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Eine automatische Schaltung ohne Schalthebel verspricht entspanntes Fahren, muss aber sowohl im Stadtverkehr als auch an Steigungen die passende Übersetzung finden. Das ADO Air 20 Ultra 2026 kombiniert dafür einen Bafang-Motor mit 50 Newtonmetern, drei automatisch geschaltete Gänge und einen wartungsarmen Riemenantrieb. Im Test musste sich zeigen, wie gut dieses Konzept im Alltag funktioniert – und ob das kompakte Faltrad auch bei wechselndem Tempo und anspruchsvolleren Rampen überzeugt.
Mein Urteil: Das ADO Air 20 Ultra 2026 ist besonders für Stadtpendler und Reisende geeignet, die möglichst wenig über Schalten und Wartung nachdenken möchten und ihr Faltrad nur selten über längere Strecken tragen. Der natürliche 50-Nm-Antrieb, der saubere Riemen und die Dreigangautomatik ergeben ein angenehm entspanntes Fahrgefühl bei wechselndem Tempo. Mit rund 22 Kilogramm ist das Ultra allerdings kein Leichtgewicht.
50 NmDrehmoment
3 GängeAutomatik
rund 22 kgfahrbereit
50–70 kmPraxis-Einschätzung
Mehr Schub durch den neuen Bafang-Motor
Im Hinterrad sitzt der Bafang H730 der zweiten Generation. Sein Drehmoment steigt gegenüber dem vorherigen Modell von 40 auf 50 Newtonmeter. Den zusätzlichen Schub spüre ich ab dem ersten Pedaldruck. In der kräftigsten Einstellung wird das Vorderrad beim Antritt sogar deutlich entlastet. Gleichzeitig bleibt der Motor angenehm leise.
Der Drehmomentsensor reagiert fein auf meine eigene Kraft. Dadurch fühlt sich die Unterstützung natürlich und direkt an. Serienmäßig gibt es drei Unterstützungsstufen, die sich in ihrer Leistungsabgabe unterscheiden und jeweils bis zur vorgesehenen Höchstgeschwindigkeit unterstützen. Im Systemmenü kann man alternativ fünf Stufen wählen. Zusätzlich lässt sich zwischen Eco und Sport umschalten. Für die volle Motorleistung nutzte ich Sport und die höchste Stufe.
Zum Antrieb gehört ein Carbonriemen. Damit entfallen das Nachölen einer Kette und die Gefahr, sich beim Falten oder Tragen an einer öligen Kette schmutzig zu machen. Zusammen mit der gekapselten Schaltung ergibt das einen wartungsarmen Antrieb. Regelmäßige Kontrollen am gesamten Fahrrad bleiben natürlich trotzdem nötig.
Dreigangautomatik: Sehr bequem, am Berg mit Eigenheit
Die drei Gänge stecken im Motorgehäuse und wechseln abhängig von der Geschwindigkeit automatisch. Schalthebel oder Schaltzüge gibt es nicht. Die Übergänge erfolgen im normalen Fahrbetrieb weich und leise. Weil die Schaltung nach dem Fliehkraftprinzip arbeitet, funktioniert sie auch ohne Strom. Genau diese Kombination aus Riemen, Automatik und Drehmomentsensor macht das Fahren für mich so entspannt.
Auf meiner 18-Prozent-Rampe zeigte sich aber die Grenze der Automatik. Ich startete mit Schwung im dritten Gang und fiel im oberen Abschnitt auf weniger als 11 km/h zurück. Das System schaltete unter meinem anhaltenden Pedaldruck nicht einfach in einen kleineren Gang. Erst als ich kurz die Kraft herausnahm, erfolgte der Gangwechsel. Danach konnte ich wieder ordentlich weitertreten.
Mein Tipp für steile Anstiege: Wenn die Geschwindigkeit sinkt und die Übersetzung zu schwer wird, kurz den Pedaldruck reduzieren. Im Test konnte die Automatik dann zurückschalten. Dauerhaft kräftig weiterzutreten hat den Wechsel dagegen nicht ausgelöst.
Für Brücken und moderate Stadtsteigungen reicht die Kraft gut aus. Auf sehr steilen Rampen muss man das Verhalten der Schaltung kennen. Es funktioniert, ist aber weniger frei steuerbar als eine manuelle Schaltung. Wer regelmäßig anspruchsvolle Berge fährt, sollte genau diesen Punkt bei einer Probefahrt ausprobieren.
Mit ausgeschalteter Unterstützung lässt sich das Rad ebenfalls gut bewegen. Das Anfahren verlangt deutlich mehr Einsatz. Danach schaltete die Automatik auch ohne Motorhilfe weiter: ungefähr bei 14 km/h in den zweiten und um 20 km/h in den dritten Gang. Ich kam auf der Ebene bis etwa 30 km/h, bevor die Trittfrequenz für mich zunehmend zu hoch wurde. Ein leerer Akku macht das Air 20 Ultra damit nicht unfahrbar.
Wendig in der Stadt, begrenzt komfortabel auf groben Wegen
Der schmale Lenker, die 20-Zoll-Räder und der niedrige Schwerpunkt ergeben ein sehr agiles Fahrverhalten. Ich kann das Rad präzise um enge Ecken führen, ohne dass es nervös wirkt. Das passt gut zu vollen Radwegen und kurzen Pendelstrecken. In diesem Umfeld macht mir das ADO besonders viel Spaß.
Die neue, leichtere Federgabel lässt sich in ihrer Härte einstellen und bei Bedarf sperren. Auf Asphalt ergänzt sie das Fahrwerk harmonisch. Auch leichte Schotter- und Parkwege funktionieren gut. Auf grobem Kopfsteinpflaster werden die Grenzen allerdings schnell deutlich. Dann kommen trotz Gabel spürbare Stöße durch, und die innen verlegten Leitungen können gegen den Aluminiumrahmen schlagen. Das erzeugt zusätzliche Geräusche.
Die CST-Reifen besitzen ein flaches Profil, eine Faser-Schutzeinlage gegen Pannen und umlaufende Reflexstreifen. Für den Stadtalltag ist das eine sinnvolle Kombination. Ein sehr weich gefedertes Tourenrad wird aus dem ADO damit aber nicht.
Technische Daten des getesteten Air 20 Ultra
| Getestete Version | Air 20 Ultra, Modelljahr 2026; Test im Mai 2026 |
| Rahmen | Faltbarer Aluminiumrahmen |
| Motor | Bafang H730, zweite Generation, 50 Nm |
| Sensorik | Drehmomentsensor |
| Schaltung | Automatische Dreigangschaltung im Hinterradantrieb |
| Antrieb | Carbonriemen |
| Akku | In der abschließbaren Sattelstütze; 360 Wh beim Test angegeben, aktuelle Produktdaten 37 V / 10 Ah (370 Wh) |
| Ladezeit | Ungefähr 4–6 Stunden |
| Herstellerreichweite | Bis 100 km |
| Reichweite (Einschätzung) | Etwa 60–70 km in Eco, eher rund 50 km bei viel Sportmodus oder Steigungen |
| Gewicht | Rund 22 kg fahrbereit |
| Räder | 20 Zoll, CST-Reifen mit Faser-Pannenschutzeinlage |
| Federung | Vorne einstellbare Federgabel mit Sperrfunktion |
| Bremsen | Hydraulische Scheibenbremsen von Tektro |
| Cockpit | Farbdisplay, USB-C, NFC und Bluetooth-App mit Pfeilnavigation |
| Gepäck | MIK-Gepäckträger hinten, AQS-2.0-Adapter vorne |
| Falten | Mit etwas Übung in weniger als einer Minute; magnetische Verbindung der Räder |
Sitzposition und Verarbeitung: Gut, aber auf die Schuhe achten
Das matte Silbergrau, die geglätteten sichtbaren Schweißnähte und die sauber integrierten Leitungen geben dem Air 20 Ultra einen hochwertigen Auftritt. An weniger sichtbaren Stellen sind Schweißnähte erkennbar, aber ebenfalls ordentlich ausgeführt. Der Rahmen und sein Faltgelenk fühlen sich grundsolide an. Front- und Rücklicht sind nun direkt in Rahmen beziehungsweise Gepäckträger integriert.
Mit meinen 1,80 Metern passt die Sitzposition gut. Ab etwa 1,90 Metern wäre ich bei diesem kompakten Rahmen vorsichtig und würde vor dem Kauf unbedingt probesitzen. Trotz einstellbarer Sattel- und Lenkerhöhe bleiben die Proportionen eines Faltrads bestehen. Eine sehr breite Herstellerempfehlung ersetzt für mich deshalb keine eigene Sitzprobe.
Bei großen Füßen ist der ausladende Hinterbau ein weiterer Punkt. Mit meinen breiten Sneakern berührte ich ihn je nach Fußstellung leicht. Das hat mich nicht grundsätzlich gestört, verlangt aber etwas Aufmerksamkeit bei der Position auf den Pedalen. Wer große Schuhe trägt, sollte auch das beim Ausprobieren prüfen.
ADO Air 20 Ultra falten und transportieren
Mit etwas Übung ist das Air 20 Ultra in weniger als einer Minute zusammengelegt. Pedale einklappen, Sattelstütze absenken, Rahmen entriegeln und Vorderrad zum Hinterrad schwenken. Danach lässt sich der Lenker nach unten klappen. Die beim Aufbau montierte Magnetplatte verbindet beide Räder und verhindert, dass das Paket ständig wieder auseinandergeht.
Gefaltet steht das Rad auf mehreren Punkten recht stabil. Für den Kofferraum, den Flur oder Campingreisen ist das praktisch. Über eine längere Strecke lässt sich das Paket jedoch nicht gut rollen: Pedale und Räder können sich verkanten. Als Ersatz für einen Trolley würde ich es deshalb nicht betrachten.
Das ausgeklappte Rad lässt sich gut greifen und ist recht ausgewogen. Dennoch bleiben fahrbereit rund 22 Kilogramm zu tragen. Für ein Faltrad mit Federgabel, Schutzblechen und Gepäckträger finde ich das vertretbar. Wer es täglich mehrere Etagen hinauftragen muss, sollte das Gewicht stärker gewichten als die kompakte Form.
Im Flur
Kompakt zusammengelegt und durch den Magneten zusammengehalten. Gut zum Verstauen.
Auf der Treppe
Gut zu greifen, aber mit rund 22 Kilogramm deutlich spürbar. Kein Leichtgewicht fürs tägliche Schleppen.
Am Bahnsteig
Längeres Rollen im gefalteten Zustand ist umständlich. Die Mitnahmebedingungen des Betreibers vorher prüfen.
Akku in der Sattelstütze und Reichweite realistisch planen
Der Akku sitzt in der Sattelstütze und lässt sich zusammen mit dem Sattel herausnehmen. Beim Test war er mit 360 Wattstunden angegeben; die aktuelle Produktseite nennt 37 Volt und 10 Amperestunden, rechnerisch also 370 Wattstunden. Ein Schloss sichert die Einheit beim Abstellen. Das ermöglicht das Laden in der Wohnung, ohne das gesamte Fahrrad hochzutragen. Nach ungefähr vier bis sechs Stunden ist der Akku wieder geladen.
Eine vollständige Reichweitenmessung habe ich mit diesem Testmodell nicht durchgeführt. Für meine übliche Vergleichsannahme – 82 Kilogramm Fahrergewicht, rund 20 Grad und ein überwiegend flaches Profil – halte ich 60 bis 70 Kilometer im Eco-Modus für eine plausible Planung. Bei viel Sportmodus oder häufigen Steigungen würde ich eher mit rund 50 Kilometern rechnen. Das ist eine Praxiseinschätzung, kein Messwert. Welche Faktoren den Aktionsradius verändern, erkläre ich in meinem Akku-Ratgeber.
Display und Navigation gefallen, NFC hat noch Grenzen
Das Farbdisplay ist angenehm groß und auch bei direkter Sonne sehr gut ablesbar. Die Bedieneinheit links am Griff funktioniert intuitiv. Plus und Minus wechseln die Unterstützungsstufe, beide Tasten gemeinsam öffnen das Systemmenü. Dort lassen sich unter anderem Helligkeit und die Anzahl der Stufen anpassen.
Per Bluetooth verbindet sich das Rad mit der ADO-App. Sie bietet Fahrstatistiken, Displayeinstellungen und eine Pfeilnavigation auf dem Fahrradbildschirm. Diese Navigation hat im Alltag gut funktioniert. Das Smartphone kann dabei in der Tasche bleiben. Ein USB-C-Anschluss am Display hilft beim Nachladen eines Geräts.
Eine GPS-Ortung ist nicht enthalten. NFC ermöglicht dagegen einen schnellen Systemstart: Karte ans Display halten, und in weniger als zwei Sekunden ist das Rad bereit. Mit zusätzlich aktivierter PIN-Sperre lässt sich die Unterstützung nicht einfach am Knopf einschalten. Ein mechanisches Schloss ersetzt das nicht. Im Lieferumfang war nur eine NFC-Karte, und das Entsperren per Smartphone funktionierte bei mir noch nicht. Hier sehe ich Verbesserungspotenzial.
Bremsen, Licht und Gepäck im Pendleralltag
Die hydraulischen Tektro-Scheibenbremsen greifen harmonisch und lassen sich gut dosieren. Bei kräftigen Bremsversuchen aus 25 km/h und auf Gefälle blieb das Rad spurtreu und kontrollierbar. Die Anlage packt nicht unangenehm abrupt zu und passt gut zum unkomplizierten Fahrgefühl.
Die überarbeitete Beleuchtung bietet eine gute Lichtausbeute. Das Frontlicht sitzt allerdings starr im Rahmen. In engen Kurven dreht es sich daher nicht mit der Gabel mit und leuchtet zunächst weiter geradeaus. Auf Blinker verzichtet ADO bei der 2026er-Version. Für mich ist das gegenüber der vorherigen Ausstattung ein kleiner Rückschritt. Auch der filigrane Ständer dürfte robuster ausfallen.
Sehr gelungen finde ich dagegen die Gepäcklösungen. Auf dem MIK-Träger lässt sich meine passende Tasche schnell einklicken und wieder abnehmen. Vorne liegt der AQS-2.0-Adapter für geeignete Taschen oder Körbe bei. Das hilft im Alltag mehr als viele zusätzliche App-Funktionen: Arbeitsmaterial oder kleinere Einkäufe finden einen festen Platz.
Der Aufbau des gefaltet gelieferten Rades war in weniger als einer halben Stunde erledigt. Neben Ladegerät und Werkzeug liegen Anleitungen und Reflektoren bei. Lenker einsetzen, Sattel montieren, Pedale anschrauben und die Magnetplatte befestigen – viel mehr war am vormontierten Fahrrad nicht zu tun. Zum Abschluss gehört die Kontrolle des Reifendrucks dazu.
Stärken und Schwächen im Überblick
Vorteile
- Leiser 50-Nm-Antrieb mit fein reagierendem Drehmomentsensor.
- Dreigangautomatik schaltet im normalen Stadtverkehr weich und unauffällig.
- Sauberer, wartungsarmer Riemenantrieb.
- Gut ablesbares Display, zuverlässige App-Verbindung und hilfreiche Pfeilnavigation.
- Hydraulische Bremsen sowie praktische MIK- und AQS-Gepäcklösungen.
Nachteile
- An steilen Rampen schaltet die Automatik erst nach kurzer Entlastung zurück.
- 22 Kilogramm erschweren häufiges Tragen; gefaltet nur umständlich zu rollen.
- Auf grobem Untergrund begrenzter Komfort und zusätzliche Leitungsgeräusche.
- Feststehendes Frontlicht, keine Blinker und filigraner Seitenständer.
- Nur eine NFC-Karte; Smartphone-Entsperrung funktionierte im Test nicht.
Fazit: Komfortables Automatik-Faltrad mit klaren Grenzen
Das ADO Air 20 Ultra 2026 fährt sich so unkompliziert, wie es sein technisches Konzept verspricht. Motor, Drehmomentsensor, Riemen und Dreigangautomatik arbeiten im Stadtverkehr angenehm unauffällig zusammen. Dazu kommen eine gute Gepäckausstattung, zuverlässige App-Anbindung und eine Bedienung, die kaum Eingewöhnung verlangt.
Die Kehrseite zeigt sich dort, wo ein Faltrad besonders mobil sein soll: 22 Kilogramm trägt man nicht gern über mehrere Etagen, und als Trolley taugt das gefaltete Paket nur eingeschränkt. Auch die Automatik ist keine Bergschaltung für jede Situation. Wer überwiegend in der Stadt, auf Reisen oder beim Camping fährt und einen wartungsarmen Antrieb sucht, bekommt dennoch ein überzeugendes Gesamtpaket.
Der ADO Air 20 Pro bleibt die einfachere und meist günstigere Alternative aus demselben Haus. Das Ultra rechtfertigt den Aufpreis vor allem dann, wenn der dritte Gang, der stärkere Motor und die umfangreichere Alltagsausstattung tatsächlich genutzt werden. Weitere Modelle und Antriebskonzepte findest du in meinen E-Bike-Tests und im Motor-Ratgeber.
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ADO Air 20 Ultra 2026
Faltrad mit Dreigangautomatik
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