ADO Air 20 Pro Test: Automatik, Riemen und Klappmechanismus

Automatikschaltung, Carbonriemen, Drehmomentsensor und eine echte Federgabel: Im ADO Air 20 Pro Test tritt ein kompaktes Klapp-E-Bike an, das Pendlern möglichst viele Entscheidungen abnehmen möchte. Der Clou ist nicht allein die Ausstattung, sondern wie unauffällig sie zusammenarbeitet. Unser 2024 getestetes Modell fährt sich natürlicher, als sein technisches Datenblatt vermuten lässt.

Das Pendlerprofil in 30 Sekunden

  • kompakt: 20-Zoll-Klapprad für Bahn, Kofferraum und kleine Wohnungen
  • komfortabel: breite Reifen und eine Federgabel mit einstellbarer Sperre
  • pflegeleicht: Carbonriemen statt ölender Fahrradkette
  • entspannt: automatische Zweigangschaltung und fein reagierender Drehmomentsensor

Aufbau und Verarbeitung: in rund 30 Minuten fahrbereit

Das Air 20 Pro kommt weitgehend vormontiert aus dem Karton. Lenker ausrichten, Sattel einstellen, Pedale kontrollieren und die Schraubverbindungen prüfen – im Test war das Rad nach ungefähr einer halben Stunde einsatzbereit. Eine Werkstatt ist für den Erstaufbau nicht zwingend nötig, sorgfältiges Nachziehen und ein kurzer Bremsencheck gehören dennoch dazu.

1. Ausklappen

Rahmen und Lenksäule verriegeln. Beide Verschlüsse sind gegen versehentliches Öffnen gesichert.

2. Einstellen

Sattel und Lenker lassen sich ohne Werkzeug an unterschiedliche Fahrer anpassen.

3. Kontrollieren

Luftdruck, Bremsen und Verschlüsse kurz prüfen – dann kann die erste Fahrt beginnen.

Der Rahmen wirkt stabil und blieb auf der Testrunde erfreulich ruhig. Klappern oder auffälliges Spiel an den Gelenken waren nicht zu hören. Das ist bei einem Faltrad wichtiger als eine besonders spektakuläre Form: Jede zusätzliche Verbindung kann theoretisch Geräusche oder Bewegung ins Chassis bringen. ADO löst diese Aufgabe beim Testbike überzeugend.

Motor und Drehmomentsensor: Unterstützung ohne Gummibandgefühl

Im Hinterrad arbeitet ein Bafang-Nabenmotor mit 250 Watt und 40 Newtonmetern. Auf dem Papier klingt das zurückhaltend, im Stadtverkehr zählt aber vor allem die Dosierung. Der Drehmomentsensor im Tretlager misst nicht nur, ob sich die Kurbel dreht, sondern wie kräftig der Fahrer tritt. Dadurch setzt der Motor schnell ein und passt seine Hilfe an den eigenen Einsatz an.

So fühlt es sich an: Beim Anfahren schiebt das Air 20 Pro nicht plötzlich los. Es verstärkt die eigene Tretkraft und bleibt dadurch auch in engen Kurven gut kontrollierbar. An einer Steigung reagiert es sofort, wenn mehr Druck aufs Pedal kommt.

Drei Unterstützungsstufen decken den Weg vom sparsamen Mitschieben bis zur kräftigen Hilfe ab. Bei 25 km/h endet die Motorunterstützung gesetzeskonform. Eine Schiebehilfe bewegt das Rad mit bis zu 6 km/h, wenn eine Rampe, ein Bahnsteig oder eine steile Einfahrt zu Fuß bewältigt werden muss.

Automatische Zweigangschaltung: klein, aber erstaunlich wirkungsvoll

Die vollständig im Hinterradantrieb integrierte Zweigangautomatik ist das prägende Merkmal des Air 20 Pro. Es gibt keinen Schalthebel und kein Ritzelpaket. Bis ungefähr 20 km/h bleibt die Übersetzung leicht genug für entspanntes Anfahren; darüber schaltet das System automatisch in einen längeren Gang. Die Trittfrequenz sinkt, und das Rad lässt sich bei höherem Tempo angenehmer bewegen.

Unterhalb von 20 km/h

Leichte Übersetzung, kontrolliertes Anfahren und gute Unterstützung an moderaten Steigungen.

Oberhalb von 20 km/h

Die Automatik verlängert die Übersetzung. Das verhindert hektisches Leertreten auf schnellen Abschnitten.

Im normalen Stadtverkehr funktioniert der Wechsel unauffällig. Erst unter hoher Last zeigt das Prinzip seine Grenze: Erfolgt der Gangwechsel mitten in einer steilen Passage, hilft es, den Pedaldruck für einen Moment zu reduzieren. Eine klassische Kettenschaltung bietet mehr Abstufungen, verlangt aber auch mehr Bedienung und Pflege. Das ADO setzt bewusst auf Einfachheit.

Riemenantrieb: sauberer Begleiter für den Arbeitsweg

Statt einer Kette überträgt ein Carbonriemen von Toptrans die Kraft. Er braucht kein Kettenöl, verschmutzt die Hosenbeine nicht und läuft nahezu geräuschlos. ADO stellte für den Riemen eine Laufleistung von 20.000 bis 30.000 Kilometern in Aussicht. Wie immer hängt die tatsächliche Haltbarkeit von Spannung, Nutzung und Pflege ab.

Automatik und Riemen nehmen dem Fahrer Arbeit ab. Gerade im täglichen Pendelbetrieb ist diese Ruhe wertvoller als eine lange Ausstattungsliste.

Die Kombination passt besonders gut zu einem Faltrad, das regelmäßig in Wohnung, Büro oder Bahn landet. Es gibt keine ölverschmierte Kette, die Kleidung oder Gepäck berührt. Gleichzeitig bleiben Schaltung und Antrieb optisch aufgeräumt.

Akku und Reichweite: 345 Wh für den Pendelalltag

Technik des 2024er Testbikes

  • Motor: Bafang-Hinterradmotor, 250 Watt und 40 Newtonmeter
  • Sensor: Drehmomentsensor
  • Schaltung: automatische Zweigangschaltung
  • Antrieb: Carbonriemen
  • Akku: 345 Wh, in der Sattelstütze entnehmbar
  • Praxisreichweite: etwa 60 bis 80 Kilometer im Test
  • Ladezeit: rund fünf bis sechs Stunden mit 2-Ampere-Ladegerät
  • Gewicht: rund 18 Kilogramm inklusive Akku
  • Bremsen: hydraulische Scheibenbremsen mit 160-Millimeter-Scheiben

Der 345-Wh-Akku steckt in der Sattelstütze. Zum Herausnehmen wird die Stromverbindung getrennt, das Schloss geöffnet und die Stütze über den Schnellspanner nach oben gezogen. So kann der Energiespeicher in der Wohnung geladen werden, während das Rad im Keller oder in der Garage bleibt. Für den Transport lässt sich außerdem Gewicht aus dem gefalteten Bike nehmen.

Im Test waren je nach Strecke, Unterstützungsstufe und Fahrweise ungefähr 60 bis 80 Kilometer realistisch. Das ist für typische Pendelwege ordentlich, bleibt aber deutlich von Idealwerten unter Laborbedingungen entfernt. Das 2-Ampere-Ladegerät benötigt rund fünf bis sechs Stunden. Wer täglich weit fährt, sollte das Laden also über Nacht einplanen.

Komfort und Ergonomie: breite Reifen treffen kurze Geometrie

Die breiten 20-Zoll-Reifen von Chaoyang rollen auf Asphalt stabil und behalten auf Schotter oder sandigen Passagen spürbar Grip. Dazu kommt eine einstellbare Federgabel, deren Dämpfung für glatten Asphalt gesperrt werden kann. Zusammen entsteht mehr Komfort als bei vielen minimalistischen Klapprädern.

Lenker und Sattel sind in der Höhe verstellbar. Bis ungefähr 1,90 Meter ließ sich im Test eine brauchbare Position finden; deutlich größere Fahrer sollten die kompakte Rahmengeometrie unbedingt ausprobieren. Der schmale, gerade Lenker unterstützt präzise Richtungswechsel, fühlt sich aber weniger entspannt an als ein breiter Tourenlenker. Auch der Seriensattel dürfte für längere Strecken weicher ausfallen.

Falten und Transport: eine einstudierte Choreografie

  1. Pedale einklappen und Lenker gerade ausrichten.
  2. Den doppelt gesicherten Verschluss am Hauptrahmen lösen.
  3. Rahmenhälften zusammenklappen und die Räder magnetisch aneinander fixieren.
  4. Lenksäule umlegen und den Sattel absenken, bis er als Stütze dient.

Nach wenigen Versuchen geht der Ablauf schnell von der Hand. Die magnetische Fixierung verhindert, dass die beiden Rahmenhälften beim Tragen auseinanderwandern. Rund 18 Kilogramm inklusive Akku waren für das 2024 getestete Modell dennoch kein Leichtgewicht, aber noch gut beherrschbar. Für tägliche Treppen über mehrere Stockwerke zählt jedes Kilogramm; für Kofferraum und Bahn ist das Format dagegen sehr praktisch.

Display, App und Sicherheit: gute Hardware, App mit Luft nach oben

Das TFT-Farbdisplay blieb im Sonnenlicht gut ablesbar. Die wichtigsten Fahrdaten und Unterstützungsstufen sind schnell erfasst. Über die ADO-App lassen sich Einstellungen und Firmware verwalten; eine Smartphone-Navigation kann Hinweise an das Fahrraddisplay übertragen. Im damaligen Test reagierte die App jedoch teilweise langsam und die Navigation wirkte nicht immer ausgereift. Das Display selbst hinterließ den deutlich besseren Eindruck.

Hydraulische Scheibenbremsen mit 160-Millimeter-Scheiben verzögerten kräftig und gut dosierbar. Das Frontlicht wird über den Fahrradakku versorgt und lässt sich ausrichten. Blinker waren ebenfalls vorhanden. Beim Testmuster fehlte allerdings ein roter Rückstrahler – ein Detail, das vor der ersten Fahrt kontrolliert und gegebenenfalls ergänzt werden sollte.

Wichtig zur aktuellen Modellgeneration

Dieser Test beschreibt das 2024 gefahrene ADO Air 20 Pro. ADO bietet inzwischen eine überarbeitete 2026er Generation an. Ausstattung, Gewicht, Reichweitenangaben, Farben und Preis können deshalb vom Testbike abweichen. Der Angebotslink am Ende führt zur aktuell erhältlichen Produktseite.

Detailaufnahmen aus dem Praxistest

ADO Air 20 Pro Klapp-E-Bike in Gesamtansicht
Das ADO Air 20 Pro bringt Schutzbleche, Gepäckträger, Federgabel und Riemenantrieb ab Werk mit.
Federgabel des ADO Air 20 Pro
Die kompakte Federgabel erhöht den Komfort des 20-Zoll-Klapprads.
Carbonriemen am ADO Air 20 Pro
Der wartungsarme Carbonriemen hält den Antrieb sauber und leise.
Bafang Hinterradmotor am ADO Air 20 Pro
Der Bafang-Nabenmotor sitzt im Hinterrad und unterstützt das kompakte E-Bike.
Akku in der Sattelstütze des ADO Air 20 Pro
Der Akku steckt platzsparend in der Sattelstütze und lässt sich zum Laden entnehmen.
Farbdisplay des ADO Air 20 Pro
Das Farbdisplay zeigt Geschwindigkeit, Fahrmodus, Strecke und Verbrauch.

Fazit zum ADO Air 20 Pro Test

Das ADO Air 20 Pro ist kein Faltrad, das nur durch ein kleines Packmaß auffällt. Drehmomentsensor, Automatikschaltung und Carbonriemen bilden ein schlüssiges Antriebskonzept: Das Rad reagiert natürlich, schaltet selbstständig und bleibt im Alltag sauber und leise. Breite Reifen, Federgabel und hydraulische Bremsen ergänzen dieses Paket sinnvoll.

Grenzen zeigen sich beim eher festen Sattel, der kompakten Geometrie für sehr große Fahrer und der damals noch hakeligen App-Navigation. Auch die Zweigangautomatik ersetzt keine fein abgestufte Schaltung für anspruchsvolle Bergstrecken. Für Pendler, die ein unkompliziertes E-Bike in Bahn, Kofferraum oder Wohnung mitnehmen möchten, ist das Air 20 Pro dennoch ungewöhnlich rund abgestimmt.

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