Deruiz Turmali Comfort Test: Reicht ein Gang im Alltag?

Riemenantrieb, Federgabel und 63 Kilometer im Praxistest: Das Deruiz Turmali Comfort fährt bequem und leise – doch der einzelne Gang passt nicht zu jeder Strecke.

Testvideo vom Artikel aktualisiert am

Das Deruiz Turmali Comfort wirkt zunächst wie ein klassisches Komfort-E-Bike: tiefer Einstieg, aufrechte Haltung, Federgabel und breite Reifen. Ungewöhnlich wird es beim Gewicht und beim Antrieb. Die getestete Riemenvariante bleibt mit 19,8 Kilogramm vergleichsweise handlich, besitzt aber nur einen Gang. Im Alltag entscheidet deshalb weniger die Ausstattungsliste als das eigene Streckenprofil.

Mein Urteil: Auf überwiegend flachen Stadt- und Pendelstrecken ist das Turmali Comfort angenehm leise, bequem und unkompliziert. Wer häufig steil fährt oder schwer beladen startet, sollte statt der Riemenvariante mit fester Übersetzung die angebotene Kettenversion prüfen.

Beiges Deruiz Turmali Comfort mit Tiefeinstieg, Riemenantrieb und Federgabel am See
Das Turmali Comfort verbindet einen tiefen Einstieg mit vollständiger Alltagsausstattung.

Entspannt durch die Stadt: Einstieg und Sitzposition

Das Turmali Comfort ist ein Urban-E-Bike für Pendelstrecken, Einkäufe und entspannte Feierabendrunden. Sein tiefer Einstieg macht sich gerade im Stop-and-go bezahlt: Anhalten, absteigen und wieder losfahren gelingt unkompliziert. Dazu kommt ein deutlich zum Fahrer gezogener Lenker. Über den weit verstellbaren Vorbau lässt sich die Haltung zwischen etwas aktiver und ziemlich aufrecht anpassen.

Mit meinen 1,80 Metern hat die Sitzposition gut gepasst. In langsamen Kurven bleibt das Rad kontrollierbar; der breite Lenker gibt genügend Hebel, ohne beim Rangieren unnötig ausladend zu wirken. Die 19,8 Kilogramm inklusive Akku sind ebenfalls angenehm. Beim Abstellen im Keller oder Anheben über eine Kante wirkt es handlicher als viele schwere E-Bikes. Mühelos in den vierten Stock trägt man es deshalb trotzdem nicht.

Vor dem Kauf probesitzen: Im Testzeitraum gab es nur eine Rahmengröße mit 48,5 cm. Der verstellbare Vorbau schafft Spielraum, ersetzt aber keine passende Rahmengeometrie. Gerade sehr kleine oder sehr große Fahrer sollten die Sitzposition sorgfältig prüfen.

Winkelverstellbarer Vorbau mit Smartphoneaufnahme am Deruiz Turmali Comfort
Der verstellbare Vorbau und die integrierte Smartphoneaufnahme im Detail.
Ergonomisch geformter schwarzer Lenkergriff des Deruiz Turmali Comfort
Die ergonomisch geformten Griffe bieten eine verbreiterte Handauflage.

Technische Daten der getesteten Riemenvariante

Getestete AusführungAluminium-Tiefeinsteiger mit Riemenantrieb
Motor250 Watt, 35 Nm, Hinterradantrieb
UnterstützungFünf Stufen; Kadenz- und Drehmomentsensorik
AntriebGates Carbon Drive CDN, eine feste Übersetzung
Akku360 Wh, abschließbar und herausnehmbar
FederungSR-Suntour-Federgabel, 63 mm Federweg, Lockout und einstellbare Vorspannung
ReifenSchwalbe Big Apple, 50 mm breit
BremsenHydraulische Tektro-Scheibenbremsen, 160 mm vorn und hinten
Gewicht inklusive Akku19,8 kg
Zulässiges Gesamtgewicht160 kg inklusive Fahrrad
GepäckträgerBis zu 15 kg Traglast
Laden4-A-Ladegerät; ungefähr 2,5 Stunden

Modellstand: Das Turmali Comfort wird weiterhin angeboten. Deruiz führt neben der hier getesteten Riemenvariante auch eine Version mit Shimano-CUES-Neungangschaltung. Sie ist die flexiblere Wahl für Steigungen und wechselnde Strecken, während der Riemenantrieb mit Ruhe und geringem Pflegebedarf punktet.

Leiser Riemenantrieb: gut abgestimmt, aber ohne kleinen Gang

Der kleine Hinterradmotor tritt optisch kaum in Erscheinung. Seine 35 Nm klingen zurückhaltend, passen aber zum entspannten Charakter des Rads. Die Unterstützung setzt weich ein und reagiert auch auf den Druck, den ich auf die Pedale bringe. Das Zusammenspiel der Sensorik ist sehr gelungen: Das Turmali fährt natürlich und gleichmäßig statt mit einem abrupten Schub anzuziehen.

Die ersten beiden Unterstützungsstufen bleiben dezent. Ab Stufe drei hilft der Motor deutlicher; Stufe fünf bringt den Schub für Gegenwind oder Steigungen. Unter Last ist er leicht zu hören. Auf glattem Asphalt bleibt der Antrieb insgesamt angenehm ruhig, auch weil weder Kette noch Schaltwerk zusätzliche Geräusche verursachen.

Der Gates-Riemen ist für mich eine der Stärken des Konzepts: sauber, leise und pflegeleicht. Dafür fehlt ein kleiner Gang zum Anfahren. Den ersten kräftigen Pedaltritt spüre ich durchaus, und ganz ohne Motorhilfe wird der Start aus dem Stand mühsamer. Sobald das Rad rollt, passt die feste Übersetzung auf ebenen Wegen gut. Auch oberhalb der Unterstützungsgrenze von 25 km/h lässt sich weiterfahren; ab ungefähr 30 km/h steigt die Trittfrequenz allerdings merklich.

Die steile Testrampe habe ich mit hoher Unterstützung und eigener Mitarbeit geschafft. Mein Eindruck bleibt dennoch klar: Für flache bis moderat hügelige Strecken funktioniert der einzelne Gang gut. Regelmäßig sehr steile Anstiege oder viel Gepäck sprechen eher für eine Schaltung. Daneben gibt es eine Kettenversion mit neun Gängen und einem stärkeren Motor mit 40 Nm. Getestet habe ich die Riemenvariante.

Wie sich Heckmotor und Drehmomentsensor auf das Fahrgefühl auswirken, erkläre ich ausführlicher im Ratgeber zu E-Bike-Motoren.

Gates Carbon Drive CDN am Hinterrad des Deruiz Turmali Comfort
Gates Carbon Drive CDN: Die getestete Ausführung setzt auf einen Riemen und einen festen Gang.
Deruiz- und Turmali-Schriftzug auf dem beigen Unterrohr
Die Modellbezeichnung sitzt dezent auf dem Unterrohr.

Federgabel und breite Reifen machen den Unterschied

Der Komfort entsteht aus mehreren Bauteilen. Vorn arbeitet eine SR-Suntour-Gabel mit 63 mm Federweg. Ihre Vorspannung lässt sich einstellen, über den Lockout kann ich sie sperren. Auf schlechten Radwegen, Kopfsteinpflaster und kleineren Kanten nimmt sie spürbar Härte heraus. Die 50 mm breiten Schwalbe Big Apple ergänzen das sinnvoll: Ihr größeres Luftvolumen dämpft feine Vibrationen, bevor die Gabel den Rest übernehmen muss.

Das fährt sich im Alltag deutlich entspannter als ein puristisches Urban-E-Bike mit Starrgabel. Auf kurzen Schotterpassagen und festen Parkwegen kam ich ebenfalls gut zurecht. Hinten fehlt jedoch eine Federung. Wird der Untergrund grob oder fahre ich schnell über ausgewaschene Wege, kommen die Schläge am Sattel weiter durch. Das Turmali Comfort bleibt damit ein Rad für befestigte Wege und leichte Abstecher.

Reichweite: 63 Kilometer mit Restakku

Der 360-Wh-Akku ist kompakt, passt aber zum leichten Stadtrad. In meinem Test legte das Turmali Comfort rund 63 Kilometer zurück; anschließend zeigte das Display noch etwa sechs Prozent Restakku. Gefahren bin ich mit 82 Kilogramm Fahrergewicht bei ungefähr 20 Grad auf einem gemischten, überwiegend flachen Profil. Die Angabe beschreibt eine echte Alltagsfahrt und keinen bis zur Abschaltung ermittelten Maximalwert.

TeststreckeRund 63 km bei 82 kg, etwa 20 °C und überwiegend flachem Mischprofil
RestanzeigeEtwa 6 % nach der Testfahrt
HerstellerangabeBis zu 110 km unter günstigen Bedingungen

Die Herstellerangabe von bis zu 110 Kilometern bleibt ein Idealwert. Aus meiner Fahrt ergibt sich für Stadt und Pendeln eine praxisnahe Größenordnung von etwa 60 bis 80 Kilometern. Viel Unterstützung, niedrige Temperaturen, Gegenwind oder längere Steigungen können diesen Bereich deutlich verkürzen.

Gut gelöst ist das Laden. Der Akku lässt sich seitlich aus dem Unterrohr nehmen oder direkt im Rahmen laden. Mit dem 4-A-Ladegerät dauert eine volle Ladung ungefähr zweieinhalb Stunden. Auch eine Ladepause auf einem längeren Ausflug wird dadurch praktikabel. Hinweise zum Einfluss von Fahrweise und Bedingungen findest du im Akku-Ratgeber.

Verarbeitung und Ausstattung: schlank, aber alltagstauglich

Lack, Schweißnähte und Übergänge hinterlassen einen sauberen Eindruck. Die Leitungen verschwinden weitgehend im Rahmen. Besonders gelungen finde ich die Akkuintegration: Auf der geschlossenen Rahmenseite fällt der Energiespeicher kaum auf, und auch an der Entnahmeseite bleiben die Übergänge ordentlich.

Aluminiumschutzbleche, Lichtanlage, längenverstellbarer Seitenständer und Gepäckträger sind bereits vorhanden. Der Träger ist unauffällig in das Rad integriert und trägt bis zu 15 Kilogramm. Für eine Arbeitstasche, kleinere Packtaschen oder Einkäufe ist das nützlich. Zusätzliche Befestigungspunkte am Rahmen erlauben etwa einen Flaschenhalter oder ein Schloss. Ergonomische Griffe und der Sattel runden die entspannte Ausrichtung ab.

Schwarzer Gepäckträger über dem hinteren Schutzblech des Deruiz Turmali Comfort
Der schmale Gepäckträger gehört zur serienmäßigen Alltagsausstattung.
Deruiz-Emblem und Befestigungspunkte am Steuerrohr des Turmali Comfort
Emblem und zusätzliche Befestigungspunkte am Steuerrohr.

Kleines Display, sinnvolle App und solide Bremsen

Links am Lenker sitzt ein kompaktes Farbdisplay mit Bedientasten. Geschwindigkeit, Akkustand und Unterstützungsstufe sind übersichtlich angeordnet; auch bei direkter Sonne konnte ich die Anzeige gut ablesen. Wer mehr Anzeigefläche oder Navigation möchte, kann die im Vorbau integrierte SP-Connect-Halterung nutzen. Dafür braucht das Smartphone eine passende Hülle oder einen Adapter.

Die Deruiz-App ergänzt das Display per Bluetooth um Fahrdaten und Routenaufzeichnung. Die Verbindung lief im Test stabil. Interessant finde ich die Wahl zwischen stärker kadenz- oder drehmomentorientierter Unterstützung; damit lässt sich der ohnehin sanfte Antrieb spürbar an den eigenen Fahrstil anpassen. Das Rad funktioniert zugleich ohne dauerhaftes Smartphone am Lenker und ohne verpflichtende Registrierung in der App.

Vorn und hinten bremsen hydraulische Tektro-Scheibenbremsen mit 160-mm-Scheiben. Im Test waren Druckpunkt und Dosierbarkeit ordentlich, die Reserven für dieses vergleichsweise leichte Urban-E-Bike ausreichend. Der 80-Lux-Scheinwerfer leuchtet den Bereich vor dem Rad gut aus und fällt auch durch seine seitliche Abstrahlung positiv auf. Das Rücklicht sitzt sauber im Schutzblech; reflektierende Reifenflanken ergänzen die Sichtbarkeit.

Farbdisplay des Deruiz Turmali Comfort mit Akkustand, Geschwindigkeit und Unterstützungsstufe
Das kompakte Display zeigt unter anderem den Akkustand in Prozent und die Unterstützungsstufe.
Runder Frontscheinwerfer am Lenker des Deruiz Turmali Comfort
Der Frontscheinwerfer sitzt am Lenker.

Stärken und Grenzen im Überblick

Stärken

  • Spürbarer Komfort durch Gabel, breite Reifen und aufrechte Sitzposition
  • Leiser, sauberer Riemenantrieb mit sanfter Motorunterstützung
  • Mit 19,8 kg vergleichsweise handlich trotz Vollausstattung
  • Herausnehmbarer Akku und kurze Ladezeit
  • Stabile App-Verbindung und sinnvolle Anpassung der Unterstützung

Grenzen

  • Feste Übersetzung verlangt beim Anfahren und an Steigungen mehr Eigenleistung
  • Kompakter Akku setzt bei hoher Unterstützung früher Grenzen
  • Eine Rahmengröße bietet nur begrenzten Spielraum
  • Für grobe Wege fehlt zusätzliche Federung am Heck

Fazit: Das Streckenprofil entscheidet

Das Turmali Comfort hält sein zentrales Versprechen: Es verbindet einen bequemen Tiefeinstieg mit einem Gewicht, das beim Rangieren nicht sofort nach schwerem Komfortrad wirkt. Federgabel, breite Reifen und die aufrechte Sitzposition harmonieren, der Hinterradmotor unterstützt sanft, und der Riemen verlangt im Alltag kaum Aufmerksamkeit.

Die feste Übersetzung bleibt der entscheidende Filter. Auf flachen bis moderat hügeligen Strecken gefällt mir die Riemenvariante gerade wegen ihrer Ruhe und Einfachheit. Bei regelmäßigen Steigungen, hoher Zuladung oder stark wechselndem Tempo ist die schaltbare Version vernünftiger. Eine Probefahrt sagt hier mehr als jede Ausstattungsliste.

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Henne

Ich bin Henne und bei HennTech dreht sich alles um E-Scooter, E-Bikes und das passende Zubehör. Ich probiere aus, wie sich die Fahrzeuge im Alltag schlagen und ob sie wirklich halten, was die Hersteller versprechen. Kommt mit!