TENWAYS CGO600 Pro Test: 18 kg, Riemen – wie gut fährt das E-Bike?

Leichtes Urban E-Bike mit Carbonriemen, Wechselakku und Drehmomentsensor: Der TENWAYS CGO600 Pro Test liefert Fahrgefühl, Alltagserfahrungen und eine klare Zielgruppenempfehlung.

Testvideo vom Artikel aktualisiert am

Schlanker Rahmen, fast unsichtbarer Motor, Carbonriemen statt öliger Kette: Das TENWAYS CGO600 Pro bringt den Stil teurer Urban E-Bikes in eine zugänglichere Preisklasse. Entscheidend ist deshalb nicht nur, wie elegant es aussieht, sondern ob das reduzierte Singlespeed-Konzept im Pendelalltag trägt – und wo es an seine Grenzen stößt.

Mein Urteil: Das CGO600 Pro ist ein leichtes, leises und wartungsarmes Urban E-Bike für aktive Stadtpendler, die überwiegend auf Asphalt fahren und bewusst auf eine Gangschaltung verzichten können. Carbonriemen, Drehmomentsensor und herausnehmbarer Akku machen es im Alltag überzeugender, als der reduzierte Auftritt vermuten lässt. Wer häufig steile Anstiege, Kopfsteinpflaster oder grobe Wege fährt, stößt beim Komfort und beim Übersetzungsbereich jedoch an klare Grenzen.

18 kg
Classic Edition inklusive Zubehör

360 Wh
entnehmbarer Akku mit LG-Zellen

35 Nm
Hinterradmotor des Testmodells

Die Idee: Urban Bike ohne Premiumpreis

TENWAYS positionierte das CGO600 Pro als günstigere Alternative zu den damals besonders präsenten Modellen von Cowboy und VanMoof. Das Rezept ist ähnlich: klare Linien, integriertes Frontlicht, ein aufgeräumtes Cockpit und möglichst wenig sichtbare Technik. Anders als viele Design-Bikes bringt das Pro jedoch einen herausnehmbaren Akku und eine erfreulich alltagstaugliche Grundausstattung mit.

Getestete und aktuelle Version: Dieser Test bewertet die Classic Edition mit 35 Nm, monochromem OLED-Display und 18 Kilogramm inklusive Zubehör. Die heute angebotene CGO600 Pro New Edition leistet laut TENWAYS 40 Nm, besitzt ein Farbdisplay und wiegt komplett 19 Kilogramm. Riemenantrieb und 360-Wh-Wechselakku bleiben Teil des Konzepts.

Aufbau: in weniger als 30 Minuten startklar

Das CGO600 Pro kommt ordentlich geschützt und weitgehend vormontiert an. Nach dem Entfernen der vielen Kabelbinder bleiben Vorderrad, Schutzblech, Lenker, Pedale und Sattel; Werkzeug, kleine Pumpe und eine gut bebilderte Anleitung liegen bei. Wichtig: Nach dem Entfernen der Transportsicherung die Bremshebel erst betätigen, wenn das Vorderrad sitzt. Im Test war das Rad nach weniger als einer halben Stunde startklar.

Design und Verarbeitung: stark auf den ersten Blick

Die schlanke Linienführung wirkt hochwertig, das Markenlogo bleibt dezent und die Kabel verschwinden weitgehend im Vorbau. Besonders gelungen ist das vollständig in den Rahmen integrierte 20-Lux-Frontlicht. Es wird vom Fahrradakku gespeist und ist für den deutschen Straßenverkehr zugelassen.

Bei genauerem Hinsehen werden die Einsparungen sichtbar: Im oberen Rahmenbereich sind die Schweißnähte sauber verschliffen, weiter unten bleiben sie deutlich erkennbar. Das ist funktional kein Problem, zeigt aber, wo TENWAYS den Preis unterhalb der Premium-Konkurrenz hält. Die sichtbare Kabelführung am Lenker fällt dagegen kaum negativ auf.

Licht mit zwei Gesichtern: Das integrierte Frontlicht passt hervorragend zum Design. Das batteriebetriebene Rücklicht muss dagegen separat eingeschaltet und angeklemmt werden – für ein so durchdachtes Urban E-Bike eine unnötig provisorische Lösung.

Riemenantrieb und Wechselakku: die großen Alltagstrümpfe

Der Gates-Antrieb kombiniert ein CDX-Kettenblatt mit einem CDN-Carbonriemen. Er läuft nahezu lautlos, bleibt sauber und verlangt im Alltag kaum mehr als gelegentliches Abwischen und eine Kontrolle der Riemenspannung. Eine Öffnung im Rahmen erleichtert den späteren Wechsel. Laut Hersteller soll der Riemen mindestens 5.000 Kilometer durchhalten.

Mindestens ebenso wichtig ist der 360-Wh-Akku mit LG-Zellen. Er sitzt schlank im Unterrohr, lässt sich mit einem der beiden Schlüssel entriegeln und zum Laden mit in die Wohnung nehmen. Wer am Stellplatz eine Steckdose besitzt, lädt direkt am Rad. Drei LEDs am Akku zeigen den Ladestand auch außerhalb des Fahrrads an. Mit dem 3-Ampere-Ladegerät dauert eine vollständige Ladung im Test rechnerisch gut dreieinhalb Stunden.

Riemen und Wechselakku sind keine Design-Gimmicks – sie machen das CGO600 Pro erst zum überzeugenden Pendler-Rad.

Motor und Fahrgefühl: leise, direkt, klar begrenzt

Im Testmodell liefert der kompakte Hinterradmotor 250 Watt und bis zu 35 Newtonmeter. Der Drehmomentsensor richtet die Unterstützung nach der eigenen Tretkraft aus; wer kräftiger tritt, bekommt unmittelbar mehr Schub. Das wirkt natürlicher als eine starre, geschwindigkeitsabhängige Unterstützung. Drei Fahrstufen stehen zur Wahl.

Der Motor arbeitet angenehm leise und passt am besten zu flachen oder moderat hügeligen Stadtstrecken. Wird es steiler, fehlt dem Singlespeed eine leichtere Übersetzung. Beim getesteten Rad vergingen zudem zwei bis drei Pedalumdrehungen, bevor die Unterstützung spürbar einsetzte. Im fließenden Verkehr stört das wenig, beim Anfahren am Hang dagegen schon.

Die Übersetzung passt gut zum Stadtverkehr; oberhalb von etwa 27 km/h steigt die Trittfrequenz merklich. Dank des niedrigen Gewichts lässt sich das Rad auch ohne Unterstützung ordentlich bewegen. TENWAYS nennt bis zu 100 Kilometer Reichweite, weist aber selbst auf den Einfluss von Temperatur, Strecke und Fahrergewicht hin. Eine vollständige Reichweitenmessung wurde in diesem Test nicht durchgeführt, deshalb leite ich daraus bewusst keinen eigenen Kilometerwert ab.

Komfort und Bremsen: Asphalt ist sein Revier

Das CGO600 Pro sitzt sportlich und leicht nach vorn geneigt auf der Straße. Über den winkelverstellbaren Vorbau lässt sich der Lenker für eine etwas aufrechtere Haltung anpassen. Drei Rahmengrößen helfen bei der ergonomischen Abstimmung. Die hydraulischen Tektro-Scheibenbremsen verzögern kontrolliert, im ersten Zugriff eher weich, bei einer Vollbremsung aber kräftig genug – auch im Gefälle.

Die pannengeschützten 28-Zoll-Reifen von CST sind 40 Millimeter breit. Auf Asphalt rollen sie leicht, vermitteln guten Grip und unterstützen den agilen Charakter des Fahrrads. Komfortwunder sind sie nicht: Ohne Federgabel oder gefederte Sattelstütze gelangen Stöße über den Aluminiumrahmen direkt zum Fahrer. Waldwege funktionieren mit Zurückhaltung, Schotter wird ruppig und Kopfsteinpflaster macht auf Dauer wenig Freude.

Display und App: beim Testmodell nur Grundausstattung

Das kompakte OLED-Display passt optisch zum Fahrrad und zeigt Akkustand, Geschwindigkeit, Gesamtkilometer und Fahrstufe. Zwei Tasten und eine Wippe reichen für die Bedienung. Nach dem Einschalten schützt ein persönlicher vierstelliger Code den Zugriff auf das System.

Die App-Verbindung funktionierte beim Testmodell stabil, der damalige Funktionsumfang blieb jedoch überschaubar: Tacho und einfache Fahrstatistiken waren vorhanden, GPS-Ortung, automatische Standorterkennung und ein umfassender digitaler Diebstahlschutz nicht. Die aktuelle TENWAYS-App bietet inzwischen unter anderem Navigation und ein integriertes Hilfe-Center. Diese späteren Funktionen ändern die Bewertung des getesteten Softwarestands nicht.

Stärken und Schwächen des TENWAYS CGO600 Pro

Stärken

  • zeitloses, schlankes Rahmendesign
  • leiser und wartungsarmer Carbonriemen
  • natürliche Unterstützung per Drehmomentsensor
  • herausnehmbarer, sauber integrierter Akku
  • hydraulische Scheibenbremsen
  • geringes Gewicht und agiles Handling

Schwächen

  • keine Gangschaltung für sehr steile Anstiege
  • spürbare Verzögerung beim Motorstart
  • hart auf Schotter und Kopfsteinpflaster
  • batteriebetriebenes, separates Rücklicht
  • App der getesteten Generation nur mit Grundfunktionen
  • einfache Kunststoffpedale

Für wen eignet sich das CGO600 Pro?

Seine besten Seiten zeigt das CGO600 Pro bei Pendlern, die überwiegend auf Asphalt und gut ausgebauten Radwegen unterwegs sind. Der entnehmbare Akku hilft ohne Steckdose am Stellplatz, das geringe Gewicht beim Tragen in Keller oder Wohnung. Wer ein sauberes, leises und direktes Fahrgefühl sucht, bekommt viel Gegenwert.

Weniger passend ist das Rad für grobe Wege, sehr steile Regionen oder Fahrer, die maximalen Komfort erwarten. Wer regelmäßig Höhenmeter sammelt, findet im aktuellen CGO600 Plus mit Achtgangschaltung die vielseitigere Alternative innerhalb der Modellfamilie. Ein solides mechanisches Schloss bleibt bei beiden Varianten unverzichtbar.

Detailaufnahmen aus dem Praxistest

TENWAYS CGO600 Pro E-Bike in Seitenansicht am Wasser
Das CGO600 Pro tritt mit schlankem Urban-Bike-Rahmen, Schutzblechen und Riemenantrieb an.
TENWAYS CGO600 Pro beim Auspacken
Das CGO600 Pro wird weitgehend vormontiert geliefert; Lenker und Anbauteile müssen eingerichtet werden.
Pedal und Carbonriemen des TENWAYS CGO600 Pro
Der Carbonriemen arbeitet sauber, leise und mit geringem Wartungsaufwand.
Ladeanschluss am Unterrohr des TENWAYS CGO600 Pro
Der Ladeanschluss sitzt geschützt im Unterrohr neben dem integrierten Akku.
TENWAYS CGO600 Pro vor moderner Architektur
Die zurückhaltende Integration von Motor und Akku passt zum urbanen Auftritt.

Weitere Eindrücke aus dem Stadtalltag findest du im Cowboy Cruiser Test und im Urtopia Carbon 1 Pro Test. Achte beim Vergleich besonders auf Sitzposition, Antrieb und die Frage, welche Ausstattung du auf deinem Arbeitsweg wirklich nutzt.

Fazit: stark, wenn Singlespeed wirklich passt

Das TENWAYS CGO600 Pro hält sein zentrales Versprechen: Es macht den eleganten Urban-E-Bike-Stil bezahlbarer, ohne bei den entscheidenden Fahrkomponenten billig zu wirken. Der leise Motor, der fein reagierende Drehmomentsensor, der Carbonriemen und die hydraulischen Bremsen ergeben auf Asphalt ein spritziges, angenehm direktes Gesamtpaket.

Die Kehrseite gehört zum Konzept: Ohne Federung und Gangschaltung bleibt der Einsatzbereich auf Stadt und gute Wege konzentriert. Beim Testmodell wirken das separate Rücklicht und die einfache App weniger durchdacht als Frontlicht und Akkuintegration. Wer Singlespeed bewusst wählt, erhält dennoch ein leichtes Pendler-Rad mit starkem Preis-Leistungs-Verhältnis – und eine glaubwürdige Alternative zu deutlich teureren Design-E-Bikes.

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Henne

Ich bin Henne und bei HennTech dreht sich alles um E-Scooter, E-Bikes und das passende Zubehör. Ich probiere aus, wie sich die Fahrzeuge im Alltag schlagen und ob sie wirklich halten, was die Hersteller versprechen. Kommt mit!