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Der ENGWE Y700 ABE gehört mit seinen 10 × 3 Zoll breiten Reifen zu den größten und schwersten E-Scootern mit deutscher Straßenzulassung. Sein Konzept verspricht eher entspanntes Touren als hektischen Stadtverkehr. Im Test musste sich zeigen, wie überzeugend diese Ausrichtung im Alltag funktioniert – und an welchen Stellen Größe und Gewicht Grenzen setzen.
Mein Urteil: Der ENGWE Y700 ABE spielt seine Stärken auf langen, überwiegend flachen Strecken aus. Vollfederung, breite Reifen, großes Trittbrett und 873-Wh-Akku ergeben ein auffallend komfortables Tourenpaket für Vielfahrer mit ebenerdigem Stellplatz. Wer häufig Treppen bewältigt, enge Wege fährt oder regelmäßig starke Steigungen überwinden muss, sollte das hohe Gewicht, die fehlenden Blinker und die Abstimmung des frühen Testfahrzeugs berücksichtigen. Aktuell ausgelieferte Modelle sollen laut ENGWE mit einem überarbeiteten Controller besser ansprechen; diese Version habe ich noch nicht nachgetestet.
873 WhAkkukapazität
31,7 kgFahrzeuggewicht
3,0 mBremsweg im Test
10 × 3″Breite Reifen
Fahrwerk und Komfort: die größte Stärke des Y700
Die Kombination aus Scherenfederung vorne, Stahlfederelement hinten und breiten Luftreifen funktioniert richtig gut. Bereits das Reifenvolumen nimmt viele kleine Unebenheiten auf. Die eigentliche Federung glättet anschließend größere Stöße. Auf schlechteren Wegen und Waldstrecken fährt sich der Engwe dadurch für seine damalige Preisklasse ausgesprochen komfortabel.
Die Reifen messen 10 × 3 Zoll. Sie passen zum breiten Trittbrett und zum massiven Aufbau. Mit 55 Zentimetern nutzbarer Länge und 19 Zentimetern Breite finde ich auf dem Deck bequem meine Position. Der Lenker steht ungefähr 1,33 Meter über dem Boden. Das ermöglicht eine sehr aufrechte Haltung, die zu einem entspannten Tourenfahrzeug passt.
Auf langen Geraden liegt der Y700 ruhig und stabil. In engen Kurven spüre ich die Masse dagegen deutlich. Schnelle Richtungswechsel verlangen Körpereinsatz; ein wendiger City-Scooter ist das nicht. Die langen Abmessungen und das hohe Gewicht gehören genauso zum Konzept wie der gute Komfort.
Technische Daten und Praxisergebnisse
| Getestetes Fahrzeug | Y700 ABE, Teststand Juni 2026 mit früher Controller-Abstimmung |
| Antrieb | Hecknabenmotor, 500 W Nenndauerleistung |
| Spitzenleistung | Testfahrzeug: 800 W angegeben; aktuelle Herstellerseite: 1.200 W und 28 Nm |
| Akku | 48 V, 18,2 Ah, rund 873 Wh |
| Herstellerreichweite | Bis zu 85 km unter Idealbedingungen |
| Laden | 2-A-Ladegerät, ungefähr 9–10 Stunden |
| Gewicht | 31,7 kg |
| Maximale Zuladung | 120 kg laut Hersteller |
| Maße | Aufgebaut 127 × 65 × 133 cm; gefaltet 127 × 65 × 57 cm |
| Wasserschutz | IPX5 laut Hersteller |
| Federung | Scherenfederung vorne und Stahlfederelement hinten |
| Reifen | 10 × 3 Zoll, breite Reifen |
| Trittbrett | Ungefähr 55 × 19 cm nutzbar |
| Tempo im Test | Display 20 km/h, GPS häufig eher rund 19 km/h |
| Steigungstest | 16-Prozent-Rampe bewältigt, dabei deutlicher Geschwindigkeitseinbruch |
| Bremsanlage | Mechanische Scheibenbremsen vorne und hinten, 140-mm-Scheiben |
| Bremsweg | Ungefähr 3 m im Test |
| Bedienung | 3,5-Zoll-Farb-LCD, NFC oder PIN, Bluetooth-App |
| Beleuchtung | 40-Lux-Frontlicht, Rücklicht mit Bremsfunktion und Seitenreflektoren; keine Blinker |
Motor im Test: gleichmäßiger Antritt, zurückhaltendes Tempo
Der Antrieb ist der auffälligste Widerspruch im Konzept des Y700: Er beschleunigt gleichmäßig und angenehm berechenbar, wirkt für einen 500-Watt-Scooter dieser Größe aber zu zurückhaltend. Die konservative Motorsteuerung passt zwar zum gelassenen Cruiser-Charakter, nimmt dem fast 32 Kilogramm schweren Fahrzeug jedoch die erwartete Souveränität.
Noch deutlicher wird die Abstimmung beim Tempo. Während das Display 20 km/h anzeigt, pendelte sich die per GPS gemessene Geschwindigkeit häufig eher bei 19 km/h ein. Auf längeren Strecken fällt dieser Unterschied im Vergleich zu flotter abgestimmten Modellen auf. Der ruhige Geradeauslauf lässt sich so zwar genießen, echtes Temperament entsteht kaum.
An Steigungen tritt diese Zurückhaltung noch deutlicher hervor. Die 16-Prozent-Rampe bewältigte der Y700 zwar, verlor dabei aber spürbar an Tempo; auch die beim Test angegebenen 800 Watt Spitzenleistung sorgen nicht für große Reserven. Für schwere Fahrer und regelmäßig steile Strecken ist das wenig überzeugend. Hinzu kommt der nötige Anschub zum Start, der am Hang mit fast 32 Kilogramm Fahrzeuggewicht schnell lästig wird.
Update zur Serienversion: Die Fahr- und Messwerte dieses Artikels dokumentieren das frühe Testfahrzeug aus Juni 2026, das mit 800 Watt Spitzenleistung angegeben war. ENGWE bewirbt den Y700 ABE inzwischen mit 1.200 Watt Spitzenleistung und 28 Nm. Nach Angaben von ENGWE werden die aktuell ausgelieferten Y700 ABE zudem mit einem neuen Controller ausgestattet. Dieser soll die beim Testfahrzeug beobachtete zurückhaltende Ansteuerung und die niedrigere Endgeschwindigkeit verbessern. Einen Y700 mit diesem Controller habe ich noch nicht nachgetestet; die Aussage ist daher als Herstellerinformation einzuordnen.
Testfahrzeug und spätere Leistungsangaben
Dieser Test dokumentiert das frühe deutsche ABE-Modell mit 500 Watt Nenndauerleistung und damals angegebenen 800 Watt Spitze. Spätere Herstellerunterlagen führen für den Y700 ABE 1.200 Watt Spitzenleistung, 28 Nm Drehmoment, bis zu 85 Kilometer Reichweite und IPX5 auf. Diese Angaben dürfen nicht rückwirkend auf das Testfahrzeug übertragen werden. Internationale ENGWE-Versionen sind zudem nicht automatisch für deutsche Straßen zugelassen.
Akku und Reichweite des Engwe Y700 ABE
Mit rund 873 Wattstunden fällt der Akku für diese Preisklasse groß aus. ENGWE nennt unter Idealbedingungen bis zu 85 Kilometer Reichweite. Wie weit der Y700 im Alltag kommt, hängt vor allem von Fahrergewicht, Fahrstufe, Temperatur, Reifendruck, Untergrund und Steigungen ab.
Die Kehrseite zeigt sich beim Laden. Das mitgelieferte Netzteil liefert 2 Ampere und benötigt für eine volle Ladung ungefähr neun bis zehn Stunden. Wer den Akku weitgehend leer fährt, sollte eine längere Ladepause einplanen. Für feste Pendelwege mit einer Lademöglichkeit über Nacht lässt sich damit arbeiten. Für spontanes schnelles Nachladen unterwegs ist das System weniger geeignet.
Die Abdeckung der Ladebuchse fand ich etwas fummelig. Sie hielt nicht immer so überzeugend, wie ich es mir wünschen würde. Auch die Anzeige des Ladezustands ist grob: Das Display zeigt Balken statt Prozent. Gerade bei langen Strecken würde eine genauere Anzeige die Planung erleichtern. Mehr dazu findest du im Akku-Ratgeber.
Solider Aufbau, NFC und Cockpit im Alltag
Das mattschwarze Finish, der glänzende Schriftzug und die roten Akzente ergeben einen stimmigen Auftritt. Der Rahmen wirkt solide verarbeitet, auch die Kunststoffverkleidungen hinterlassen einen robusten Eindruck. Am rund 65 Zentimeter breiten Lenker bleibt viel Platz für Zubehör. Für längere Touren hätte ich mir allerdings Griffe mit Handballenauflagen gewünscht.
Sieben ähnlich gestaltete Tasten drängen sich auf engem Raum, ohne sich haptisch klar voneinander abzugrenzen. Das Cockpit bietet damit zwar viele Direktfunktionen, verlangt während der Fahrt und besonders im Dunkeln aber zu viel Aufmerksamkeit. Weniger Tasten oder deutlich unterscheidbare Oberflächen wären die bessere Lösung.
Das zentral montierte 3,5-Zoll-Farbdisplay ist grundsätzlich gut lesbar. Bei Sonne spiegelt die Oberfläche jedoch kräftig. Entsperren lässt sich der Scooter per NFC oder PIN. Über die Bluetooth-App kann eine Wegfahrsperre aktiviert werden, die sich bei Annäherung wieder löst. Das ist praktisch, ersetzt beim Abstellen aber kein mechanisches Schloss.
Auch der Wechsel der Fahrstufe ist unnötig umständlich, weil dafür während der Fahrt kurz die Bremse betätigt werden muss. Solche Details lassen die Bedienlogik weniger ausgereift wirken als die grundsätzlich solide Hardware.
Gute Bremswirkung, aber fehlende Blinker
Vorne und hinten sitzen mechanische Scheibenbremsen mit jeweils 140 Millimeter großen Scheiben. Sie arbeiten zuverlässig, verlangen am Hebel aber eine kräftige Hand. Im Test lag der Bremsweg bei ungefähr drei Metern. Das ist für mich ein ordentliches Ergebnis und passt zur insgesamt soliden Konstruktion.
Das Frontlicht erfüllt seinen Zweck. Optisch und bei der Helligkeit gefällt mir besonders das große Rücklicht unter dem Heck. Es übernimmt auch die Bremslichtfunktion und ist deutlich wahrnehmbar. Bei starkem Einfedern kann das Schutzblech die Leuchte allerdings verdecken. Die Position ist deshalb nicht in jeder Fahrsituation ideal.
Blinker fehlen vollständig. Gerade bei einem schweren Touren-Scooter empfinde ich das als klare Ausstattungslücke. Richtungswechsel lassen sich mit Blinkern anzeigen, während beide Hände am Lenker bleiben. Zusammen mit der schwachen Bergabstimmung ist das einer der Punkte, die mich am Y700 am meisten stören.
Das hintere Schutzblech deckt die Federung nicht vollständig ab. Auf nassen oder schmutzigen Wegen bleibt dort entsprechend mehr Reinigungsarbeit. Das relativiert den sonst recht robusten und alltagstauglichen Eindruck etwas.
Passt gut zu
Flachen Pendelstrecken, langen Geraden und einem Stellplatz mit Steckdose. Dort lassen sich der große Akku und das komfortable Fahrwerk gut nutzen.
Passt weniger zu
Häufigen Treppen, engen Wegen und steilen Anstiegen. Gewicht, breite Bauform und zurückhaltender Motor fallen hier besonders auf.
Falten hilft beim Verstauen, beim Tragen nur bedingt
Der Klappmechanismus funktioniert einfach und gut. Die Lenkerenden bleiben jedoch starr. Dadurch entsteht auch zusammengelegt ein großes, schweres Paket. Das Falten erleichtert das Verstauen, macht aus dem Y700 aber keinen wirklich handlichen Scooter.
Für eine Garage, einen ebenerdigen Abstellraum oder gelegentliches Einladen ist das eher zu akzeptieren. Wer jeden Tag Treppen überwinden muss, wird die 31,7 Kilogramm schnell als wesentlichen Nachteil erleben. Das sollte bei der Entscheidung mindestens so viel zählen wie die hohe Akkukapazität.
Welche Alternative passt besser?
Der Y700 ABE ist vor allem dann interessant, wenn maximaler Fahrkomfort und viel Akku wichtiger sind als Gewicht und Agilität. Drei bereits von HennTech getestete Alternativen setzen andere Schwerpunkte:
Ausom L1 ABE
Die naheliegende Preis-Leistungs-Alternative mit Vollfederung und großem Akku. Etwas leichter und kräftiger abgestimmt, aber ebenfalls kein Scooter für häufige Treppen.
ePowerFun ePF-2 Pro
Der ausgewogenere Allrounder mit Wechselakku, Vollfederung und dichtem Servicenetz. Sinnvoll, wenn Alltagstauglichkeit wichtiger ist als das besonders große Deck des ENGWE.
Pure Air6 Ultra
Die passendere Wahl für Pendler, die einen komfortablen Tourer mit modernerer Integration und geringerem Transportballast suchen.
Stärken und Schwächen im Überblick
Vorteile
- Sehr komfortable Vollfederung und breite 10-Zoll-Reifen.
- Großer 873-Wh-Akku für lange Touren.
- Ruhiger Geradeauslauf und viel Platz auf dem Trittbrett.
- Kurzer Bremsweg von ungefähr 3 Metern im Test.
- NFC, PIN, App-Anbindung und gut ablesbares Farbdisplay.
Nachteile
- 31,7 Kilogramm Gewicht und großes Faltmaß erschweren den Transport.
- Frühes Testfahrzeug mit häufig nur rund 19 km/h per GPS und deutlichem Tempoverlust am Berg.
- Keine Blinker trotz tourentauglichem Konzept.
- Sieben ähnliche Tasten machen die Bedienung unnötig kompliziert.
- Mit dem 2-A-Ladegerät dauert eine Vollladung etwa neun bis zehn Stunden.
Fazit: Viel Fahrkomfort für preisbewusste Pendler
Der Y700 hinterlässt seinen besten Eindruck dort, wo Ruhe wichtiger ist als Temperament. Federung, breite Reifen, großes Trittbrett und die aufrechte Haltung ergeben einen ausgesprochen bequemen Cruiser; der große Akku und der stabile Aufbau passen konsequent zu diesem Charakter.
Beim frühen Testfahrzeug bleiben rund 19 km/h GPS-Tempo und der deutliche Geschwindigkeitsverlust an der Rampe der größte Vorbehalt. Fehlende Blinker, umständliche Bedienung und hohes Gewicht gehören ebenfalls in die Abwägung. Wer dagegen überwiegend flach fährt, ebenerdig lädt und Komfort höher bewertet als Agilität, findet im Y700 ein auffallend entspanntes Gesamtpaket. Weitere Einordnungen bieten die Allrounder-Tests und die E-Scooter-Bestenliste.
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Engwe Y700 ABE
Vollgefedert mit 873-Wh-Akku
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