelbremse vorn, elektronische Motorbremse hinten
Gewichtrund 19 kg
Maximale Zuladung120 kg
WasserschutzIP66
SicherheitsausstattungLenkerblinker, Frontlicht, Rück- und Bremslicht

Sultan oder Sultan+: Das ist der entscheidende Unterschied

Dieser Test behandelt ausschließlich den Trittbrett Sultan+. Chassis, 540-Wh-Akku und die grundsätzliche Alltagstauglichkeit liegen nah am regulären Sultan, beim Antrieb unterscheiden sich die Modelle jedoch deutlich.

Sultan

Bis zu 770 Watt Peakleistung. Er genügt für überwiegend flache Stadtstrecken und einen moderateren Antritt.

Sultan+

Bis zu 1.200 Watt Peakleistung. Die zusätzliche Reserve macht sich beim Beschleunigen, an Steigungen und mit höherer Zuladung bemerkbar.

Wichtig: Alle Fahr-, Steigungs- und Bremseindrücke in diesem Artikel stammen vom Sultan+ und lassen sich nicht unverändert auf das Basismodell übertragen.

Design und Verarbeitung

Der Sultan+ wirkt deutlich schlanker, als seine SUV-Ausrichtung vermuten lässt. Der schmale Aluminiumrahmen in Silber-Anthrazit, das schwarz gummierte Trittbrett und die weitgehend intern verlegten Kabel ergeben eine aufgeräumte Optik. Die teilweise integrierte Frontleuchte, die Federgabel und der massive Klappmechanismus setzen technische Akzente, ohne den Scooter unnötig wuchtig erscheinen zu lassen.

Griffe und Bedienelemente hinterließen einen guten Eindruck. Die Lamellenstruktur liegt angenehm in der Hand, die Tasten besitzen klare Druckpunkte und klapperten am Testfahrzeug auch auf unruhigem Untergrund nicht. Das eingelassene Display passt optisch gut ins Cockpit, könnte bei direkter Sonne aber besser ablesbar sein. Die eckigen Lenkerrohre erschweren die Montage mancher Handyhalterungen, schließen sie jedoch nicht grundsätzlich aus.

Rahmen, Schweißnähte, Schutzbleche und Metallständer wirkten insgesamt solide. Besonders stark ist die IP66-Klassifizierung, die einen deutlich umfangreicheren Schutz gegen Staub und Wasser verspricht als bei vielen Konkurrenten. Weniger überzeugend ist die fummelige Abdeckung der Ladebuchse – ein kleines Detail, das nicht recht zur ansonsten sorgfältigen Verarbeitung passt.

Der erste Eindruck: Der Sultan+ sieht nicht nach einem schweren Offroad-Gerät aus, sondern nach einem sauber gestalteten City-Scooter mit gezielt ergänztem Komfort.

Trittbrett Sultan Plus E-Scooter in Seitenansicht
Der Sultan Plus kombiniert großes Trittbrett, Vorderradfederung und einen kräftigen Hinterradmotor.

Agilität und Platzangebot

Im Hütchenparcours zeigte sich der Sultan+ ausgesprochen wendig. Der breite Lenker vermittelt Sicherheit und erlaubt eine direkte, präzise Lenkung. Gasannahme und elektronische Bremse sind dank Hobbywing-Technik gut aufeinander abgestimmt. Hindernisse oder Schlaglöcher lassen sich dadurch kontrolliert umfahren, ohne dass der Scooter nervös wirkt.

Auch das Platzangebot auf dem Trittbrett passt: Selbst mit Schuhgröße 45 war ein bequemer und sicherer Stand möglich. Die Abmessungen dürften für viele Fahrerinnen und Fahrer gut funktionieren. Eine Höhenverstellung des Lenkers gibt es allerdings nicht.

Daumengas und Bedientasten am Lenker
Fahrmodus, Blinker und Beschleunigung liegen griffbereit am Lenker.

Fahrkomfort: Was bringt die Federgabel?

Die schlauchlosen 10-Zoll-Luftreifen dämpfen bereits kleinere Unebenheiten und reduzieren zugleich das Risiko klassischer Schlauchpannen. Zusätzlich arbeitet an der Front eine Federgabel. Auf glattem Asphalt und feinem Schotter fährt der Sultan+ ruhig und kontrolliert. Die Federung nimmt vor allem feine Schwingungen aus Lenker und Handgelenken.

Auf grobem Kopfsteinpflaster wird die Grenze des Konzepts deutlich. Vorn werden Schläge abgemildert, über die ungefederte Hinterachse kommen sie weiterhin spürbar beim Fahrer an. Der Sultan+ bleibt fahrbar, erreicht aber nicht den Komfort eines vollgefederten Touren-Scooters. Auch ein kurzer Ausflug über eine Wiese gelang, verlangsamte das Fahrzeug jedoch deutlich.

Die Federgabel macht aus dem Sultan+ keinen Offroad-Scooter. Im Stadtalltag ist sie trotzdem ein echter Komfortgewinn, weil deutlich weniger Vibrationen in den Händen ankommen.

Doppelte Federgabel am Vorderrad
Die doppelte Federgabel entlastet das Vorderrad auf schlechten Wegen.

Motorleistung und Steigungstest

Im Sultan+ arbeitet ein 500-Watt-Hinterradmotor, der in der Spitze bis zu 1.200 Watt erreichen soll. Damit hebt sich die Plus-Ausführung deutlich vom regulären Sultan mit 770 Watt Peakleistung ab. Die Beschleunigung im Turbomodus ist spürbar, bleibt aber gut beherrschbar. Ein zweiter Modus reduziert den Antritt, ohne die Endgeschwindigkeit zu verändern.

Bei der GPS-Messung nutzte der Scooter die in Deutschland erlaubte Geschwindigkeitstoleranz erfreulich gut aus. An der rund 15-prozentigen Parkhausrampe kam er sicher nach oben, verlor im oberen Abschnitt aber sichtbar Tempo. Auch das Anfahren direkt in der Steigung funktionierte. Die Leistung ist für einen leichten Stadt-Scooter überzeugend, aus dem Stand heraus aber nicht brachial.

Der Aufpreis zur Plus-Version ist sinnvoll, wenn regelmäßig Steigungen, höheres Fahrergewicht oder häufiges Anfahren zum Alltag gehören. Gerade hier liefert die zusätzliche Peakleistung die Reserve, die dem Basismodell fehlt.

Hinterrad mit integriertem Elektromotor
Der Motor sitzt unauffällig im Hinterrad und treibt den Scooter direkt an.

Akku, Reichweite und Display

Der 15-Ah-Akku arbeitet mit 36 Volt und bietet rechnerisch 540 Wh. Trittbrett nennt eine maximale Reichweite von bis zu 60 km. Dieser Idealwert setzt günstige Bedingungen voraus; Fahrergewicht, Temperatur, Fahrmodus, Untergrund und Steigungen beeinflussen die Reichweite im Alltag deutlich.

Geladen wird mit 2 Ampere. Eine vollständige Ladung dauert ungefähr sechs Stunden und eignet sich damit vor allem für das Laden über Nacht. Das Display zeigt Geschwindigkeit, Gesamt- und Tageskilometer, Fahrmodus, Akkustand sowie Licht- und Blinkerstatus. Der Akku wird lediglich über fünf Balken dargestellt; eine Prozentanzeige wäre präziser.

Integriertes Display mit Geschwindigkeitsanzeige
Das integrierte Display zeigt Geschwindigkeit und Akkustand direkt im Lenker.

Bremsen und Sicherheitsausstattung

Vorn bremst eine wartungsarme Trommelbremse, hinten die elektronische Motorbremse. Beim Betätigen der mechanischen Bremse greifen beide Systeme gemeinsam. Zusätzlich besitzt der Sultan+ einen separaten Hebel für die E-Bremse. Damit lässt sich im Alltag verschleißarm und mit Energierückgewinnung verzögern, etwa beim entspannten Heranrollen an eine Ampel.

Die elektronische Bremse allein benötigt einen längeren Bremsweg und ist nicht für Gefahrensituationen gedacht. Bei der Vollbremsung mit beiden Systemen blieb der Scooter dagegen spurtreu, das Hinterrad blockierte nicht und der Bremsweg fiel zufriedenstellend aus.

Der einstellbare Frontscheinwerfer, das Rücklicht mit Bremslichtfunktion und helle Blinker an den Lenkerenden ergeben ein gutes Sicherheitspaket. Durch den breiten Lenker bleiben die Blinker während der Fahrt gut sichtbar. Zusätzliche Heckblinker wären dennoch wünschenswert. Beim Rechtsabbiegen muss der Daumen außerdem kurz vom Gas genommen werden, um den Blinker zu erreichen.

Transport und Klappmechanismus

Mit rund 19 kg bleibt der Sultan+ für kurze Wege und einzelne Treppen tragbar. Der Klappmechanismus ist massiv und sicher ausgeführt, wirkt für dieses vergleichsweise leichte Modell aber beinahe überdimensioniert. Mehrere Handgriffe sind nötig, bis Verschluss und Sicherung gelöst oder wieder eingerastet sind. Wirklich flüssig geht das nicht von der Hand.

Auch der breite, nicht einklappbare Lenker erschwert die Mitnahme in Bus, Bahn oder engem Kofferraum. Der Scooter ist somit mobil genug für gelegentlichen Transport, aber kein ausgesprochener Pendler-Faltspezialist.

Klappmechanismus am Lenkerrohr des E-Scooters
Der massive Faltmechanismus verriegelt die Lenksäule für den Transport.

SUV-Scooter oder nur Marketing?

Die Bezeichnung SUV passt nur mit Einschränkung. Der Sultan+ bietet mehr Reserven als ein klassischer City-Flitzer: große schlauchlose Reifen, eine wirksame Frontfederung, hohen Wasserschutz und eine kräftige Plus-Motorisierung. Für schlechte Radwege, Schotterpassagen und urbane Unebenheiten ist er gut gerüstet.

Ein vollwertiger Offroad- oder Touren-Scooter ist er nicht. Dafür fehlen die Hinterradfederung, mehr Bodenfreiheit und ein auf unbefestigte Wege ausgelegtes Fahrwerk. Treffender wäre deshalb die Einordnung als komfortabler City-Scooter mit SUV-Elementen.

Stärken und Schwächen

Das spricht für den Sultan+

  • kräftige Plus-Motorisierung
  • agiles und sicheres Fahrverhalten
  • spürbarer Komfortgewinn durch die Federgabel
  • 10-Zoll-Tubelessreifen
  • separat nutzbare elektronische Bremse
  • gute Blinker und hoher IP66-Wasserschutz
  • sauberes Design und internes Kabelmanagement

Hier gibt es Luft nach oben

  • keine Federung am Hinterrad
  • umständlicher, sehr massiver Klappmechanismus
  • breiter Lenker nicht einklappbar
  • fummelige Ladebuchsenabdeckung
  • keine zusätzlichen Heckblinker
  • Akkustand nur in fünf Balken

Fazit: Für wen lohnt sich der Trittbrett Sultan+?

Der Trittbrett Sultan+ passt zu Fahrern, die einen relativ leichten und agilen Stadt-Scooter suchen, aber nicht auf Frontfederung und kräftige Motorreserven verzichten möchten. Besonders auf schlechten Radwegen, an häufigen Steigungen und mit höherer Zuladung spielt die Plus-Ausführung ihre Vorteile aus.

Wer regelmäßig grobes Kopfsteinpflaster oder unbefestigte Strecken fährt, sollte ein vollgefedertes Modell wählen. Auch für die tägliche Mitnahme in Bus und Bahn ist der breite Lenker nicht ideal. Im normalen Stadtalltag überzeugt der Sultan+ jedoch mit einem ausgewogenen Fahrgefühl, guter Sicherheitsausstattung und einer Verarbeitung, die bis auf wenige Details zum Premium-Einstieg passt.

Meine Einordnung: Der Sultan+ ist kein Offroad-SUV, sondern ein komfortabler, überraschend kräftiger City-Scooter – und genau in dieser Rolle funktioniert er sehr gut.

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Henne

Ich bin Henne und bei HennTech dreht sich alles um E-Scooter, E-Bikes und das passende Zubehör. Ich probiere aus, wie sich die Fahrzeuge im Alltag schlagen und ob sie wirklich halten, was die Hersteller versprechen. Kommt mit!