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Während die meisten E-Scooter möglichst kompakt und leicht transportierbar sein wollen, verfolgt der Streetbooster Pollux den entgegengesetzten Ansatz. Zwölf-Zoll-Reifen, ein massiver Rahmen und ein entnehmbarer 624-Wh-Akku sollen vor allem Stabilität, Traktion und Tourentauglichkeit verbessern. Im Praxistest habe ich geprüft, wie viel das ungewöhnliche Konzept auf Asphalt, Schotter und an Steigungen bringt – und für wen ein 36 Kilogramm schwerer, nicht klappbarer Scooter trotzdem sinnvoll ist.
Mein Urteil: Der Streetbooster Pollux ist ein spezialisierter, aber ausgesprochen souveräner Touren-Scooter für Fahrer, die Fahrstabilität und Alltagstauglichkeit höher gewichten als Transportfähigkeit. Seine großen Reifen, der ruhige Geradeauslauf und das sehr praktische Wechselakku-System überzeugen besonders auf längeren Strecken und wechselnden Untergründen. Ich empfehle ihn Vielfahrern mit ebenerdigem Stellplatz, die ihren Scooter überwiegend fahren und nur selten transportieren. Für Treppen, Bahnfahrten oder einen kleinen Kofferraum ist das 36 Kilogramm schwere, nicht klappbare Konzept dagegen ungeeignet.
12 Zoll
schlauchlose Luftreifen
624 Wh
Akku im Testfahrzeug
36 kg
Herstellerangabe
144 kg
maximale Zuladung
Design und Verarbeitung: eigenständig und massiv
Mit seiner neongrünen Verkleidung und dem geteilten Lenker im BMX-Stil fällt der Pollux sofort auf. Hinter dem eigenständigen Design steckt ein sorgfältig gebautes Fahrzeug: Das Chassis wirkt massiv, die gummierte Trittfläche hochwertig, Kabel und Bremsleitungen sind weitgehend verdeckt verlegt. Alternativ gibt es dezentere Farbkombinationen.
Der Mittelständer hält den schweren Scooter sicher aufrecht. Auch Schutzbleche und Verkleidung passen zum robusten Auftritt. Nach schmutzigen Touren lohnt sich ein Blick auf das nicht vollständig gekapselte hintere Federbein. Mit 132 × 69,5 × 122 Zentimetern ist der Pollux zudem deutlich größer als ein typischer Pendler-Scooter. Das 45 Zentimeter lange und bis zu 23 Zentimeter breite Trittbrett bietet viel Platz, wird vorn durch den Aufbau aber etwas eingeschränkt.
Fahrverhalten: handlicher als 36 Kilogramm vermuten lassen
Trotz 36 Kilogramm lässt sich der Pollux präziser dirigieren, als sein massiver Aufbau vermuten lässt. Die fein dosierbare Gasannahme unterstützt enge Richtungswechsel, der 69,5 Zentimeter breite Lenker vermittelt reichlich Kontrolle. Echte Leichtfüßigkeit ist dennoch nicht sein Ziel: Der große Radstand und die Lenkungsdämpfung geben ihm vor allem Ruhe, Spurtreue und einen souveränen Geradeauslauf.
So fühlt er sich an: nicht leichtfüßig wie ein kompakter City-Scooter, sondern satt, spurtreu und kontrolliert. Nach kurzer Eingewöhnung schafft gerade diese Ruhe Vertrauen.
12-Zoll-Reifen und Vollfederung im Praxistest
Die schlauchlosen CST-Reifen mit Stollenprofil gehören zu den großen Stärken des Pollux. Auf Schotter, Sand und Feldwegen finden sie zuverlässig Halt. Ihr großer Durchmesser entschärft Kanten bereits mechanisch und verbessert die Laufruhe. Auf glattem Asphalt ist das grobe Profil hörbar; seinen eigentlichen Vorteil spielt es auf gemischten Untergründen aus.
Vorn arbeitet eine klassische Federgabel. Ihr Federweg ist überschaubar, reicht zusammen mit den großen Rädern für Kopfsteinpflaster, Schotter und Wiese aber gut aus. Das Fahrwerk bleibt dabei angenehm leise, ohne störendes Klappern. Die Hinterradfederung ist straffer abgestimmt: Bei 85 Kilogramm Fahrergewicht filtert sie kleine Ruckler, bei gröberen Schlägen wünsche ich mir mehr Nachgiebigkeit. Die Abstimmung lässt sich mit geeignetem Werkzeug beeinflussen, eine schnelle werkzeuglose Verstellung fehlt.
Antrieb und Bergtest: leise, kontrolliert, mit klarer Grenze
Der 48-Volt-Heckmotor leistet 500 Watt nominal und laut Hersteller bis zu 1.200 Watt in der Spitze. Die Hobbywing-Steuerung setzt Gasbefehle ruckfrei um, der Anzug ist kräftig und der Motor erfreulich leise. Im Sportmodus zeigt das Display 22 km/h, die GPS-Kontrolle ergibt ungefähr 21,5 bis 21,7 km/h.
Steigungstest: An der rund 15 Prozent steilen Parkhausrampe bietet der Pollux ordentliche Alltagsreserven. Mit mir hält er etwa 10 km/h; nach einem erneuten Start sind es rund 7 km/h. Der nötige Kickstart verlangt am Hang zunächst ungefähr 3 km/h Anschiebegeschwindigkeit – bei 36 Kilogramm Fahrzeuggewicht ist das der unkomfortablere Teil der ansonsten soliden Leistung.
Die mehr als 25 Prozent steilen „hannoverschen Alpen“ fordern ihn deutlich stärker. Gemeint sind kurze, besonders steile Testpassagen im Raum Hannover – kein Gebirge, sondern ein zusätzlicher Härtetest für den Antrieb. Auf losem Untergrund und mit 85 Kilogramm Fahrergewicht fällt das Tempo schließlich so weit ab, dass ich nicht weiterkomme. Das liegt deutlich oberhalb der vom Hersteller genannten maximalen Steigfähigkeit von 18 Prozent. Für gewöhnliche Alltagsanstiege bietet der Pollux ordentliche Reserven; für regelmäßig extrem steile Geländewege gibt es stärkere Alternativen.
Wechselakku: das stärkste Alltagsargument
Das Akkufach zählt zu den besten Details des Pollux. Nach dem Entriegeln mit dem Schlüssel öffnet sich die Abdeckung unterstützt von Gasdruckdämpfern. Der Akku lässt sich anschließend ohne umständliches Hantieren herausheben. Der Mechanismus wirkt hochwertig und erlaubt das Laden sowohl im Fahrzeug als auch in der Wohnung.
Im Testfahrzeug waren 624 Wattstunden angegeben. Mit dem mitgelieferten 2-Ampere-Netzteil lag die vollständige Ladezeit bei etwa fünf bis sechs Stunden. Eine eigene Ladestandsanzeige und einen USB-Ausgang besitzt der Akku nicht.
Wichtig beim Kauf: Mein Testfahrzeug von 2024 besitzt den 624-Wh-Akku. Die aktuelle Herstellerseite nennt 538 Wh, 38 Kilometer normale und bis zu 50 Kilometer optimale Reichweite. Deshalb sollte die konkrete Akkuversion im jeweiligen Angebot geprüft werden.
Ein Zweitakku erweitert den Aktionsradius und macht das Konzept besonders interessant für einen festen Stellplatz ohne Steckdose. Grundlagen zu Reichweite, Laden und Akkupflege erklärt mein Akku-Ratgeber.
Bremsen, Licht und App
Vorn verzögert eine wartungsarme Trommelbremse, hinten eine mechanische Zoom-Scheibenbremse mit 160-Millimeter-Scheibe. Die hintere Bremse greift kräftig zu, die vordere arbeitet weicher und gut kontrollierbar. Aus 22 km/h und mit 85 Kilogramm Fahrergewicht messe ich hinten 3,89 Meter, vorn 6,82 Meter und mit beiden Bremsen sehr gute 2,63 Meter. Dabei bleibt der Pollux spurtreu und auf dem breiten Trittbrett gut kontrollierbar. Eine elektronische Motorbremse und Rekuperation gibt es nicht.
Die hellen Lenkerblinker strahlen nach vorn und hinten ab. Ihre Tasten sind gut erreichbar, zusätzlich zeigt das Display die gewählte Richtung. Ein separates Blinkerpaar am Heck fehlt. Das ausreichend helle Rücklicht besitzt eine Bremslichtfunktion, das sauber integrierte Frontlicht lässt sich im Neigungswinkel anpassen. Eine mechanische Klingel ist ebenfalls vorhanden.
Das LED-Display zeigt Geschwindigkeit, Fahrstufe und den Akkustand in fünf Balken. Zwischen Sportmodus, 15-km/h-Stufe und Schiebehilfe wird per Doppelklick auf den mittigen Knopf gewechselt. Dafür halte ich an, denn während der Fahrt ist er mit dem Daumen nicht sinnvoll erreichbar. Die kostenlose STREETBOOSTER-App koppelt sich im Test stabil und ergänzt unter anderem Wegfahrsperre, Tageskilometer, Akkudaten und Firmware-Updates. Für das Fahren selbst ist sie nicht erforderlich.
Pollux, ePF-2 Pro oder Egret GT?
Der Pollux ist kein klassischer Allrounder zum Mitnehmen. Sinnvoller ist der Vergleich mit anderen vollgefederten Modellen, die ebenfalls Wert auf einen entnehmbaren Akku legen:
Streetbooster Pollux
Die Wahl für große 12-Zoll-Reifen, sehr ruhigen Geradeauslauf und einen besonders schnell entnehmbaren Akku. Dafür schwer und nicht klappbar.
ePowerFun ePF-2 Pro
Der vielseitigere Allrounder, wenn Klappbarkeit und ein deutlich handlicheres Format wichtig sind. Ebenfalls vollgefedert und mit Wechselakku.
Egret GT
Die hochwertige Tourenalternative mit 13-Zoll-Reifen, Wechselakku und mehr Komfortreserven – preislich jedoch in einer anderen Klasse.
Streetbooster Pollux: technische Daten und Messwerte
| Testgrundlage | Testfahrzeug von April 2024; Fahrergewicht 85 kg |
|---|---|
| Antrieb | 48-V-Heckmotor; 500 W Nenndauerleistung, bis 1.200 W Spitze laut Hersteller |
| Akku im Test | 624 Wh angegeben; entnehmbar und separat ladbar |
| Aktueller Modellstand | 538 Wh; 38 km normale und bis zu 50 km optimale Herstellerreichweite |
| Laden | 2-A-Ladegerät; etwa 5–6 Stunden beim Testfahrzeug |
| Gewicht / Zuladung | 36 kg / maximal 144 kg laut Hersteller |
| Maße | 132 × 69,5 × 122 cm; Radstand 100 cm |
| Trittbrett | 45 × 23 cm, im schmaleren Bereich 18 cm |
| Reifen / Federung | 12-Zoll-CST-Tubelessreifen; Federgabel vorn und Federbein hinten |
| GPS-Tempo | Etwa 21,5–21,7 km/h im Sportmodus |
| 15-Prozent-Rampe | Etwa 10 km/h; nach erneutem Anfahren etwa 7 km/h |
| Bremsweg aus 22 km/h | Vorn 6,82 m; hinten 3,89 m; beide Bremsen 2,63 m bei 85 kg Fahrergewicht |
| Bremssystem | Trommelbremse vorn, mechanische 160-mm-Scheibenbremse hinten; keine Motorbremse |
| Licht | Frontlicht, Rücklicht mit Bremslicht und Lenkerblinker |
| Schutzklasse | IP65 laut Hersteller |
| Transport | Starrer Rahmen; Lenker weder klappbar noch höhenverstellbar |
Service und Ersatzteile: ein echter Pluspunkt
STREETBOOSTER verspricht sieben Jahre Ersatzteilverfügbarkeit ab Kauf. Im Shop sind für den Pollux nicht nur Verschleißteile wie Bremsbeläge und 12-Zoll-Reifen gelistet, sondern auch Controller, Display, Akkuschloss, Verkleidungsteile und einzelne Fahrwerkskomponenten. Dazu kommen eine eigene Werkstatt sowie buchbare Inspektions- und Reifenservices. Gerade bei einem schweren, konstruktiv ungewöhnlichen Scooter ist diese langfristige Versorgung ein wichtiger Vorteil.
Für wen lohnt sich der Streetbooster Pollux?
Der Pollux passt gut, wenn …
- du ebenerdig parkst und selten tragen musst,
- du regelmäßig Asphalt, Schotter und Feldwege kombinierst,
- dir große Räder und ruhiger Geradeauslauf wichtiger sind als ein kleines Faltmaß,
- du den Akku zum Laden mit in die Wohnung nehmen möchtest.
Für häufiges Treppentragen, Bahnfahrten oder einen kleinen Kofferraum ist er dagegen die falsche Wahl. Der Pollux lässt sich nicht zusammenklappen, die breiten Lenkerenden bleiben starr und 36 Kilogramm lassen sich nicht schönreden. Wer ihn an einem festen Stellplatz abstellt und direkt zur Tour startet, nutzt die robuste Bauweise dagegen ohne ihren größten Nachteil ständig zu spüren.
Stärken und Schwächen im Überblick
Vorteile des Streetbooster Pollux
- Große 12-Zoll-Reifen mit viel Traktion auf wechselnden Untergründen
- Satter Geradeauslauf, breiter Lenker und wirksame Lenkungsdämpfung
- Schneller, hochwertig gelöster Akkuwechsel und separates Laden
- Sehr kurzer Bremsweg von 2,63 m mit beiden Bremsen
- Sieben Jahre Ersatzteilversorgung und eigenes Serviceangebot
Nachteile des Streetbooster Pollux
- 36 kg und keine Klappfunktion erschweren Transport und Treppentragen
- Hinterradfederung bei 85 kg Fahrergewicht eher straff
- Keine schnelle Fahrwerksverstellung ohne Werkzeug
- Begrenzte Reserven an extrem steilen Geländeanstiegen
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Streetbooster Pollux
12-Zoll-Reifen, Vollfederung und Wechselakku
Fazit: Ein Spezialist für große Räder und festen Stellplatz
Seinen stärksten Auftritt hat der Pollux auf gemischten Wegen: Große Reifen, das stabile Fahrwerk und die ruhige Lenkung vermitteln viel Sicherheit, ohne den Fahrer mit hektischen Reaktionen zu beschäftigen. Das Wechselakkusystem ist dabei mehr als ein Ausstattungsdetail – es macht das Laden auch ohne Steckdose am Stellplatz komfortabel und passt ideal zum schweren Tourenkonzept.
Mein Urteil: Wer ebenerdig parkt und einen robusten Begleiter für Stadt, Schotter und Feldwege sucht, bekommt einen ungewöhnlich souveränen Tourer. Wer dagegen regelmäßig trägt oder faltet, sollte zum leichteren ePF-2 Pro greifen.
Weitere Modelle findest du in meinen Allrounder-Tests und der E-Scooter-Bestenliste.
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