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Urbane E-Bikes mit Riemenantrieb sind häufig wartungsarm, beschränken sich aber auf eine feste Übersetzung. Das ADO Air 30 Ultra will diesen Zielkonflikt mit einer mechanischen Dreigangautomatik lösen, die ohne Schalthebel und sogar ohne Motorstrom funktioniert. Im Test musste sich zeigen, wie natürlich dieses Konzept im Pendelalltag fährt – und ob Rahmen, Sitzposition und Ausstattung zum vielseitigen Anspruch passen.
Mein Urteil: Das ADO Air 30 Ultra ist besonders für sportlich sitzende Pendler geeignet, die überwiegend auf guten Wegen fahren und einen wartungsarmen Antrieb ohne manuelles Schalten suchen. Die mechanische Dreigangautomatik ist kein Technik-Gimmick, sondern der wichtigste Kaufgrund: Zusammen mit Riemen und Drehmomentsensor sorgt sie für ein natürliches und vielseitigeres Fahrgefühl als bei einem Singlespeed-Riemenrad. Auf regelmäßig grobem Untergrund bleiben die Starrgabel und die nach vorn geneigte Sitzposition die entscheidenden Komfortgrenzen.
3 GängeAutomatik
40 NmDrehmoment
370 WhAkkukapazität
etwa 70 kmReichweiten-Schätzung
Der Antrieb ist der eigentliche Grund für das Ultra
Im Hinterrad kombiniert der Bafang-H730-Antrieb einen 250-Watt-Motor mit einer automatischen Dreigangschaltung. ADO nennt 40 Nm Drehmoment. Die variable Übersetzung soll die Kraft gerade bei niedriger Geschwindigkeit besser nutzbar machen. Auf der Straße reagiert der Antrieb direkt auf den ersten Tritt und beschleunigt kräftig, ohne unvermittelt nach vorn zu ziehen.
Dafür ist der Drehmomentsensor entscheidend. Trete ich stärker, wächst die Unterstützung passend mit. Das macht sich beim Anfahren ebenso bemerkbar wie am Berg. Auf meiner steilen Teststrecke konnte ich im Sattel bleiben und mit angenehmer Trittfrequenz nach oben fahren. Die Automatik nimmt mir dabei die Gangwahl ab. Auch an der Unterstützungsgrenze entsteht kein abrupter Widerstand; der Schub läuft harmonisch aus.
Der Carbonriemen läuft leise und benötigt keine Kettenschmierung. Zusammen mit dem zurückhaltenden Motorgeräusch bleibt der Antrieb akustisch unauffällig und reduziert den regelmäßigen Pflegeaufwand.
Die Automatik funktioniert auch ohne Akku
Mit ausgeschalteter Unterstützung lässt sich das Air 30 Ultra erstaunlich entspannt bewegen. Ich kam im ersten Gang gut vom Fleck. Bei ungefähr 14 km/h wechselte die Nabe in den zweiten, bei etwa 21 km/h in den dritten Gang. Auch jenseits von 25 km/h blieb die Trittfrequenz angenehm. Für eine Weiterfahrt mit leerem Akku ist das eine echte Stärke.
Die Nabe schaltet mechanisch über Fliehkräfte und benötigt dafür keinen Strom. Ihre drei Übersetzungen bleiben also auch ohne eingeschalteten Motor oder eingesetzten Akku verfügbar. Das unterscheidet das Ultra von vielen reduzierten Riemenrädern mit nur einem Gang. Mehr zu den Antriebskonzepten steht im E-Bike-Motorenratgeber.
ADO Air 30 Ultra Test: die wichtigsten Eckdaten
| Einsatzbereich | Sportliches City-E-Bike für Pendeln und kleinere Ausflüge |
| Rahmen | Aluminium, Größen M und L |
| Motor | Bafang H730 Heckmotor, 250 W Nenndauerleistung, 40 Nm Herstellerangabe |
| Antrieb | Carbonriemen und automatische Dreigangnabe |
| Sensorik | Drehmomentsensor |
| Akku | 370 Wh / 10 Ah, seitlich herausnehmbar |
| Reichweite | Bis 100 km Herstellerangabe; meine Schätzung etwa 70 km, keine gemessene Testreichweite |
| Laden | 2,5-A-Ladegerät, ungefähr 4–6 Stunden |
| Komfort | Starre Gabel, gefederte Sattelstütze |
| Bremsen | Hydraulische Tektro-Scheibenbremsen, 160 mm |
| Anzeige | 3,5-Zoll-Farbdisplay mit USB-C-Anschluss |
| Alltagsausstattung | Metall-Schutzbleche, Ständer, Gepäckträger bis 25 kg, Licht und hintere Blinker |
| Smartfunktionen | App, Navigation auf dem Display und GPS-Ortung |
Sportliche Haltung statt weicher Tourensessel
Der gerade Lenker bringt den Oberkörper leicht nach vorn. Dazu passt das direkte Handling: Auf Asphalt lenkt das Air 30 Ultra agil ein und bleibt in Kurven gut kontrollierbar. Die Reifen bieten auch auf geschotterten Rad- und Feldwegen ausreichend Halt für gelegentliche Ausflüge.
Auf Kopfsteinpflaster tritt der Komfortkompromiss hervor. Die gefederte Sattelstütze dämpft einzelne Stöße, erreicht bei kräftigen Kanten aber ihre Grenzen. An den Händen kommen Unebenheiten deutlich an. Zusammen mit der nach vorn geneigten Haltung kann das auf längeren Strecken die Handgelenke belasten.
Der Vorbau meines Testrads lässt sich weder im Winkel noch in der Höhe bequem verstellen. Umso wichtiger ist die passende Rahmengröße. ADO ordnet M etwa 1,53 bis 1,75 Metern und L etwa 1,73 bis 1,95 Metern Körpergröße zu. Ich bin die Größe L gefahren. Am oberen Ende dieser Spanne dürfte es aus meiner Sicht bereits enger werden; die Herstellerzuordnung ersetzt keine individuelle Sitzprobe.
Komfort im Alltag: Die gefederte Sattelstütze dämpft Stöße am Sattel, die Starrgabel bleibt an den Händen spürbar. Bei der Probefahrt lohnt deshalb ein Abschnitt mit dem Belag, der den eigenen Arbeitsweg prägt.
Schlanker Rahmen, sinnvoller Lieferumfang
Mattes Grau, ein nach hinten abfallendes Oberrohr und weitgehend geglättete Übergänge geben dem Aluminiumrahmen einen hochwertigen Auftritt. Der Akku fügt sich dezent ein; deutlichere Schweißnähte finden sich erst am Tretlager. Weniger ruhig wirken die zahlreichen Aufdrucke und das volle Cockpit. Die Leitungen sind immerhin ordentlich gebündelt und verschwinden zügig im Vorbau.
Im Alltag überzeugen vor allem die bereits mitgelieferten Teile. Stabile Metall-Schutzbleche, Ständer und ein Gepäckträger mit bis zu 25 Kilogramm Traglast waren dabei. Taschen lassen sich seitlich gut einhängen. Die Kunststoffpedale fallen einfacher aus, die Griffe sitzen dafür fest und verdrehen sich nicht. Auch die elektrische Steckverbindung am Heckmotor ist praktisch, weil sich der Antrieb bei Arbeiten am Hinterrad trennen lässt.
Das Rad kam unbeschädigt an. Mit deutscher Anleitung waren Lenker, Vorderrad, Pedale und Sattel in ungefähr einer halben Stunde montiert. Schutzbleche und Ständer saßen bereits an ihrem Platz.
Display und App: viel Nutzen, etwas Feinschliff fehlt
Display und Bedienung
Das mittige 3,5-Zoll-Farbdisplay ist hell und gut ablesbar. Es zeigt unter anderem Geschwindigkeit, Fahrstufe, Tages- und Gesamtkilometer sowie Durchschnitt und Uhrzeit. Am USB-C-Anschluss lässt sich ein Gerät versorgen. Das Bedienteil links wirkt etwas klobig, seine Tasten haben aber einen guten Druckpunkt und sind mit dem Daumen leicht erreichbar.
Fahrstufen und Navigation
Die drei regulären Unterstützungsstufen sind recht kräftig abgestimmt. In der App kann ich auf fünf Stufen wechseln und dadurch feiner wählen. Daneben stehen Sport und Eco zur Verfügung; Eco reduziert die Unterstützung zugunsten eines sparsameren Betriebs. Die Navigation überträgt ihre Anweisungen auf das Fahrrad-Display. Das ist praktisch, weil das Smartphone in der Tasche bleiben kann.
Beim Softwarestand vom Juni 2025 trübten englische Texte und kleinere Navigationsfehler den Eindruck. Die Routenführung erreichte noch nicht die Reife etablierter Navigationsdienste. Der direkte Servicezugang in der App war dagegen eine nützliche Ergänzung.
GPS-Ortung als Ergänzung zum Schloss
Die Standortanzeige funktionierte im Test zuverlässig: Über das Mobilfunknetz ließ sich die Position des Rads auch aus der Entfernung in der App abrufen. Das ergänzt ein mechanisches Schloss, ersetzt es aber nicht. Zum Testzeitpunkt war das erste Nutzungsjahr inklusive, danach sollte eine Gebühr anfallen. Automatische Diebstahlmeldungen und Geofencing waren lediglich angekündigt und fließen deshalb nicht in die Bewertung ein.
Der Wechselakku macht das Laden unkompliziert
Im schlanken Unterrohr steckt ein Akku mit rund 370 Wh. Die Entnahme ist doppelt gesichert: Mit dem Schlüssel lässt er sich zunächst seitlich herausklappen, erst nach dem zusätzlichen Entriegeln ganz herausnehmen. Das gelingt einfach, und das schmale Format lässt sich gut mitnehmen. Auch der ungefähre Ladestand ist direkt am entnommenen Akku über eine LED abrufbar.
Geladen wird im Rad oder separat. Das mitgelieferte Ladegerät liefert bis zu 2,5 A; für eine vollständige Ladung sind ungefähr vier bis sechs Stunden einzuplanen. Im Alltag ist die Entnahme besonders dann nützlich, wenn das Rad im Keller steht und die Steckdose in der Wohnung ist.
ADO nennt bis zu 100 Kilometer Reichweite unter günstigen Bedingungen. Meine Einschätzung liegt eher in der Größenordnung von 70 Kilometern; eine gemessene Testreichweite ist das ausdrücklich nicht. Besonders viele Steigungen und kräftige Unterstützung verlangen zusätzliche Reserve. Auch Fahrergewicht und Temperatur beeinflussen die Reichweite. Mehr dazu steht im Ratgeber zu Reichweite und Akkupflege.
Gute Bremsen, beim Blinker wünsche ich mir mehr Helligkeit
Die hydraulischen Tektro-Bremsen mit 160-mm-Scheiben packen kräftig zu und lassen sich gut dosieren. Auch am Gefälle fühlte sich das Bremsen kontrolliert an. Der Frontscheinwerfer ist hell und bereits in der Dämmerung gut sichtbar. Damit passt die grundlegende Ausstattung zum Pendelalltag.
Der Blinker im Rücklicht lässt sich über die Wippe am Lenker bequem bedienen. Seine Helligkeit fällt jedoch knapp aus: Bei Tageslicht ist er erkennbar, dürfte sich aber deutlicher abheben. Reflektierende Reifenstreifen ergänzen die seitliche Sichtbarkeit.
Stärken und Schwächen im Überblick
Vorteile
- Dreigangautomatik schaltet rein mechanisch und damit auch ohne Motorstrom.
- Drehmomentsensor dosiert die Unterstützung direkt und nachvollziehbar.
- Leiser, wartungsarmer Carbonriemen.
- Entnehmbarer Akku und umfangreiche Pendlerausstattung.
- GPS-Ortung funktionierte im Test zuverlässig.
Nachteile
- Sportliche Sitzposition und straffe Front begrenzen den Langstreckenkomfort.
- Vorbau kaum verstellbar; passende Rahmengröße besonders wichtig.
- App und Navigation zeigten im getesteten Softwarestand noch Schwächen.
- Hinterer Blinker fällt bei Tageslicht zu dezent aus.
Fazit: Ein unkomplizierter Pendler mit sportlicher Note
Die Dreigangautomatik ist beim Air 30 Ultra mehr als ein Ausstattungsdetail. Sie erleichtert wechselnde Geschwindigkeiten und Steigungen, während der Drehmomentsensor die Unterstützung nachvollziehbar dosiert. Dass die Nabe auch ohne Strom schaltet, macht das Rad bei leerem Akku vielseitiger als ein vergleichbares Modell mit nur einer Übersetzung.
Zum Testpreis von rund 2.000 Euro am 23. Juni 2025 bot ADO zudem eine umfangreiche Alltagsausstattung, einen entnehmbaren Akku und funktionierende GPS-Ortung. Den größten Kompromiss verlangt der Komfort. Die Sattelstütze mildert Stöße, ändert aber weder die sportliche Haltung noch die straffe Front. Dazu kamen beim damaligen Softwarestand kleinere App-Schwächen und ein zu dezenter Blinker.
Für Pendler mit überwiegend guten Wegen und Freude an einer aktiveren Sitzposition ist das ein überzeugendes Angebot. Wer dasselbe Automatikprinzip in einem kompakten Faltrad sucht, findet es im ADO Air 20 Ultra. Deutlich komfortorientierter fährt sich der ebenfalls von mir getestete ADO Air 28 Pro mit Federgabel, allerdings mit einer anderen Antriebsabstimmung.
ADO Air 30 Ultra kaufen: auf die Variante achten
ADO führt Air 30 Pro und Air 30 Ultra auf derselben Produktseite. Dieser Test bezieht sich auf das Air 30 Ultra mit drei automatisch geschalteten Gängen; das Pro besitzt eine Zweigangautomatik. Maßgeblich sind die im Shop ausgewählte Variante, der aktuelle Preis und die dort genannten Gutscheinbedingungen.
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ADO Air 30 Ultra
City-E-Bike mit Dreigangautomatik
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