Das TEZEUS C8 will Fahrrad und Computer so konsequent verbinden wie kaum ein anderes Urban E-Bike. Sein Carbonrahmen wiegt wenig, der kompakte Mittelmotor bleibt fast unsichtbar und im Vorbau sitzt ein fünf Zoll großes Touchdisplay mit Navigation, LTE, GPS und Fingerabdrucksensor. Der TEZEUS C8 Test zeigt, ob diese Technik den Stadtalltag wirklich einfacher macht – oder nur spektakulär aussieht.
Das Fahrrad
Carbonrahmen, 250-Watt-Mittelmotor, Drehmomentsensor, Riemenantrieb und optional eine automatische Dreigang-Nabenschaltung.
Der Computer
Fünf-Zoll-Touchdisplay, Linux-System, LTE, GPS, Google-Maps-Navigation, Fingerabdruck und ein Radar im Rücklicht.
Design: ein Urban Bike ohne sichtbare Technik
In Weiß mit schwarzen Details wirkt das C8 besonders schlank. Akku und Motor verschwinden im Unterrohr beziehungsweise am Tretlager, Beleuchtung und Bremsleitungen sind vollständig integriert. Schweißnähte gibt es am Carbonrahmen konstruktionsbedingt nicht. Selbst das große Display fügt sich besser in den Vorbau ein, als seine Bildschirmdiagonale zunächst vermuten lässt.
TEZEUS setzt für Motor, Licht und digitale Bedienung stark auf eigene Lösungen. Das ermöglicht die sehr geschlossene Gestaltung, macht die langfristige Ersatzteilversorgung aber schwerer einzuschätzen als bei einem etablierten Bosch- oder Shimano-System. Im Test wirkt die Verarbeitung insgesamt hochwertig und frei von Klappern. Auffällig sind lediglich die etwas ungleichmäßigen Spaltmaße am herausnehmbaren Akku.
Alltagstaugliche Details wurden nicht völlig dem Design geopfert. Montagepunkte für Flaschenhalter und Schloss sind vorhanden, Schutzbleche und Ständer gehören zur getesteten Ausstattung; auch ein Gepäckträger lässt sich ergänzen. Die einfachen Kunststoffpedale passen dagegen nicht ganz zum Premiumanspruch.
Mittelmotor und Riemen: natürliches Fahrgefühl
Der besonders kompakte Mittelmotor leistet die in Deutschland zulässigen 250 Watt und erreicht bis zu 60 Newtonmeter Drehmoment. Ein Drehmomentsensor misst, wie kräftig der Fahrer in die Pedale tritt, und passt die Unterstützung entsprechend an. Das Ergebnis wirkt harmonisch: Von sanftem Rückenwind bis zum kräftigen Antritt bleibt der Motor gut mit der eigenen Tretleistung verbunden.
Oberhalb der Unterstützungsgrenze erzeugt der Antrieb kaum spürbaren Widerstand. Der Carbonriemen arbeitet sauber und wartungsarm, benötigt weder Öl noch regelmäßige Kettenpflege. Unter hoher Last ist der Motor hörbar, bleibt aber akustisch unaufdringlich.
Warum die Dreigang-Automatik den Aufpreis wert ist
Das Basiskonzept ist als leichter Riemenantrieb gedacht. Im Test steckt zusätzlich eine automatische Dreigang-Nabenschaltung im Hinterrad. Sie wechselt per Fliehkraft ungefähr bei 15 und 20 km/h in den nächsten Gang; die Schaltpunkte lassen sich an der Nabe anpassen. Gerade an Steigungen und oberhalb von 25 km/h bleibt die Trittfrequenz dadurch deutlich angenehmer.
Die Schaltung erhöht Gewicht und Preis, erweitert den Einsatzbereich aber spürbar. Das ungefederte C8 wird damit nicht zum Tourenrad, fährt sich in hügeligen Städten jedoch vielseitiger. Ein per Software aktivierbarer Steigungs-Boost unterstützt den Mittelmotor zusätzlich, sobald das System eine entsprechende Neigung erkennt.
Fünf-Zoll-Display: das Smartphone steckt im Vorbau
Das helle Touchdisplay reagiert schnell und bleibt auch bei direkter Sonne gut ablesbar. Ein griffiger Drehring stellt unter anderem die Unterstützungsstufe ein; der Fingerabdrucksensor dient gleichzeitig als Starttaste. Der Startbildschirm zeigt Geschwindigkeit, Akkustand, Restreichweite und Wetter. Lichtautomatik, Displayhelligkeit und weitere Funktionen lassen sich direkt am Rad verändern.
Dank LTE und GPS arbeitet das Fahrrad weitgehend unabhängig vom Smartphone. Ziele können direkt eingegeben und über Google Maps angesteuert werden. Im Test funktioniert die Routenführung grundsätzlich, nutzt den großen Bildschirm aber noch nicht optimal: Statt einer Karte erscheinen vor allem Abbiegehinweise, die Geschwindigkeitsanzeige bleibt dabei relativ klein. Ziele und Sonderziele lassen sich über die Smartphone-App schneller suchen und anschließend ans Rad senden.
Wichtig zur Einordnung: Dieser Test bildet den Softwarestand der getesteten Modellgeneration ab. Navigation, App und Systemfunktionen können sich durch Updates verändern. Die Kritik am damaligen Bedienkonzept ist deshalb eine Momentaufnahme, keine dauerhafte Aussage über jede spätere Version.
Handling und Komfort: leicht, agil und konsequent sportlich
Ohne die optionale Nabenschaltung liegt das Gewicht laut Test bei ungefähr 15 Kilogramm; mit Automatik sind es rund anderthalb Kilogramm mehr. Damit lässt sich das C8 vergleichsweise bequem in Bus, Bahn oder Wohnung tragen. Das geringe Gewicht macht es im Stadtverkehr wendig und direkt.
Die getestete Geometrie richtet sich ungefähr an Fahrer zwischen 1,65 und 1,95 Meter. Lenker und Vorbau lassen sich weder in Höhe noch Winkel verstellen. Daraus entsteht eine leicht vorgebeugte, sportliche Sitzposition, die Kontrolle vermittelt, auf langen Strecken aber Handgelenke belasten kann.
Eine Federung fehlt vollständig. Die schmalen CST-Reifen rollen auf Asphalt schnell und sicher, feiner Schotter bleibt beherrschbar. Auf grobem Pflaster oder schlechten Wegen gelangen Schläge jedoch direkt in Hände und Rücken. Das maximale Systemgewicht von 110 Kilogramm begrenzt zudem die Zielgruppe. Das C8 ist ein leichtes Stadtrad – kein komfortabler Allroad-Tourer.
Akku und Reichweite im TEZEUS C8 Test
Der herausnehmbare Akku speichert 360 Wattstunden und nutzt Markenzellen. Entriegelt wird er nicht mit einem klassischen Schlüssel, sondern über das Smart-System. Eine dreifarbige LED zeigt den groben Ladezustand auch außerhalb des Fahrrads. Sollte der Akku zu leer für die elektronische Freigabe sein, kann er alternativ im Rahmen geladen werden.
Das kompakte Vier-Ampere-GaN-Ladegerät benötigt weniger als drei Stunden für eine vollständige Ladung. TEZEUS nennt unter Laborbedingungen bis zu 100 Kilometer. Im Test sind unter günstigen Bedingungen ungefähr 80 Kilometer möglich – ein starker Wert für einen 360-Wh-Akku, der jedoch deutlich von Unterstützungsstufe, Strecke, Temperatur und Fahrergewicht abhängt.
Radar, GPS und Bremsen: ungewöhnlich viel Sicherheitstechnik
Im Rücklicht steckt ein Millimeterwellenradar. Es erkennt Fahrzeuge, die sich von hinten nähern, und warnt abhängig von der Seite über Ton oder Vibration im Lenker. Das erinnert an einen Totwinkelassistenten im Auto und ist im Fahrradbereich noch selten. Die helle Frontleuchte blendet bei korrekter Einstellung den Gegenverkehr nicht.
Die hydraulischen Xtech-Scheibenbremsen arbeiten mit 160-Millimeter-Scheiben und zwei Kolben. Druckpunkt und Verzögerung überzeugen im Test. Die elektronische Klingel ist laut genug und kann angepasst werden; klassische Klingeltöne werden im Verkehr am zuverlässigsten erkannt.
GPS und Mobilfunk ermöglichen eine Ortung sowie eine kostenlose Diebstahlbenachrichtigung zum damaligen Testzeitpunkt. Wird das aktivierte Fahrrad bewegt, ertönt ein Alarm und die App sendet eine Pushmeldung. Fingerabdruck und Standortfunktion ersetzen dennoch weder Schloss noch Versicherung. Außerdem fehlten im Test Auto-Unlock per Bluetooth und die Möglichkeit, mehrere Fingerabdrücke komfortabel zu verwalten.
Für wen passt das TEZEUS C8?
Das spricht für das C8
- sehr leichter Carbonrahmen
- natürlich abgestimmter Mittelmotor
- wartungsarmer Riemenantrieb
- helles, responsives Touchdisplay
- GPS, LTE, Radar und Fingerabdruck
- schnelles Vier-Ampere-Ladegerät
Das sollte vorher klar sein
- keine Federung und sportliche Sitzposition
- nur eine Rahmengröße
- 110 kg maximales Systemgewicht
- Software damals noch nicht ausgereift
- proprietäre Komponenten erschweren Prognosen zu Service und Ersatzteilen
- Automatikschaltung kostet extra und erhöht das Gewicht
Detailaufnahmen aus dem Praxistest
Fazit: beeindruckendes Technikrad mit klarer Stadt-DNA
Der TEZEUS C8 Test zeigt ein außergewöhnliches Urban E-Bike. Carbonrahmen, kaum sichtbarer Mittelmotor und Riemenantrieb ergeben ein leichtes, agiles Fahrrad mit natürlichem Fahrgefühl. Das große Display, Radar, GPS und Fingerabdruck sind nicht bloß Dekoration: Besonders Navigation, Ortung und die Warnung vor rückwärtigem Verkehr können im Alltag echten Mehrwert liefern.
Seine Grenzen setzt das C8 selbst sehr deutlich. Es liebt guten Asphalt, kurze bis mittlere Stadtstrecken und Fahrer, die eine sportliche Position mögen. Auf Kopfsteinpflaster fehlt Komfort, die damalige Software brauchte Feinschliff und bei proprietären Komponenten bleibt die langfristige Servicefrage wichtiger als bei etablierten Großseriensystemen. Wer genau diese Technikaffinität mitbringt und die Automatikschaltung ergänzt, bekommt jedoch eines der eigenständigsten smarten E-Bikes seiner Generation. Weitere Konzepte vergleichen wir in unserem Beitrag Smarte E-Bikes im Vergleich.
TEZEUS
Smarte Carbon-E-Bikes für die Stadt
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